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Full text of "Zeugnisse und excurse zur deutschen heldensage"

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ZEUGNISSE UND EXCURSE. 253 



ZEUGNISSE UND EXCURSE ZUR DEUTSCHEN 
HELDENSAGE. 

I. 

Cassiodor Variar. XI, 1: Hanc (Amalasuentharn) si parentum 
cobors illn regalis aspiceret, tanquam in speculum purissimum sua 
praeconia mox videret. cnituit enim Amala felicitate, Ostrogotha 
patientia, Athala mansuetudine, Vinitharius aequitate, Hunimundns 
forma, Thorismundus castitate, Valamir fide, Theodemir pietate, sa- 
pientia inclitus pater. 

Dafs diese praedicate zum «rösten theil auf sage und poesie 
beruhen, ist nicht zweifelhaft, die genealogie der Arnaler bei Jor- 
danes c. 14, eingestandener mafsen aus der mündlichen Überliefe- 
rung geschöpft, ergibt freilich nur nackte namen. auch für das 
'glück' des begründers des berühmten künigsgeschlechts sprach 
wohl weniger eine begründete historische tradition, als die blofse 
Wahrscheinlichkeit des rückschlufses. was aber Jordanes c. 17 von 
Ostrogota erzählt, läfst die ihm beigelegte patientia schon begreifen 
und auf weiteres schliefsen: tunc Ostrogotha rex Gothorum, ut erat 
solidi animi, respondit legatis (Gepidarum), bellum se quidem tale 
horrere durumque fore et omnino scelestum armis confligere cum 
propinquis, loca vero non cedere. auch noch der travellers song, 
wenn er v. 113. 114 den Eästgotan frödne and gödne, fader Unve- 
nes preist, läfst auf mehr schliefsen. Unv£n entspricht dem Hun- 
uil in der genealogie der Amaler, dem söhn des Ostrogota. der 
name: Hunuil in den beiden Palatinis, Hunnuil im Ambrosianas, 
Unilt in unsern schlechten ausgaben ist corrupt. ist 1 rest eines N, 
so wäre Unuin gleich Unven, wie Theodemir Valamir Videmir gleich 
Theodemer Valamir Videmer. Athala ist nach der genealogie Un- 
vens söhn, Vinitharius der grofsvater der brüder Theodemir und 
Valemir folgt auf ihn im fünften gliede, im vierten Hunimund der 
söhn des Ermar.arich, wieder im fünften Thorismund der söhn des 
Hunimund, der urgrofsvater des gemahls der Amalasuentha. Jor- 
danes erzählt c. 48 von den kämpfen des Vinitharius, Hunimund 
und Thorismund mit den Slaven Hünen und Gepiden. auch er 
rühmt die Schönheit des Hunimund : acer in bello totiusque corpo- 



254 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

ris pulcritudine pollens. Thorismund soll (dicitur) im ersten Jüng- 
lingsalter — flore iuventutis ornatus — nach einem siege über die 
Gepiden durch einen stürz vom pferde seinen tod gefunden haben. 
Vinitharius wird im kämpf mit den Slaven durch einen pfeil im 
haupt verwundet, wie Dietrich nach der ungarischen sage (heldens. 
s. 164). die tides des Valamir und pietas des Theodemir bezieht 
sich wohl nur auf das gegenseitige Verhältnis der brüder. das 
praedicat das Cassiodor seinem verstorbenen hcrren ertheilt, die 
sapientia erkennt auch später die sage dem Dietrich von Bern zu. 
aber von besonderm werth ist das stillschweigen über den mäch- 
tigsten und berühmtesten Amaler vor Theoderich. es beweist dafs 
von Ermanrich sich schon eine Vorstellung ausgebildet hatte, die 
jede vergleichung mit Amalasuentha unmöglich machte. 

II. 

Cassiodor. Variar. VIII, 9 läfst. den minderjährigen Athalarich 
ein beispiel ausgezeichneter, dem hause der Amaler in einem dem 
seinigen ähnlichen fall bewiesener treue aus der frühern gothischen 
geschichte anführen: 

Exstat gothicae huius probitatis exemplum. Gensimundus 
ille toto orbe cantabüis, solum armis filius factus, tanta se A ma- 
us devotione coniunxit ut heredibus eoruin curiösum exhibuerit fa- 
mulatum, quamvis ipse peteretur ad regnum. impendebat aliis me- 
ritum suum et moderatissimus omnium, quod ipsi conferri poterat, 
ille potius parvulis exhibebat. atque ideo mm nostrorum fama con- 
celebrat. vivit semper relationibus , qui quandoque moritura con- 
tempsit. sie quam diu nomen superest Gothorum, fertur eius eun- 
ctorum attestatione praeconium. 

Köpke (anfange des königthums s. 141 fg.) bezieht diese stelle 
mit recht auf die brüder Valamir Theodemir und Vidimir und das 
Interregnum nach dem tode des Thorismund, des enkels des Er- 
menrich. Jordanes c. 4S sagt darüber: sie cum (Thorismundum) 
luxere Ostrogothae ut per XL (?) annos in eius loco rex alius non 
succederet, quatenus et illius memoriam semper haberent in ore, et 
tempus accederet quo Valamir habitum repararet virilem. Köpkes 
vermuthung wird auch durch die sage bestätigt, es läfst sich 
nachweisen, dafs sie einen theil der geschichte Valamirs und seiner 
brüder auf Theoderich den grofsen übertrug: Gensirnund ist der hi- 
storische Vorläufer des mythischen alten Hildebrand. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSÄGE. I— III. 255 



LU 

Jordanes de reb. get. c. 34: ad quem (Attilam) in Iegationem 
remissus a Theodosio iuniore Priscus tali voce intcr alia refert. iu- 
gentia siquidem fluraina, id est Tysiam Tibisiamque et Driccam 
transeuntes venimus in locum illuni ubi dudum Vidigoja (so Pall. 
L II und Ambros.; Vidicula edd.) Gothorum fortissimus Sarmatum 
dolo occubw't. 

In dem wohlerhaltenen originnlbericht des Priscus (exe. legg. 
p. 183. 187 ed. Bonn.) ist von Vidigoja nicht die rede, die notiz 
über ihn wird erst von Cassiodor eingeschaltet sein, von dem sie 
an Jordanes gelangte; auch die beschreibung die dieser gleich dar- 
nach von der residenz des Attila gibt beweist dafs ihm der beriebt 
des Priscus nicht unverändert, zum theil verkürzt, zum theil erwei- 
tert vorlag, ich zweifle nicht dafs der gotische Vidigoja der histo- 
rische Vorläufer des mythischen Witege der spätem sage ist: ihn 
nennt auch Jordanes c. 5 in der reihe der vom volk in liedern ge- 
feierten helden und zwar zuletzt gleich nach dem historischen Fri- 
digern. wir müfsen ihn, wie diesen, für einen westgotischen helden 
und einen Vorkämpfer des Volkes in seinen kriegen mit den Sar- 
maten an der Theiss halten, die Ostgoten hatten mit diesen vor 
den hunischen zeiten nie etwas zu schaffen, aber Athanarich warf 
mit seinen Westgoten im j. 376 die Sarmaten (und die stammver- 
wandten Taifalen) aus Siebenbürgen, Ammian 31, 4, 13, vgl. Am- 
bros. commentar. in evangel. Luc. üb. X p. 202. die Taifalen lei- 
steten im j. 358 den Römern beistand gegen die Sarmatae Limi- 
gantes und erhielten zur belohnung einen theil ihres gebiets, Am- 
mian 17, 13, 19. 20. dies weist aber auf noch frühere Vorgänge 
zurück, die blutigen händel der jähre 330 — 337, wo die Goten 
(Taifalen und Westgoten überhaupt) zuerst die Sarmaten überfallen, 
die Sarmaten die Römer herbeirufen und nachdem diese den rü- 
cken gewandt, der kämpf alsbald wieder von neuem entbrennt, der 
eine massenhafte auswanderung der Sarmaten und eine theilung 
des volks in Limignntes und Arcaragantes oder freie zur folge hatte, 
unsre nachrichten über diese letzten unruhen bei den römischen 
Chronisten sind so spärlich und abgerifsen dafs es nicht sehr zu 
verwundern ist, wenn dabei der Goten keine erwähnung geschieht, 
es ist aber schon Tillemont (Bruxelles 1732) IV p. 10$ bemerkt, 
dafs was Jordanes c. 22 von dem Gotenköniu Geberich und seinem 



256 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

kämpf mit den Vandalen an der Marosch erzählt hierher gehört, 
wenn auch Jordanes wiederum der Sarmaten geschweigt, er oder 
vielmehr sein Vorgänger Cassiodor schöpften mittel- oder unmittel- 
bar aus der gotischen tradition , und diese verfuhr in diesem falle 
nur wie unser epos überhaupt, das keine Römer kennt obgleich es 
gerade die beiden feiert die die römische weltherscbaft zerstörten, 
dafs die Vandalen an den handeln jener jähre theilnahmeo , beweist 
der titel Vandalicus den der kaiser Constantin neben Gothicus Sar- 
maticus auf inschriften führt, sowie die angäbe des Jordanes von 
der Verpflanzung der Überreste des volks nach Pannonien, während 
die römischen Chronisten nur von einer aufnähme der freien Sar- 
maten durch Constantin sprechen und die spätere geschichte ent- 
schieden der behauptung des Jordanes widerspricht, dafs die Van- 
dalen im j. 406 von Pannonien aus aufgebrochen seien, der Schau- 
platz des kampfes zwischen den Goten des Geberich und den Van- 
dalen ist gerade im gebiet der Limiganten und eben da soll auch 
Vidigoja seinen tod gefunden haben, da nun von frühem kriegen 
der Goten und Sarmaten, soviel ich weifs, nichts bekannt ist, so 
werden wir für ihn immer an diese Unruhen denken müfsen" und 
dürfen seine epoche um 330 setzen, gerade so steht aber noch 
Witege oder Vudga bei den Angelsachsen als der vornehmste und 
tapferste Vorkämpfer der Goten gegen die Hünen , im travellers 
song in der Schlacht am Weichselwalde, nach der Jüngern sage in 
der Rabenschlacht, wo er seinen tod oder doch das ende seiner 
laufbabn findet, da. die Hünen können leicht an die stelle der Sar- 
maten getreten sein , und wohl nur auf diese weise kam Witege zu 
Ermenrich, der als herscher über die Ostgoten jenseit des Dniester 
ursprünglich ihm ganz fremd war. die namen Witege Vudga (über 
Vidia s. unten nr. VII) und Vidigoja sind gleich zu achten, eine 
starke form Vithigavi-us , Vithicabius erscheint schon bei Ammian 
27, 10, 3. 30, 7, 7; vgl. trad. Sangall. p. 346 u. 879 Wito. Coius 
1. Witocoius. Vidigoja steht für Vidi- Vidugauja, wie bei Jordanes 
c. 17 Gepidöjös für Gepidaujös (Gepideninseln), c. 4 öjum für äu- 
jöm, c 14 Odulf für Audulf, Ostrogothi für Austrogothi. wie got. 
auja, latinisiert avia, mlat. augia abd. ouwa ist, so got. Vidugauja 
ahd. Vvidogaugio trad. Sang. p. 66 a. 787 Witugauuo, Witu- Wita- 
Witigouuo, und dem entspricht alts. Widugö (Wigand trad. Corbej. 
§ 16. 41 pro patre suo Widugon. 267.416), wie alts. gö regio dem 
ahd. gouui. auch hindert nichts ags. Vudgä für Vudga anzusetzen. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. III. 257 

einzeln kommt aber auch ahd. Witigo trad. Sangall. p. 275 nr. CI 
a.864 (fürWitigowo s. unten nr.XIV), Witago Dronke necrol.Fuld. 
a. 841, cod. dipl. nr. 598 a. 867, Widigo nr. 701 c. 950 vor, und 
hier könnte man wohl zweifeln ob eine contraction des üblichem 
und häufigem Witigouuo , Witigao (wie in ahd. frö für frouuo got. 
frauja ) , die sich allmählich bis zu mhd. Witege abschwächte , oder 
nicht vielmehr eine adjectivische ableitung der ersten worthälfte an- 
zunehmen ist, die sich als abkürzung etwa zu dem compositum 
verhielt, wie das seltne und merkwürdige ahd. Wasogo bei Dronke 
a. a. o. nr. 431 a. 824, Wasgo nr. 433 a. 824, nr. 462 a. 825, nr. 
476 a.828, necr. a.800, Wosago nr.575 a.859 zu Wasugrim, Wa- 
suger*? allein Wasogo, Wasgo ist wie der entsprechende mhd. 
schwertname Waske, Wasche, Wasge (Wh. Grimm heldens. s. 95, 
anm. zu Nib. 19S8, 4, vgl. zu 854, 3. 2181, 2) aus dem bergnamen 
Wosagus, Wasagus geschöpft, der auch in Hessen in der nähe von 
Fulda vorkam: montis Usgo Dronke nr. 663 c. 915, Uuasgunberg 
nr. 721 a. 9S0. es ist also ebensowenig eine Verkürzung wie das 
gleichseltne Wolago bei Dronke nr. 379 a. 819 und Heiligä nr. 68 
a. 779, trad. Fuld. c. 38, 109 (vgl. ags. Hälga altn. Helgi). Wolago 
ist entweder das schwach flectierte ahd. adjectiv welac dives opu- 
lentus (GrafT 1, 831), das so gut wie sein Substantiv wela wola und 
das adverbium wela wola später wolac gelautet haben mufs, oder 
geradezu auch die interjection welago, bei Otfrid wolaga, Tatian 
wolago. wäre nun Witigo nicht aus Witigouuo, Witagao contra- 
hiert, sondern eine adjectivische bildung von witu, so müste es nach 
diesen analogien ein gebräuchliches auf -ig oder -ug abgeleitetes 
adjectiv neben sich haben, das aber nicht einmal im ags. vorkommt, 
wo doch das Substantiv vudu so gewöhnlich ist. eigennamen von 
der art sind überhaupt selten und oft nur scheinbar adjectivischer 
bildung. Herige (statt Herigo) bei Dronke nr. 766 a. 1079 ist z. b. 
gleich Herio MB. scheftlar. VIII, 370 a. 806, Herigo Meichelb. nr. 
430 a. 822; (Heriggo bei Dronke nr. 100 a. 791 = Hericco Mei- 
chelb. nr. 68 a. 776, nr. 156 a. 808, Herico nr. 244 c. 810, Heric 
MB. scheftlar. VIII, 376 a. 822); Wergo Dronke nr. 549 a. 842 = 
Werio Meichelb. nr. 343 a. 817, Wergio nr. 569 a. 835; Minigo 



* bei Dronke nr. 278 a. 8 1 2 steht Wasug en, scheinbar ein geiurti v von Wa- 
sugo; aber die vergleichnng der Unterschriften von nr. 237 — 241 lehrt dafs 
Wasugen in Wasugeri zu verbefsern ist. 

Z. F. D. A. XII. n 



258 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Meichelb. nr. 429 a. 821 , nr. 532 a. 82S neben Munigo, Juvav. p. 
95 a. 861 = Minio MB. tegerns. VI, 34 a. 1058; Winigo Dronke 
nr. 651 a. 906 entweder Winio nr. 18 a. 758, was auch wohl aus 
Wimo bei Meichelb. nr.312 a.815 herzustellen ist und dem schwa- 
chen femininum winiä (Graft 1 , S68) entspricht, oder es ist schlechte 
Schreibung für Winihho, wie Sibigo bei Dronke nr. 153 a. 798 für 
Sibicho (s. unten nr. XVI), und wie Suuanago (gen. Suuanagen) nr. 
613 a.S76, Suanego trad. Fuld. 3S/29S wohl für das freilich gleich 
seltne Suuanuclio nr. 153 a.79S (neben Sibigo und Salucho) steht. 
Musgo nr. 465 a. 82G (manc.) aber entspricht dem von Goldast an- 
geführten Musugauo, Mosogowo Juvav. p. 1 13 a. S90, bestätigt also 
entschieden die contraction von Witugauuo zu Witigö. Salga nr. 
178 a.803 (auch in Kellers necrol. Augiens.4.id.mai.) ist mir dunkel; 
nicht minder Halux: signat Halux nr. 12S vor 797, vgl. zts. 9, 236. 
manche von diesen merkwürdigen namen und formen wird man im 
altdeutschen namenhuch entweder gar nicht oder doch nur unge- 
nügend verzeichnet und belegt linden, vielleicht weil der index zu 
Dronkes cod. dipl. noch immer auf sich warten läfst*. mit der ge- 
wöhnlichen unkunde der einfachsten lautregeln und demente 
der deutschen grammatik, die auf jedem blatte sichlbar ist, aber 
werden alts. Widugö, ahd. Witigö mit alts. Widuco (Lacombl. nr. 
65 a. 855, Widuc nr. 3S a. 820), ahd. Wituhho oder vielmehr dem 
starken Wituhhi, Wituchi zusammen geworfen und letzteres zwei- 
oder dreimal aus Meichelbeck belegt, während es mindestens sechs - 

* auch in den fuldaiscben, den summarien Eberhards angebängten dienst- 
and zinsregistern aus dem 12. jahrb. bei Dronke trad. Fuld. c. 48 — 51 stehen 
noch eine ziemliche anzahl von hm. Fürstemann mit unrecht nicht beachteter 
namen auf -go beisammen, aber in nordthiiringisch - sächsischer gegend und 
neben namen sowohl auf -cho, als auf -co -ca : c. 48 in Frechenlebe (Freige- 
ben an der Wipper bei Aschersleben) Auago, Osigo, Eligo, Vsigo, Oigo, Abbigo, 
Vaica, Ructcho, Lucicho , Abbicko, Wencicho, (VVitigo), Beooecho, Oticha; 
c. 49 in Scegenstete (Schakstadt östlich von Frekleben) Auogo 3mal, Waligo, 
(Witigö 2mal), Geltecho, lmigo, Aligo, E!ij;o, Icho, Conka; c. 50 in Rotenwi- 
lere Aesico; c. 51 in Anere (t. Arnere, j. Ürner nördlich von Mansfeld) Tite- 
cho, Geuego, Lucicho, Gebege, Tutecbo, Amago, Ozecho, Osigo, Emicho, Wi- 
zego; (c. 57 in Crüciburc, j. Kreuzburg an der Werra, Witigö Witegou). es 
ist also -go dem alts. -co gleichzuachten und nur eine unvollkommne bezeich- 
nung des ahd. -cho. so sind auch wohl die thüringischen Vpigo trad. Fuld. c. 
38, 26, (Vnico 125), Warego 129, Suanego 29S (s. oben) zu beurtheileo; zu 
Vfege de Sa.xonia c. 41, 20 vergleiche alts. L'ffico, Uffic oder Ubico, Förstern. 
1, 1207. 1209. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. HI. IV. 259 

mal und nicht blofs im neunten, sondern auch Doch im zehnten 
jahrb. vorkommt: Wituhbi Meichelb. nr. 412 a. S20, Wituchi nr. 
133 a. 804, nr. 154 a. 808, nr. 289 a. 811 , nr. 467 a. 824, Wi- 
tichi nr. 987 c. 915 neben Waldman. für die bisher noch nicht 
belegte, ahd. schwache form Wituhho und auch für Wituhhi mag 
allerdings zuweilen fehlerhaft Witigo, Witigi geschrieben sein*, 
aber eine Vermischung und Verwechselung der beiden formen und 
namen tritt in der poesie erst spät ein , so dafs der hcld niederd. 
Wedeke, oberd. Wittich heifst; vgl. unten nr. XXXI. im Alphart, 
wo die hs. Wytdich schreibt, verlangt der vers Witege, so auch in 
den übrigen mhd. gedichten, selbst noch in der Flucht, und dies 
müfsen wir nach der bisherigen auseinandersetzung in stufenmä- 
fsiger abschwächung aus Witugouuo Witugö Witigo entstanden 
denken, die alte vollständigere form Witegouwe dauerte noch da- 
neben fort, bekanntlich heifst so ein hcld in vorrede zum helden- 
buch, in der Rabenschlacht und Flucht v. 8633 neben Witege. hier 
aber kam es nur auf eine anhäufung von namen an. es wird auch 
noch ein sonst aufser der Flucht und Rnbenschlacht unbekannter 
Witegis genannt und ebenso nachdem Heime (Fl. v. 8633) eben 
vor Witegouue erwähnt ist, ein sonst unbekannter Madelolt und ein 
Madelger, wie sonst Heimes vater heifst. 

IV. 

Als die nördlichen barbaren, die das römische reich zu Con- 
stantins zeit von jenseit der Donau angreifen, nennt Cynevulf im 
eingang der Elene v. 20 : 

Hüna leöde and Hredgotan, 
v. 21 : föron fyrdhvate Francan and Hünas. 

v. 32. 49 erwähnt er auch den Hüna cyning und v. 58 noch ein- 
mal Hüna and Hreda here, v. (41) 128. 143 nur Hüna leöde, Hüna 
bere. er entlehnte diese namen und formein aus dem volksepos. 
der travellers song stellt ebenso v. 52 Hünen und Hredgoten zu- 
sammen: 

Ic väs mid Hünum and mid Hredgotum, 

* so wird im cod. Lanresli. , einer für alle ecbte formen sehr uoznverlä- 
fsigen quelle, nr. 2S91 a. 776 Wilegestat, nr. 2992 a. 775 Witegenstat ge- 
schrieben, im wirtembergischen urknndenbuch aber im elften jahrb. Widich- 
stat, Witigistat und der heutige narae des orts Wittstadt spricht überdies 
entschieden für die starke form, also für Wituhbes -stat als grundfonn. 

17* 



260 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

und v. 120 heifst das Gotenheer des Eormenric, das seinen thron 
gegen Atlas leute am Weichselwalde vertheidigt, 'Hraeila here'. hätte 
man nun blofs diese vier ags. belegsteilen für den namen Hredas 
Hredgotan, würde man an der letzten wohl 'Hneda' für verschrie- 
ben oder entstellt aus 'Hreda' halten, wie in der Elene v. 58 ge- 
schrieben steht und wie im Beov. 454. 1485 ohne zweifei Hredlan 
und Hredles herzustellen ist für Hraedlan, Hrsdles. Hredla ist der- 
selbe name mit Hredel v. 374. 1S47. 2191 u. s. w., wie ahd. Hruo- 
dilo Hroadilo und Hruodil, Wentilo und Wentil. auch die erklärung 
wäre nicht zweifelhaft sowie wir im ahd. in eigennamen die dop- 
pelform Hruod- und Hruodi- finden, mhd. Ruod- und Rüede-, so 
auch im ags. Hröd- und Hrüd-, im Beov. 1189. 1836 Hredric ne- 
ben Hrödgär, Hrödvulf; und zwar ist aufser dem adj. hrede (Gldm. 
Genes. 2261) das Substantiv hred siegsruhm, triumph noch in le- 
bendigem gebrauch, Beov. 2575. das adj. bnidleäs (Güdläc 878) 
ist damit componiert, so auch hredmen , wie im Beov. 445 die Dä- 
nen heifsen. Hredgotan bedeutet danach die sieg- und ruhmrei- 
chen Goten, aber wir finden im altn. Hreidgotar. den anlautenden 
guttural verlangt die allitteration in einem alten Iiede, Vafprud- 
nism. 12: 

hesta beztr pykkir hann med Hreidgotum, 
wo hann entweder zum ersten halbvers gehört oder doch nur mäl- 
fylling ist. lautet der name in spätem quellen Reidgotar, so kann 
man darin nur einen versuch sehen, ein unverständlich gewordenes 
wort durch ein anderes ähnlich lautendes zu ersetzen, dem altn. 
Hreidgotar aber würde nur ags. Hraedgotan oder Hnedgotan ent- 
sprechen, da die aspiration der lingualis eigentümlich altn. sein 
kann, so gewinnt die Schreibung 'Hraeda' im travellers song festeren 
halt und man gelangt zu der Vermutung dafs auch im ags. nur ein 
geläufiges, verständliches wort an die stelle des unverständlichen 
getreten ist, dafs Hredgotan für Hraedgotan, Hredas für Hrtedas 
steht, wie Hludiunc für ChlodovecAus, Hludowi'A (zeitschr. 6,431) und 
ähnliche fälle bei eigennamen öfter vorkommen, nun finden wir 
noch einige ahd. mit Hreid- gebildete namen: Hreidker. Meichelb. 
nr. 515 a.827, Reidker nr. 401 a. 819; Hreidperht nr. 533 a. 82S; 
Hretolf (1. Hreitolf) nr. 445 a. 824 ; Hraitun (abbatissa) Hreitun Rai- 
tun s. Peter verbrüd. 77, 11 c. S00, 104, 44 c. 7S0, 105, 2 a. 780 
—800; Hreitolf Dronke cod. dipl. Fuld. nr.S7 a. 788, Hreitger ne- 
crol. Fuld. a. 831, cod. dipl. nr. 517 a.S38, Reitger nr.562 a.S52, 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. IV. V. 261 

nr. 607 c. 870, Reidolf nr. 674 a. 923; Hredgn?r Lacomblet nr. 2 
a. 793, nr. 8 a. 796, Hredger nr. 27 a. 805; zweideutig sind Red- 
ulf Redger Rethman Redwerc und andre in Wigands trad. Corbej., 
da hier e oft für ä steht, Redulf Redger also ebenso gut Rädulf, 
Rädger sein kann, nach 923 habe ich kein beispiel dieser namen 
mehr gefunden, aufser Reito in den trad. s. Ernmeram. in 'quellen 
und erürterungen' München 1S56 nr. 56 a. 1006 — 1028, in den 
Salzburger, Sangaller , Weifsenburger und Lorscher Urkunden aber 
kommen sie überhaupt nicht vor. im altn. ist nur Hreidarr ge- 
wöhnlich d. i. ahd. Hreidheri, Isl. sog. (1829) 1, 70. 145. 146. 2, 
323 ff. Fornald. sog. 2, 148. 149, Fornm. sog. 1, 63. 3, 108. 10, 
454; aber auch Hreidmärr, das Lachmann zu Nib. s. 343 anzwei- 
felte, scheint unverdächtig, der Wechsel der aspirata und media, der 
wenn ags. 'Hrada' nicht für Hrseda verschrieben ist, dem ahd. 
Hreid- gegenüber angenommen werden mufs, macht kein so gro- 
fses bedenken, vgl. zeitschr. 10, 162. der epische name oder bei- 
name der Goten wäre darnach ahd. Hreidä, Hreidgozun, ags. Hne- 
das, Hncdgotan, altn. Hreidar, Hradgotar. von den Franken, wor- 
unter Cynevulf Elen. 21 die Deutschen des fränkischen reichs ver- 
steht, ist uns bekanntlich auch ein solcher zweiter name überlie- 
fert: sie hiefsen bei den Angelsachsen Beov. 2502. 2914 Hugas, in 
Deutschland selbst Hugun, zeitschr. 6, 437. 441, oder wohl mit 
langem stammvocal ags. Hügas, ahd. alts. Hügun oder Hügä, 
Hügös. 

V. 

1. Alfreds Boethius ed. Rawlinson p. 1 : and bä äfter bäm 
foresprecenan cyningum peödric feng tö päm ilcan rice. se peddrtc 
väs Amulinga. he väs Christen , beäh he on bäm Arriäniscan ge- 
dvolan purhvunode. 

Alfred wird die bemerkung 'se peödric väs Amulinga' schwer- 
lich aus der lateinischen quelle geschöpft haben, der er seine ein- 
leitenden nachrichten entnahm, wenigstens fand er darin nicht den 
namen des geschlechts in der epischen patronymischen form, von 
peödric dem Amelung ward auch bei den Angelsachsen gesungen 
(Deors Klage v. 18. 19*, Wh. Grimm heldens. s. 21), und an epi- 



* den versuch diese unvollständig überlieferte Strophe mit der vorherge- 
henden gleichfalls unvollständigen zu einem ganzen zu verbinden (Zeitschrift 



262 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

sehe poesie gemahnt der gen. plur. Amulinga, wie Beövulf Scyl- 
dinga, Hnäf Scyldinga, Beov. 53. 1069 Grein, auch die einleitung 
zu den metren des Boethius führt beödric ohne weitre bemerkung 
als bekannt ein, v. 28 Grein : 

beöd väs gerannen 
vintra mänigo, öd bat Vyrd geseräf, 
bat be beödrice begnas and eorlas 
heran sceoldan. 
weiterhin v. 69 folgt der geschlechtsname ebenso : 

bä bä läre ongeat 

peödric Amuling and bone begn ofer feng cet. 
a Saxon menology (ms. C. C. C. Cantabr. nr. 179) bei Kerable Sa- 
xons 1, 423 fügt zu der erzählung von dem stürz Theoderichs in 
den vulcan nach Gregor dem grofsen hinzu: 

bat väs beödoricus, J>one ve nemnad peödric. 
das frühste, mir bekannte beispiel des patronymicums ist ein 
langobardisches, Amalongus bei Paulus Diac. 5, 10 zum j. 663. 
nicht viel jünger ist der Angelsachse Omolincg Kemble cod. diplom. 
nr. 33 c. 700, Omulung Homolunch nr. 56. 58 a. 706. diese be- 
lege weisen zurück auf ein hohes alter der epischen form, ob man 
aber bei Egesasus (Kemble nr. 106 a. 761) an Dietrichs schwert 
Eckesahs (ags. Ecgseax?) denken darf, urnfs dahin gestellt bleiben, 
so kann man auch nicht entscheiden ob in der ags. sage Hilde- 
brand schon in demselben Verhältnis zu Dietrich stand, wie in der 
deutschen, nur dafs sie jenen kannte, scheint mir nicht zwei- 
felhaft. 

2. In dem altfranz. normannischen roman de Hörn et Rimen- 
hild publie par Francisque Michel (Paris, pour le Bannatyne Club. 
1845. 4.) p. 148 v. 2905 ff. erscheint in Westir d. i. Irland nach 
v. 2131 zu der zeit, als Hörn dort bei dem könig Gudereche ist, 
eine saracenische Hotte unter anführung zweier könige : 

li einznez de ces dous ot nun Hildebrant, 
li autre puisnez ovoit nun Herebrant. 
ihr bruder ist Rodmund , der Horns väterliches reich Suddene inne 
hat; ihr neffe Rollac fiz Godebrand oder Gudbrand, der Horns vater 
Aaluf erschlagen bat , begleitet sie. Hörn erlegt zuerst diesen in 
einem Zweikampf und besiegt darauf auch die könige in einer 

11, 273) gebe ich jetzt auf, da ich einsehe dafs Wh. Grimms erklärung der w. 
15. 16 anhaltbar ist. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. V. VI. 263 

schlacht. — schon Ritson ancient romancees (London 1802) ni p. 
268. 274 hatte hierüber nachricht gegeben und Wh. Grimm (hel- 
dens. 261) erkannte darin angelsächsische Überlieferung. Rollac 
oder Rodlac nach der Cambridger hs. v. 2931 — denn dafs hier 
Rollac der nefle (nies oder niefs) eines andern Rollac oder Rodlac 
heifst der den könig Aaluf getödtet habe, steht in Widerspruch mit 
allen andern angaben, namentlich auch mit v. 3155, und mufs Ver- 
derbnis sein — ist auf ags. Hrodläc, und nicht etwa auf altn. Hrol- 
laugr zurückzuführen, so wie Rodmund auf ags. Hrödmund; so auch 
Godebrand oder Gudbrand auf ags. Güdbrand. dafs aber Hrödmund 
und Güdbrand als brüder Hildebrand und Herebrand beigesellt 
wurden , zeugt noch von völligem Verständnis der namen. die Sa- 
racenen d. i. heiden der spätem englischen sage sind bekanntlich 
Dänen und Nordmannen; so tritt auch in unserer Kudrun ein Si- 
vrit von Mörlant auf und die Frideschottensage ward aus dem nor- 
den in den Orient verrückt, es sind aber in der Kudrun auch ehe- 
mals fränkische oder friesische seehelden am Niederrhein zu Dänen 
geworden (zeitschr. 6, 63. 64), und ebenso verwandelten sich bei 
den Angelsachsen, wie wir schon aus dem Beovulf v. 1069 ff. sehen, 
manche heiden der nationalen, heimischen sage in Dänen, die Sa- 
racenen Hildebrand und Herebrand dürfen diesen beigezählt wer- 
den, die namen Hildebrand Herebrand (Güdbrand Hrödmund) wei- 
sen auf den mythus von den Hildingen oder Wülfingen, der uralt ist 
und im norden in einer eigenthümlichen gestalt bekannt war ehe 
noch die deutsche sage darauf einwirkte, Wh. Grimm a. a. o. Uh- 
land Thor s. 206. 211 ff. die ags. sage kann die heiden nicht nur 
in einem andern verwandschaftlichen Verhältnis zu einander als die 
deutsche sage, sondern auch noch ganz unabhängig von der Diet- 
richssage mit einem selbständigen mythus gekannt haben, doch 
ist allerdings das Zeugnis einer so späten Überlieferung, wie das 
französische gedieht, von geringem gewicht und sehr leicht mag 
Hildebrand bei den Angelsachsen ehemals so wie in Deutschland 
Herebrands söhn geheifsen haben. 

VI. 

Kemble the Saxons I p. 431: The place in Berkshire, which 
even yet in populär tradition preserves the name of Waylani smith, 
is nevertheless erroneously called ; the boundary of a Sax'on charter 
names it much more accurately Welandes midde i. e. Weland's 



264 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

smithy, bis Workshop ; cod. diplom. nr. 1 1 72. a. 955. — vgl. dazu 
heldens. s. 323, nr. 170. 

Jac. Grimm (über eine Urkunde des XII. jahrh. s. 21) führt 
aus einer grenzbeschreibung vom j. 825 (MB. XXXI, 1,41) und aus 
MB. XXVIU, 2, 471 die Ortsnamen 'ad Wielandes brunnen' 'locus 
qui dicitur Wielants tanne' an. da Wieland im walde lebte und die 
schwanjungfrau im bade fieng, so könnten sie auf die sage anspie- 
len, aber gerade bei einem andern mit Wielant gebildeten Ortsna- 
men, Wielantesheim j. Willandsheim bei Iphofen in Mittelfranken, 
im neunten jahrh. öfter genannt, läfst sich noch der eponymus ur- 
kundlich nachweisen, Dronke trad. Fuld. c. 42, 236: Wilant comes 
et frater eius Bagolf tradid. sco. Bon. proprietates suas in villis istis 
Wilantesheim, Crifdere et Gremesdorf cum mancipiis. — über die 
spätere localisierung der sage von Wieland und Witege im nor- 
den s. Grundtvig Danmarks gamle folkeviser, I, 70 anm. 89 ff. und 
Hylten-Cavallius sagan om Didrik af Bern (Stockholm 1850— t54) 
p. XXIV— XXXV. 

VII. 

Eben bei dem schlufs der sommervorlesungen mit der letzten 
revision dieser 'Zeugnisse und excurse' für den druck beschäftigt 
erhalte ich 

Two leaves of king Waldere's lay, now first publisht by George 
Stephens, Esq. London John Russell Smith 1860. pp. XVI. 
96. gr. 8. 

Der volle titel der kleinen schrift würde hier zu viel räum ein- 
nehmen, ich erwähne nur dafs sie in zwei ausgaben erschienen ist : 
on fine paper, with four Photographie facsimiles zu 15 Shillings, on 
common paper, without facsimiles zu dem halben preise. — es ist 
als wenn das Schicksal uns nachträglich für den verlust des ahd. Ori- 
ginals vonEkkehards lateinischem Waltbarius oderdes mhd.gedichts 
von Walther und Hildegunde entschädigen möchte, das schriftchen 
enthält zwei fragmente eines ags. Waldere. ein unverhofftes neues 
Zeugnis für den nahen Zusammenhang des angelsächsischen und alt- 
deutschen epos. hr. conferenzrath und oberbibliothekar Werlauff in 
Kopenhagen fand im anfang dieses jahrs die beiden pergamentblätter 
unter papieren die aus Thorkelins nachlafs in die dortige grofse kö- 
nigliche bibliothek oder wie hr. Stephens sagt 'into the great national 
library' gekommen sind; Thorkelin hat also wahrscheinlich jene zu- 
gleich mit der ersten abschrift des Beovulf im vorigen jahrh. mit aus 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VI. VU. 265 

England herüber gebracht, 'they have cvidently been used as fly-lea- 
ves or strengtheners on some old oclavo or sraall quarto volume'. 
jedes blatt ist acht zoll hoch, fünf zoll breit, die damit ehemals zu- 
sammenhängenden biätter sind abgeschnitten bis auf einen ganz 
schmalen streifen auf dem nur noch einzelne buchstaben oder Sil- 
ben sichtbar sind, jede seite enthält ungefähr fünfzehn langverse 
in fünfzehn zeilen, wie prosa geschrieben und, wie es scheint, ohne 
alle interpunctionen. die schrift ist sehr schön und zierlich, ohne 
zweifei noch aus dem neunten Jahrhundert, die Sorgfalt des Schrei- 
bers kann man aber nicht in gleicher weise rühmen, da er nicht 
nur einzelne buchstaben und silben, sondern ganze Wörter, ja selbst 
einige halbverse ausgelafsen hat. hrn. Stephens, in Deutschland be- 
sonders durch seine mit Hylten-Cavallius veranstaltete Sammlung 
schwedischer märchen bekannt, weniger durch seine entdeckung 
dafs das angelsächsische eine nordische spräche ist (Antiquarisk 
tidskrift 1S54 p. 89ff.) und durch seine übrigen leistungcn, müfsen 
wir für die rasche Veröffentlichung dieser werthvollen stücke dank 
wifsen. die photographischen facsimile ersetzen freilich die hs. 
nicht, am wenigsten beim zweiten blatt, reichen aber doch aus um 
nachprüfende, die eine anstrengung ihrer äugen und wiederholte 
versuche bei verschiedenem licht nicht scheuen, im ganzen von der 
richtigkeit seiner lesung zu überzeugen, seine erklärung und con- 
stituierung des textes läfst jedoch mehr zu wünschen übrig, als er- 
laubt ist um billigen ansprächen zu genügen, dafs es nicht an ein- 
zelnen glücklichen gedanken fehlt, hebt den dilettantischen charac- 
ter der arbeit nicht auf. mit der freundlich gewährten beihilfe un- 
sere ersten kenners des angelsächsischen, des hrn. prof. Dietrich in 
Marburg, dem ich das ergebnis meiner ersten erwägung vorlegte, 
hoffe ich, da der druck der Zeitschrift zu einem vorläufigen abschlufs 
drängt, wenigstens das augenblicklich erreichbare geben zu können, 
d. h. den wahren bestand der Überlieferung, die vorhandenen 
Schwierigkeiten und den gewinn den diese bruchstücke für die hel- 
densage abwerfen darzulegen. 

I. 

(Erstes blatt). 

+ 

s. 1. hyrde hyne georne: 'huru Velandes geveorc 

ne gesviced monna aenigum bära pe Mimming can 



266 ZEUGNISSE UNE EXCURSE 

heärne gehealdan: oft [be] ät hildc gedreas 

svätfäg and sveordvund secg äfter ödrum. 
5. Ätlan ordvyga, ne laet bin eilen nrt gyt 

gedreösan td däge, dryhtscipe [feallan, 

] ac is se dag cumen 

bat bü scealt äninga öder tvega, 

lif forleösan odde lange dum 
10. ägan mid eldum, Älfheres stanu. 

Nalles ic be, vine min, vordum cide, 

by ic pe gesäve ät päm sveordplegan, 

purh edvitscype, aeniges monnes 

vig forbugan odde on veal fleön, 
15. lice beorgan, beäh be läclra fela 
[s. 2. binne byrn [homan billum heövan. 

Ac bü symle furdor feohtan solltest 

mx\ ofer mearce. by ic be metodfsceaft] ondred, 

bat bü tö fyrenlice Xeohtan söhtest, 
20. ät |>äm ätstealle ödfes monnes 

vigiicdenne. veorda be selfne 

gödum daedum. benden bin god recce. 

ne murn pü for bi mece: be vea.rd mädma cyst 

gifede tö geöce unc. by bü Güdhere scealt 
25. beöt forbigan, bäs be he bäs beaduve 

ongan mid unryhte aerest secan. 

forsöc he bäm svurde and päro syncfatum, 

beäga menigo: nü sceal bega leäs 

hveorfan from bisse bilde, hlafurd secan 
30. ealdne edel, odde her aer svefan, 

gif he bä 

I. 1. Hildgund redet aod ermuntert Walther zom kämpf mit Günther. 
D (Dietrich) machte mich darauf aufmerksam dafs dann wobl nicht hyrde zu 
schreiben sei, sondern dafs die rede erst mit hüru beginne: hyrde hine georne 
heifse 'sie ermutigte ihn eifrig' nach Elen. 841 pd ras hige onhyrded purh 
pät hdlige treö. auch wird huru im anfang der rede sich wohl belegen lafsen. 

veland gevorc: gelandet S [Stephens], veland am ende der ersten zeile 
ist, wie überhaupt die erste zeile und das ende aller Zeilen dieser seite, fast 
aasgelöscht und sehr wenig sichtbar, die übrigen fälle wo an der richtigkeit 
von Stephens lesuog nach dem facsimile oder innern gründen zu zweifeln kein 
grnnd ist, werde ich nicht weiter erwähnen. 2. dara de: ich habe im 

anlaut b durchgeführt, obgleich die bs. das zeichen consequent meidet bis auf 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 267 

die bekannte abkürzuog für pät und I, 15 pe, 11, 7 päs. 3. 'die allge- 

meinbeit des Satzes 'oft fiel im kämpfe einer nach dem andern 1 ist sinnlos: ent- 
weder mufs die beziehung auf Valdcre oder anf sein Schwert ausgedrückt 
sein, and daher oft pe oder oft htm gelesen werden.' D. ich habe ät hilde von 
diesem kämpfe verstanden, da der kämpf mit Gudheres leuten vorhergegan- 
gen, doch darf bei dieser aoslegung wohl nicht der artikel oder das demon- 
strativ pisse fehlen. 4. see: seeg. 6. feaüan fehlt und ward von 
S gut ergänzt, ich glaube aber dafs noch eine formel ähnliches Inhalts, ein 
balbvers vor ac is se däg cumen ausgefallen ist. D verweist mich freilich 
auf rätbsel LXXXV, 14, wo is sogar bauptstab ist. aber der vers würde hier 
überfüllt und fehlerhaft, mit zwei starken liedstäben in der zweiten hälfte. 
v. 8 ist für sich ein richtiger laogvers, so wie ac is s» däg cumen ein richti- 
ger balbvers, mit däg als hauptstab. ist nichts vor ac ausgefallen, so mufs 
man is se däg cumen hat oder dninga streichen, was doch mehr als 
bedenklich ist. 7. dag für däg, wie unten II, 2 stdn/ate für stdnfäte: 
Ss. 26 sieht darin einen beweis für den nordenglischen Ursprung des gedichts! 

9. dorn setzt S fehlerhaft in den auftakt von v. 10. 'aber das adverbium 
lange ist verdächtig, vielleicht ist langne dorn zu lesen, das attribut kommt 
nicht dem 'haben' sondern dem rühm zu, vgl. Cädmon 3681 (Daniel 163) häfde 
dorn micelne, Beov. 1536 gegdn penced longsumne lof.' D. 10. nach der 

rege) , den reim durch den satzbau zu brechen war vor Alfheres stark zu in- 
terpungieren und die anrede zum folgenden zu ziehen, hier ist aber der grofse 
anfangsbuebstab v. 11 überliefert, wie v. 17. 11. S schreibt ganz un- 

gereimt Halles, t'c de, unne min, wordum eide dy, und übersetzt 'Never was 
it — I tbee, friend mine, in words say it tnerefore — that I tbee' u. s. w. fnj 
gehört notwendig zu dem abhängigen satz des nächsten verses, und für eide, 
wie in der hs. steht, ist ganz sicher eide zu schreiben: 'ich tadle, schelte dich 
nicht, meiu freund'. 13. pxtrh edvitscype 'schimpflicher weise' darf man 

nicht, wie S tbut, mit aniges monnes verbinden, sondern dies gehört zu vig. 

14. 'da die flucht überhaupt schimpflich wäre, nicht blofs die flucht in 
einen wall (veai masc), so ist on veal für einen dativ mit abgeworfener flexion 
von väi veal (neutr.) der wahlplatz zu halten, welche abwerfung nach 1 und r 
begegnet: on väl feailan Cädm. 2033 (2038), on väl crunge Beov. 635, peöd- 
herga väl picce gefylled Cum. 2154 (2160).' D. 16. homon. heovun 

S. 'da peak pe coojunctiv fordert, so mufs heovun versehen sein für heövan, 
weno nicht für Aeriren.' D. 17. mirl ofer mearce 'thy goal over the 

march' S, gewis falsch. D nimmt mal für einen abgekürzten dativ 'mit dem 
Schwerte', hringmeel, vunden mal, brogden mal sind aus dem Beovulf (und 
Elen. 758) bekannt, metod die bs. 'so that I for tbee, prioce, dreaded' S. 'da- 
rin mufs eio fehler stecken, denn dafs metod anrede des irdischen herrn 
wäre, könnte man nicht mit Verweisung auf das ahd. truhtin rechtfertigen, 
weil die grundvorstelluog in metod, metend (Cädm. 1803, ztschr. 10, 328) be- 
reits für den Schöpfer entschieden ist. aufserdem ist ic pe ondred nicht angel- 
sächsisch für 'ich fürchtete für dich', für ondred fehlt ein objeet, ich denke 
metodsceaft ist zu lesen, das dem todesschicksal nahe genug kommt Beov. 
1077. 1180. Cädm. 173T (1743).' D. 19. ti Jyrenlice 'zu gewaltig'; vgl. 



268 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Beov. 14 fyrenpearfe gewaltige, schreckliche not, Cädm. 316. 809 fyrman 
ceald, 832 firnum deöp. 20. ätsteal erklärt S durch campstation, eamp- 

place, military Station, and zieht den genetiv, was entschieden falsch ist, zu 
cigradenne, dies als appositioo nehmend zo ätttealle. 'in der grenzbestim- 
muog bei Kemble cod. dipl.IV, 31 and tvd on ätsteallet beorh, ofddm beorge 
tud on da ealdan rede könnte äUtealles beorh sehr wohl ein aogriffsberg (ein 
berg von dem der angriff ausgieng) sein, aber auch ein 'beistandsberg', nnd man 
kann hier nicht übersetzen 'bei dem angriff eines andern mannes das gefecht 
oder die gegenwehr, weil bei dem angriff eines andern kein 'soeben' mehr 
stattfindet, auch bedeutet Güdl. 150 Mm tä ätttealle ganz sieber 'sieb zum 
beistand', and dafs äl in feindlicher bedeutung vorkomme, ist mir sehr zwei- 
felhaft; höchstens ist die bedeutung unentschieden, wie in ätstandan Alfr.Bed. 
4, 25. steal ist Stellung z. b. in foresteal, besonders in bidsteal gifan cod. 
£.ion. 265, 29 (Julian. 388), 423, 1 , (rätbsel XLI, 19). es genügt die bedeutung 
'dabei stehen, gegenwarl'. D. sollte ätsteal nicht darnach eigentlich die l'ech- 
terstellung zu angriff und Verteidigung sein? vgl. nhd. antritt, anstand. 

22. recce für rece, 'alse lange got din geruoche', so lange gott dich leben 
läfst. D weist mir nach Güdl. 262 gif pu piues Jeores recce, Cädm. 2650 
(2656) gif pu on vorulde leng, ädelinga heim , aldres recce, wo Grein rece 
schrieb ; ebenso Cädm. 4113 (Daniel 596), vgl. ztschr. 10, 360. 24. to 

eoce: to geoce S. scealt bringt S wieder falsch in den auftakt von 25. 

25. forbtgan für forbygan steht beinahe fest Cädm. 54. 70. Jud. 267. 
Vids. 48 ; forbygde Crist 731. 27. forsoc erklärt D 'er hat verwirkt', 

meine auffafsung stützt sich auf die von Ettmüller angeführte stelle aus lex 
Eädg. I B, S nnd die analogie von abd./arsaJihan (Graff 6, 75) alts. fortacan. 

28. beaga teas: 'anstöfsig ist mir das zweite bedga, was eines guten 
dichter» unwürdige armut an synonymen verriete, es liegt nahe, bega (des 
Schwertes und der schätze) leät zu vermuten'. D. umgekehrt heifst es in Beov. 
1043 bega gehvädres onveald getedh, viega and vmpna. 29. hvorfan. 

hldjurd steht eigentlich äno xuivov, als subjeet für beide infinitive. 

30. für edel in der bs. die rune. D glaubte dafs in ar tvefan ein fehler 
stecke, da tvefan nur schlafen, keineswegs sterben bedeute, und der tod noch 
weniger dem andern gesetzten fall ein prins (ar) sein könne, aber diese un- 
genanigkeit des ausdrucks läfst sich wohl entschuldigen, da die meinung ohne 
zweifei ist, Günther soll nach hause zurückkehren ohne etwas von Walthers 
schätzen zu erlangen , oder eher todt auf dein platze bleiben ehe er etwas be- 
kommt, auch das einfache tvefan nicht für 'sterben', sondern für 'todt da lie- 
gen' scheint mir unbedenklich, wenn ich stellen wie Beov. 2060 sefremnan pegn 
Öfter billes biie blöd/dg tvefed ealdret tcyldig, 2746 te vyrm liged, tvefed 
tdre vund und das transitive tvebban vergleiche, das auch ohne einen instru- 
meatalis oder dativ wie tveorde, ecgum oder dgl. 'todt hinstrecken' bedeutet, 
Beov. 600, Cädm. 2531. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VH. 269 
H. 

(Zweites blatt). 

* 

s. 1. '[beadome]ce bäteran büton bäm änum 

be ic eäc hafa on stänfate stille gehided. 

ic vät bat iu böhte beodric Vidian 

selfum [syll]an, and eäc sine micel 
5. mädma mid bi mece, monig ödres mid him 

golde gigirvan: giu leän genam 

bäs be hiue of nearvum Nidhädes ma>g, 

Velandes bearn, Vidia üt forlet: 

burh fifela gefeold ford onette.' 
10. Valdere madelode, viga ellenröf, 

häfde bim on handa bildefröfre, 

güdbilla gripe, gyddude vordum: 

'hvät bü büru vendest, vine Burgenda, 

bat me Hagenan band bilde gefremede 
15. and getvajmde fede vigges feta! 

gyf bü dyrre f 
s. 2. ät J)us headoverigan häre byrnan, 

standed me her on eaxelum Alf heres läf, 

göd and geäpneb, golde geveordod, 
20. ealles unscende ädelinges reaf, 

[hälvende] tö habbanne bonne häd vered, 

feorhhord feöndum, ne bid fäh vid me 

bonne yfle unmaegas eft onginnad, 

mecum gemetad, svä ge me dydon. 
25. beäh mag sige syllan se be symle byd 

reccend and raedfäst ryhta gehvilees. 

se be him tö bäm häJgan helpe gelifed, 

tö gode giöce, he ba3r gearo finded. 

gif pä earnunga aer gepenced, 
30. bonne möten vlance velan britnian, 

aehtum vealdan. bat is 

IT. 1. [beadome]ce ergänzte S richtig. Günther ist der redende nach 
v. 13. 2. stänfate s. zu I, 7. stinvat ist alts. Helj. 62, 4 ein irdener 

krug, was hier durchaus nicht passt. 'ich glaube, stdnfät kann dichterisch die 



270 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

scheide heifsen, das 'steingefafs', weil die scheide dicht mit steinen besetzt 
war, wie sich z. b. anch auf den bildern zum Cädmon zeigt, die compositioo 
ist eine beschreibende, wofür auch einfach hätte gesagt werden können: ich 
habe das schwert im gefäfse ruhig verborgen'. D. 3. Ic wat pat ic (lohte 

list S. Ic ist anf dem facsimile gar nicht, rat sehr schwach sichtbar, durch- 
strichen fi und ic ist deutlich, aber dies ic sinnlos und unmöglich, da peödric das 
subject zu iökte sein mufs. iu 'einst' vermutete D. stand ursprünglich viel- 
leicht tat ic pät pöhte, und den abscbreiber — denn das war er allem an- 
schein nach — brachte das nachgesetzte prooomen in Verwirrung? 

4. selfu schliefst die dritte zeile. im anfang der vierten ist auf dem fac- 
simile vor dem zeichen für and nur -on erkennbar, was die enduDg eines Infi- 
nitivs -an sein mufs. S las onstodon , aber eine 3 plor. praet. ist hier ganz 
und gar unmöglich, da aus dem folgenden erhellt dafs Vidia das sthwert mit 
vielen andern schätzen von peödric als lohn empfieng, so mufs hier gesagt wer- 
den dafs beödric es ihm zu geben dachte. D vermutete daher syllan, was 
dein sinne nach und auch dem vers uod der allitteration vollkommen angeme- 
fsen ist. aber das fehlende wort entsprach der länge nach den Wörtern ic vat 
p ic, eac luifa, ce biefera[n im aufang der vorhergehenden zcilen. auch giebt 
S keine andeutung über die Unsicherheit der lesung. die euiendation mufs 
sieb also wohl näher an sein onstodon anschließen und syllan scheint mir nur 
ein vorläufiger ootbchelf. 5. mit/ Zum verstehe ich 'mit dem Schwerte, 

mid py mici' 'man könnte es freilich auch wohl auf Vidia bezieben : er liel's 
manches andre bei ihm (für ihn) aus gold bereiten, doch das andre ist einfa- 
cher'.' D. 6. tu: giv S. 7. über das subst. nearo enge, bedräng- 
nis s. Grimm zu Elen. 1103, vgl. Cä'dra. 142S (1433). über Xidhäd s. ztschr. 
11, 274. it. gefeald las S uod erklärte s. 69 a Seid, meadow, road, pas- 
sage. the ms. is here a little damaged and the word is not quite certain. 
possibly, but 1 think not, it raay be redd gefereld a faring way, path. 'gefe- 
reld ist ein unwort, für möglich halte ich auch nicht gefeald, wohl aber ge- 
feald, ein verkürztes neutrum, entsprechend anserm gefilde. es ist aber die 
frage ob nicht auch fifelgefeold herzustellen ist, wie der erste tbeil der Zu- 
sammensetzung sonst immer lautet, iaftfeleyn, Ftfeldor, ßfelstredm, f%felv<rg 
Elen. 237.' D. vgl. alts. Etanasfeld Moser nr. 2 a.S04, nr. 13 a. 965, nr. 19. 
20. 24 a. 1023—1057, ahd. Hüniofeld Förstern. II, 799. 11. hüde fröre 
die hs., was nach S 'schwert' bedeuten soll, wie altn. bödvar iö'htU, gunniss, 
Hlakkar tss. aber fröre ist abermals ein unwort. ich vermute hitdefrdfre: 
'kampflrost' ist ein passender naine für eine waffe. 12. gripe erklärt S 
greif, grype, vulture. wenn ags. gripe in dem sinn von altn. gripr res pretiosa 
vorkäme, wäre güdbiUa gripe soviel wie gudbiüa, irena cyst. 'in diesem 
sinne kenne ich es nicht, sondern nur als abstractum vom zagreifen, griff und 
und angriff, und zwar nicht nur wo er mit der band geschieht Beov. 380. 965. 
1534. 193S, sondern auch vom schreckenden angriff der Qut Beov. 1516. dar- 
nach mufs wohl der 'kampftrost' der gegenständ des angrifTs der kampfschwer- 
ter, also der schild sein, so dafs hier ganz passend VValthers rede von der 
Schilderhebung begleitet ist, wie Byrbtn. 42: Byrhtnod madelode, bord hafe- 
node'. D. 13. rine Burgenda wie vine Scildinga im Beov. der fürst. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 271 

14. hilde gefremede , kämpf bereitete, vollführte gegen mich, vgl. Beov. 
2499 säcc« frommem, 959 ftohtan gefremman. 15. Jede: the ms. is a 

little damaged here, bat witb some patience the word can be redd. S. dem sinne 
nach entspricht Beov. 968 gonget getvmna» des ganges, gehens berauben 
d. h. niederstrecken, und getvaman wie getva-fan regiert sonst, so viel be- 
kannt, immer den genetiv. da aber fide wo es auftritt nur noch dativ ist — 
an das compositum federig Beov. 23C4 läfst hier der vers nicht denken — so 
ist D einverstanden, hier einen instrumentalis anzunehmen, 'was bei dem 
Wechsel desselben mit dem gen. um so weniger befremden kann, da der begriff 
'hindern, verhindern an etwas' ablative fafsung zuläfst, vielleicht ursprünglich 
fordert, wie das 'einen an etwas beschädigen' Cädm. 3533. 4110 (Daniel 15. 
593). me im ersten satz dativ darf man gleichwohl im zweiten als acc. neh- 
men wie psalm 117,11'. vigges feta ist auch auf dem facs. deutlich: es scheint 
fast feta zu stehen, nach S wäre feta ein alter, nordengliscber dat. sing, von 
fot statt ags. fit. aber vigges d. i. viges fC-ta? 'feta von föt abzuleiten ist 
einfach eiu Schnitzer, ein so altes bruchstiiek wie das vorliegende dürfte auch 
ein neues wort für den ags. Sprachschatz gewähren, vielleicht ist/irta das no- 
men agentis zu dem verbum, wovon sonst nur das pari, fa-ted geschmückt er- 
halten ist (ztsebr. 11, 417 ff.), got. fetian schmücken, und vigges firta der 
ordner des kampfes, der xoct^u^'tijc, daher gleich held, hier eine bezeichnüng 
Hageos'. D. 17. tet dus heado zu anfang der zweiten seile ist auch auf 

dem facs. hinlänglich deutlich, nach S wäre gyf du dyrre <et purs heado 
verigan höre byrnan zu lesen und fmr wäre gleich altn. pörr. ist sonst alles 
in riebtigkeit, so ist dt pys heado zu lesen, 'aber v. 16 erregt bedenken ob 
nicht zu ende der seite nach gif pu dyrre vom Schreiber etwas ausgelafsen 
ist. denn das folgende ist genug für einen vers, und da heado sonst nicht ein- 
zeln, nur in compositionen vorkommt, ist verdacht vorhanden dafs ät pus hea- 
doverigan zusammen zu nehmen ist: 'von einem so kampfmüden', was Wal- 
ther war. sonst mufs man allerdings ät pys heado lesen, dann aber auch ohne 
die lücke eine aposiopese annehmen, denn der mit 'wenn' angefangene satz 
wird direct uiebt fortgesetzt', die triftigkeit dieser Bemerkungen Dietrichs ist 
so einleuchtend dafs ich darnach die lücke bezeichnet habe, nachträglich fügt 
D noch hinzu: 'da ät nur 'bei' oder 'von' sei» kann, ersteres aber unpassend 
ist, so mufs das nach dyrre zu ergänzende verbum ein solches sein das kampf- 
lich in ansprach nehmen bedeutet, das aber ist gretan, Beov. 803 ^one syns- 
cadan güdbilla ndn gretan nolde, ebenso 1995. 1035 ^e mec güdrinwn gre- 
tan dorste. zur Herstellung der allitteration könnte man ergänzen dallice 
(kühn, ohne tadel Beov. 2646) oder dolgslegum (Andr. 1246) gretan. ich 
denke, dafs Valdere voraussetzt, Günther wolle wie Hadebraod in sus heremo 
man brusti giuuinnan'. mir ist bei dieser ergänzong seboo das unpersönliche 
objeet bei gretan bedenklieb. 18. standad. 'Älfheres laf ist hier die 

brünne, nicht ein Schwert; vgl. Beov. 1547 6". htm on eaxle lüg breotlnet bro- 
den ; pät gebearh feore. die brünne heifst aueb anderwärts breit und vergol- 
det, Beov. 1291 byrnan stde, (1443 herebyrne sid and searofdh), Judith 33S 
tide byrnan, gerenode reddum golde . D. 19. gedpneb ist breit, weit: 

neb aogesicht, Oberfläche dient hier in der composition nur zur poetischen 



272 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

falle. D. 20. reo/ - scheint sieber, obgleich das wort am ende einer zeile 

siebt, wo die bs. stark verwischt ist; doeb ist reo selbst auf dem facs. siebt- 
bar. 21. kältend ergänzte S, nach D 'eine dem sinne nach vortreffliche 
eonjeetor, da hier ein andres beiwort für den panier, bezüglich auf die gegeu- 
wart and gegensätzlich zu fdh v. 22, gestanden haben mufs. das wort, in der 
geistlichen prosa aafserordentlicb häufig für 'beilsam', steht auch vom irdi- 
schen heil, z. b. von quellen Alfr. boni. 1, 86, also hier ganz passend von dem 
zam siege führenden beil. doch ist half ende za schreiben nach dem sing, käl- 
tende Älfr. hom. 1, 614, leöfvende ags. bibl. 2, 350 v. 92. das folgende hdd, 
eig. vielleicht leib, ist schon früh ganz vom begriff 'persoo' eingenommen, wird 
aber noch in sinnlicher bedeotung gebraucht, so im zweiten rätbsel v. 12, wo- 
nach biälter die hddas persooen, Heisch und geist, der ersten menseben be- 
deckten*. D. 22. he bid bs. 'da den fcöndam die unmetgas v. 23 entge- 
gengesetzt sind, so mufs wobl das dunkle he bid tat die sonst gut verteidi- 
gende brünoe gehn; das reif, wenn es richtig gelesen ist, ist freilich her- 
sebend neutrum, ich brauche mich nicht darauf zu berufen dafs es hochdeutsch 
masrulin ist und dies im ags. auch, wie in andern fallen, vorangegangen sein 
kann: hier durfte, nachdem mit dem fem. läf begonnen war, das geschlecbt 
nach dem sinne d. b. nach dem so gewöhnlichen masc. gudhama aufgenommen 
werden, ich übersetze also : 

heilsam zu haben, wenn es die haut wehrt 
die brnst vor feinden; es wird falsch gegen mich 
wenn untreue venvandte nachher aufstehen u. s. w.' 
so D. den gegensatz von haltende und fdh wird man zngeben miifsen. ich 
glaube aber die sache wird einfacher, die Schwierigkeit mit dem he fällt weg, 
wenn man list ne bid fdh vid me, 'und nicht erweist die brünne sich mir feind- 
lich, schädlich, untreu', und pedh nur auf den condicionalsatz bezieht, io der 
ähnlichen formel/aA vid god Beov. 811, Satan (Cädm. II) 97, Andr. 1189,/aA 
vid parte cyning I. Adelst II, 23, 7 ist fdh übrigens faidosus, qui faidam por- 
tal, der räche und Verfolgung aasgesetzt (Wilda strafr. s. 191 ff.), vgl. Beov. 
711 godes yrre bär. man kann hier aber nicht auslegen, am das he zu ret- 
ten, 'meine brünne ist gut mich vor feinden za schützen, und der ist mein 
feiad , der mich angreift', auch wenn man zugeben könnte dafs wie sonst ein 
pronomen relativum für eine coojunction, namentlich im mbd. twer für 'wenn 
einer eintritt, so hier umgekehrt eine conjunetioo für ein relativ stände. 

23. yße: the word ist doahtful, possibly we nuy read alle. S. 'gegen yfle 
ist nichts einzuwenden, alle pafst nicht, onginnad finden wir hier in einer 
seitnern bedeutung. da es keinen infin. nach sich bat, so kann es nur 'irruunt, 
insnrgont' sein, wie (Aldb.) ps. 61, 3. 85, 13. 123, 2.' D. 26. recon (sehr 
deutlich) q radfest: recon- and rard-fest S, nach s. 82 aecording to the old nor- 
tbern idiom, wbieb is still kept up in England as in Scandinavia, an epitbet 
need not to be repeated to every word, to which it beloogs, — reckonfast, a firm 
true reckoner. aber alle belege fehlen dafür im ags. im ersten augenblick 
dachte ich an das sonst allerdings nicht vorkommende adj. zu dem adv. recone, 
ricene, reconlice confestim. D macht mich darauf aufmerksam dafs dies nicht 
wohl zu einem epitheton gottes passen würde, er vermutet dafs wie in dem 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 273 

von ihm herausgegebenen psalm and hymnus (ags. bibl. II, 277, 31. 45. 290, 
9) dreimal, so auch hierein </ abgefallen und reccend zu lesen ist: riht und 
reccend, reccan würden gerne gebunden, räths. 41, 3. Elen. 553. 2S. to 

S, vielleicht <rt in der hs. 29. S ergänzte man gepenced, ohne not. 'die 

bedentung von earnung ist stäts verdienst, ags. bibl. Fl, 2S4, 68. 2S6, 26. die 
Verdienste aber sind hier wie öfter die guten werke'. D. 30. mtoleii. 

31. den scbluls kann man getrost »«ergänzt lal'sen, Stepbens einfall (nvt 
it bei JMtnne ortag laugt nichts. 



Der 'englisch-skandinavische' herausgeber dieser bruchstücke 
ist s. 20 fg. der meinung dafs das ags. gedieht dem sie angehören 
von den thaten Walthers nach seiner Vermählung mit Hildegnntl 
gehandelt habe, worauf am schlufs des Waltharius v. 1448 ange- 
spielt werde: 

publica Hiltgundi fecit sponsalia rite. 

omnibus et carus post mortem ohitumque parentis 

ter denis populum rexit feliciler annis. 

qualia bclla dchinc et quantos saepe triumphos 

coeperit, ecce Stylus renuit signare retusus. 

sclion Jac. Grimm (lat. ged. des X. und XI. jh. s. 106) legte auf 
diese phrasen zuviel gewicht. VValther mag neben andern helden 
auch im ahd. epos öfter aufgetreten sein und durch einzelne thaten 
sich ausgezeichnet haben; aber sein wettkampf mit Dietleib im 
speerwurf in der Tbidrekssaga c. 12S. 129 (heldens. s. 181) setzt 
den kämpf auf dem Wasgenstein voraus und gewis war dies von 
altersher die einzige selbständig ihm angehörende sage. 

Sie liegt uns in drei gestalten vor. die eine die man die ale- 
mannische nennen kann in dem lateinischen gedieht des sangalli- 
schen Ekkehafd aus der ersten hälfte des zehnten jahrh. und in den 
anspielungen der Nibelunge not und des Biterolfs : hienach kämpft 
eben Walther, von den Heunen heimkehrend, um die schätze und 
die Jungfrau die er Etzeln entführt hat zu behaupten, gegen Gün- 
ther und zwölf seiner mannen auf dem Wasgenstein, einer höhe der 
Vogesen an der alten heerstrafse von Deutschland nach Lothringen, 
dem jetzigen Framont. in der zweiten gestalt ist dann der kämpf 
gegen die Heunen gewendet, die Etzel den flüchtigen nachsendet, 
sie ist nur eine Variation der ersten und gewis fränkisches Ur- 
sprungs, weil kein volk oder stamm gerne seine eignen niederlagen 
<ingt inordalb. stud. 1, ]$'2) und Günther von Worms mit seitn-n 
Z. F. D. A. XII 1* 



274 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

mannen, auch wenn sie Burgunden hicfscn , doch die Franken ver- 
trat, in dem bericht der Thidrekssaga, dem ein ziemlich rohes 
fränkisches oder niederdeutsches lied zu gründe liegt, heifst Wal- 
ther gleichwohl 'af Vaskasteini', ndd. Wolter van Wasekensten nr. 
XXXI; die andre gestalt der sage wird also vorausgesetzt der 
fränkischen auffafsung aber schlofs sich , wohl weil der gegensatz 
zu den Heunen geßel, noch in der besten zeit des mhd. volksepos 
die österreichische dichtung an, deren Überreste Karajan 1838 in 
Wien und Weinhold 1859 in Steiermark fanden (ztschr.ll,269f.). 
auf dies gedieht bezieht sich wahrscheinlich auch eine stelle dfr in 
Österreich entstandenen erzühlung "von dem Abelen wibe, XXVIU,3, 
da das 'behagenliche riten durch diu riebe' anzudeuten scheint dafs 
die gefahr im anfang der flucht glücklich überstanden war. die 
dritte fafsung endlich, die polnische sage bei Boguphalus stellt sich 
auf den Standpunkt der östlichen Völker, gleichsam der Huncn, und 
kehrt darnach die sache um: Walgerzs ist ein polnischer held und 
Helgunda eine fränkische Königstochter , um die er als er fliehend 
mit ihr über den Rhein kommt gegen einen Alemannen strei- 
ten mufs. 

Es bedarf nun kaum eines beweises dafs das ags. gedieht der 
alemannischen gestalt der sage folgte, sie ist eben die älteste, wie 
schon aus der vergleichung der andern erhellt, die historischen 
anlebnungen weisen, wie ich ztschr. 10, 163 fg. (vgl. ztschr. 5, 3 fg.) 
zeigte, in die frühste zeit des epos zurück, wonach Gallien Walthers, 
Deutschland oder 'daz lant al umbe den Rin' Günthers reich war, 
während Etzel im osten über die Hünen herschte. aufs vortreff- 
lichste schliefst sich daran noch die Überlieferung der Thidrekssaga 
(nr. XXIV) dafs Hildegund ihm als geisel für die Unterwerfung des 
slavischen osten übergeben war. der epischen sage wird ein my- 
thus zu gründe liegen, nur möchte ich nicht mit Jac. Grimm (lat. 
ged. s. 125) unmittelbar an die göttersagc denken, der mythus 
war dem von den Hiadningen ähnlich, der schätz, der raub und 
kämpf um die valkyrische Jungfrau, Hagen als blutsbruder und dann 
als gegner ihres geliebten (vgl. nr. XI ), ja wenn die polnische sage, 
wie leicht möglich , einen alten echten zug der deutschen bewahrte, 
selbst der gesang Horants (nr. XIX. 1) sind beiden sagen gemein- 
sam, das ags. gedieht, das ohne zweifei der blütezeit des ags. epos 
angehörte und daher spätestens um die mitte des achten jahrh. ent- 
stand, könnte seinen Stoff aus der damaligen deutschen sage go- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 275 

schöpft haben, da theils durch die geistliehkcit theils auch wohl 
durch Seefahrer am Niederrhein ein ununterbrochener verkehr zwi- 
schen England und Deutschland bestand, allein es wird ein Ver- 
hältnis zur Dietrichssage angenommen und es findet sich aufserdem 
noch ein zweiter punkt wonach diese Vermutung durchaus un- 
wahrscheinlich und vielmehr eine schon längere zeit dauernde Un- 
abhängigkeit der ags. Überlieferung wahrscheinlich wird, sie scheint 
nur die erste ausbildung und Verbreitung der epischen sage vor- 
auszusetzen, daher beweisen unsre bruchstücke abermals wie früh 
diese erfolgt sein mufs, wenn die in der ztschr. 7, 416. 10, 176fT. 
aufgestellte ansieht sich noch jetzt festhalten läfst. 

Der name des helden Valdere kommt einmal vor 2,10. er hat 
das aussehen eines einfachen derivatums. das von vornherein nach 
unsrer ansieht (ztschr. 1(1, 163) ganz passend gewesen wäre, doch 
ist wohl ähnlich wie im nordischen Valdarr, Einarr, Agnarr u. s. w. 
(ztschr. 3, 143) und im nhd. Walter Werner ein ausfall des h an- 
zunehmen, da Wilderes vater 1, 10. 2, IS entsprechend dem ahd. 
Alphere des Ekkehard Älfhere heifst; vgl. Beda 4, 11 Valdheri, 
Kemble cod. dipl. nr. 34 a. 692, nr. 57 a. 706, nr. 60 a. 709 Vuald- 
here, nr. 58 a. 706 Uualdherus: nr. 355 Valderes vel, nr. 774 Yeal- 
deres veg. Älfhere war zu der zeit wo die handlung des liedes 
spielt nach 2, IS bereits verstorben. Valderes flucht von den Hü- 
nen ward daher in dem ags. liede wohl anders motiviert, als bei 
Ekkehard und im mhd. gedieht, wo Alphere oder Alpker noch am 
leben ist als Walthcr zurückkehrt, dafs er bei den Hünen war, 
lehrt die anrede 1, 5 Ätlan ordviga, da Ätla Etzel, Attila ist, Vids. 
IS. 122. sein reich und seine heimat wird uns leider nicht ge- 
nannt, aber da er mit Güdhere 1, 24, dem Burgundenkönig 2, 13 
(vgl. Vids. 65. 66) streiten mufs, so ist der kampfplatz auf und am 
Wasgenstein zu denken und Valderes reich westlicher, in Gallien, 
auch Hildgüd kommt nicht mit namen vor. allein das erste frag- 
ment enthält ohne zweifei ihre rede, es versetzt uns in den zwei- 
ten tag oder act des kampfes. Güdhere hat ihn zuerst ungerechter 
weise begonnen, 1, 25. 20, vgl. 2, 23, 25. vergeblich hat ihm Val- 
dere, wie bei Ekkehard, ringe und kostbare gefäfse und aufserdem 
ein schwert angeboten, 1, 27. 28; der könig hat alles ausgeschla- 
gen, Valdere aber hat darnach den angriff von Güdheres leuten — 
denn die müfsen doch die ihn angreifenden gewesen sein — glück- 
lich bestanden . 1 . 1 2 IT. nur der könig und wie sich aus dorn 

IS" 



276 ZEUGMSSE UND EXCURSE 

zweiten fragment ergibt Hagena sind zuletzt von seinen gegnern 
übrig, wie im Waltharius; sie greifen Valdere aber nicht wie bei 
Ekkehard gemeinschaftlich an, sondern Hagena kämpfte nach 2, 14. 
15 allein mit ihm vor Güdhere*. zwischen unserm ersten und 
zweiten blatt kann nicht sehr viel fehlen, nach der rede der Jung- 
frau mufs sich Valdere entschlofsen haben den kämpf von neuem 
aufzunehmen, es folgte sein zusammentreffen mit Hagena, das für 
diesen nicht glücklich ablief, worauf Güdhere gewis bald die rede 
begann, in der wir ihn zu anfang des zweiten fragments begrif- 
fen sehen. 

Alle die bisher bemerkten differenzen in der darstellung des 
ags. und lateinischen gedichts sind sachlich von keinem grofsen 
belang, allein einen wesentlichen unterschied macht der umstand, 
der Hildegund zu ihrer dem lateinischen gedieht darum auch unbe- 
kannten mahnrede anlafs gab. bei Ekkehard zeichnet sich Walther 
vor allem durch seine geschicklichkeit im speerkampf aus und er 
ist deswegen auch noch später berühmt (heldens. s. 181). im ags. 
gedieht ist er im besitz eines vortrefflichen Schwerts: 'be veard 
mädma cyst', sagt Hildegund 1, 23, 'gifede tö geöce unc', und er 
hat mit diesem schwert den vorhergehenden kämpf ausgefochten. 
auch der Biterolf 12285 legt ihm noch ein schwert namens Wasche 
oder Waske bei, wie Nib. 1988,4 Irings schwert heifst, ohne zwei- 
fei so benannt nach dem berg und gebirge auf dem Walther kämpfte 
(nr. III), wie Balmung nach einer felshöle, Schweiz, balme Stalder 
1, 127, mlat. balma frz. bäume Diez etym. wb. 561, vgl. Schmel- 
ler 1,172. an einer andern stelle im Biterolf 642 wird es gerühmt, 
ohne namentlich genannt zu werden: 

do truoc ouch da besunder 

Walther ein wäfen an der hant 

daz vil witen was erkant 

* strenggenommen folgt dies freilich nicht aus den Worten 'wahrlich du 
hofftest (wähntest) wohl dafs Hagens hand mir kämpf bereiten und mich dar- 
niederstrecken (des gehens berauben) würde', aber der nachdruck liegt auf 
getviemde fede , nicht auf hilde gefremede ; der satz ist so zu verstehen als 
wenn da stünde pät me Hagena ät hilde getveemde fede. aufserdem macht 
mich Dietrich noch darauf aufmerksam dafs aus dem prädicat headoverig v. 17 
hervorgeht dafs der kämpf mit Hagen eben vorhergegangen ist, und ebenso 
aus dem plural ge v. 24. dafs auch Hagen Valdere angegriffen hat und mit zu 
den unmwgas gehört, auch noch gegenwärtig ist als Güdhere mit ihm käm- 
pfen will. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 277 

ze einem der aller besten. 

daz si dö inder westen. 
auch im lateinischen gedieht führ! Walther ausgezeichnete Waf- 
fen, aus Etzels schätz entführt er v. 263 des königs heim tuni- 
camque trilicem, loricam fabrorum insigne ferentem, und seine 
brünne heifst v. 965 Welandia fabrica. die ags. sage setzt ähnli- 
ches voraus, aber sie liefs den beiden seine geschicklichkeit im ge- 
fecht mit einer andern waffe, als die deutsche sage entwickeln, dalier 
erkläre ich es mir dafs sie ihm nach 1, 2 den Mimming lieh, aner- 
kannt sowohl in der deutschen (heldens. s. 59, unten XXVII, 6), 
als auch nach dem childe Hörn (heldens. s. 278) in der altengli- 
sclien sage das beste aller Schwerter, das Wieland für seinen söhn 
Witege verfertigt hatte, dafs Mimming an der angeführten stelle 
Yalderes schwert ist, scheint mir gar nicht zu bezweifeln, dennoch 
hat Gfulhcre, als Valdcrc es ihm zum geschenk anbietet, das schwert 
nebst den schätzen verschmäht 1, 27. er selbst hat ein noch he- 
iseres, dies sagt er im unfang des zweiten fragments deutlich und 
nur so hat auch die rede der Ilildegund einen sinn, namentlich die 
worte 1, 23: ne murn bi't for j>> mm, mag sie nun meinen, Val- 
dere solle nicht besorgt sein wegen seines Schwertes, weil es weni- 
ger gut als das seines gegners ist, (aus dem anfang der rede 1, 1 
hnrii Yelamles geveorc u. s. w. gebt hervor dafs er eben vorher 
davon gesprochen hat,) oder auch was Dietrich vorzieht, dafs er 
nicht vor dem schwert Güdheres besorgt sein soll, sachlich laufen 
beide erklärungen auf eins hinaus, was Güdhere dann 2, 3 — 9 von 
dem schwert weiter erzählt, dafs beodric es einst dem Vidia selbst, 
dem söhn des Veland und tochterkind (mteg) des Nidhäd mit vielem 
andern gut zum lohne dafür gegeben habe dafs er ihn aus der be- 
drängnifs (oder gefangenschaft?) von riesen oder unholden befreite, 
kann nur von seinem eignen schwert verstanden werden, weil Val- 
dere sich dagegen 2, 17 ff. nur auf seine brünne und auf gott und 
seine gerechte sache vertröstet, wie Güdhere zu dem schwert und 
Valdere zu Mimming gekommen ist, darüber findet sich keine an- 
deutung. es siebt fast so aus als hätte die ags. dichtung die freiheit 
gehabt das Verhältnis einer sage zur andern nach gutdünken zu be- 
stimmen, dafs ein niederländischer dichter des vierzehnten jahrh. 
(XXVII, 6) Wedeges Mimmiuc einem helden der französischen sage 
beilost, scheint weniger willkürlich als wenn hier Güdhere und Val- 
dere, zeituenofsen des Äila. zu erben von Witege und Dietrich ge- 



D 



27S ZEUGNISSE UND EXCURSE 

macht werden, so wenigstens von dem historischen Standpunkt 
der deutschen sage, die gewis nie durch solche angaben mutwillig 
ihr ganzes chronologisches system auf den köpf gestellt hat. eben 
aus diesem gründe weise ich die Vermutung dafs für das ags. lied 
die gleichzeitige deutsche Überlieferung die quelle gewesen sein 
könne zurück, es kommt aber noch hinzu dafs die ausstattung bei- 
der einander gegenüberstehender beiden mit einem sebwert Wite- 
ges sowohl für Günther wie für Wallher auf eine eigentümliche, 
von der deutschen verschiedene ausbildung der sage bei den Angel- 
sachsen hinweist. 

Mit diesen einblicken in die geschichte und das leben der alten 
dichtung könnten wir uns begnügen und zufrieden sein wenn die 
bruchstücke nichts weiter gewährten, aber gerade durch die bezie- 
hungen auf die Dietrichssage erhalten sie noch einen ganz beson- 
dern, unvergleichlichen werth. dafs die sage vom schmied Wieland 
in England bekannt war. wusten wir aus mehrern anspielungen 
(heldens. s. 14. 20. 29. 41. 2*S; oben nr. VI), besonders aus den 
beiden ersten Strophen von Deörs klage, bei Grein nr. XXIV. hier 
wird wie in unserm fragm. 2, 7 Nidhäd genannt, der vater der Bea- 
dohild, mit der Wieland den Witege oder Vidia nach 2, 8 erzeugte. 
die formel Velandes geveorc 1, 1, der genau 'W'elandia fabrica' bei 
Ekkehard entspricht, kam schon im Beovulf 455 vor, und Vidia 
unter der mehr ags. namenform Vudga (oder Vudga? s. nr. III) im 
Vidsidlied v. 124. 130 (heldens. s. 19, vgl. ztschr. 11, 2931. Vidia 
kann unmittelbar aus dem alten Vidigauja verkürzt sein, vielleicht 
ist aber das scheinbar ableitende i oder j nur erweicht aus g, was 
im ags. am wenigsten auffallen kann (gramm. 1, 259), und Vidia 
ist gleich Vidga, Vudga. einen Vudia weist Stephens s. 42 fg. aus 
Hildebrands monnaies anglos. Stockholm 1S46 p. 194 als münz- 
roeister Knuts des grofsen nach, eiuen Vidia ebend. p. 232.237 als 
münzmeister Haralds I, ein Vidian byrig aus Kembles cod. dipl. nr. 
633. dagegen Vyddan beorh nr. 1056, der Vudda der Sachseu- 
chronik zum j. 994, sowie auch ihr Vida (ahd. Wito) und dgl. m. 
bleiben befser aus dem spiele, dafür dafs Witege Wielands söhn 
sei, gibt unser fragment das frühste Zeugnis ab, s. nr. XIV. über 
den Amuling beodric habe ich die ags. Zeugnisse unter nr. V, 1 zu- 
sammengestellt, ihn soll nun einmal Vidia 'aus klemmen' losge- 
macht haben so dafs er 'durch das gelilde der riesen' oder unholde 
davon eilen konnte, davon wifsen unsre späteren Überlieferungen 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 279 

nichts, es müsten denn die abenteuer mit Sigenot und Laurin ur- 
alte bestandtlieile der Dietrichssagc und nicht blofs wilde schöfs- 
lingc der Tiroler localsagc (XVII. XXX, 9) sein und die Angelsach- 
sen Vidia an die stelle Hildebrands oder Dietleibs gesetzt haben, 
eine andre annähme ist vielleicht wahrscheinlicher, in Übereinstim- 
mung mit dem alten historischen local der gotischen sage (nr. III) 
berichtet die Thidrekssaga c. 134)1'. 19311". von Vidgas und seiner 
genofsen riesenkämpfen im slavischen nordosten. von Vidolf mit 
der Stange niedergeschlagen gerät er in die gefangenschaft des kö- 
nig Osantrix und wird daraus von Vildiver und dem spielmann 
Isung, nachdem jener Osantrix und die riesenbrüder Aventrod und 
Vidolf erschlagen, befreit, später erlegt er selbst im Bertangawald 
den dritten bruder Etgeir, einen grofsen schätz erbeutend, und ganz 
ähnlich zuletzt c. 433 sein geselle Heime den vierten Aspilian. ge- 
wis sind diese sagen ihrer grundlage nach uralt und nur trümmer- 
hafte Überreste der ursprünglich selbständig und reicher ausgebil- 
deten sage des Vidigauja (vgl. III). nimmt man nun dazu dafs 
Dietrich in der ihrer grundlage nach historischen fehde mit Diet- 
rich von Griechen d. i. Theoderich des Triarius söhn einmal in 
Rufsland in eine bürg eingeschlofsen und da belagert wird bis At- 
tila nach der Thidrekssaga c. 29S ihn entsetzt, so scheint es richti- 
ger in der ags. sage nur eine eigenthümliche, besondre Verbindung 
von mythus und geschichle der Witegen- und Dietrichssage zu sehen, 
als darin Überlieferungen zu suchen die ganz aufserbalb des Zusam- 
menhangs der eigentlichen alten heldensage liegen, wie dem aber 
auch sei, die hauptsache die keinem zweifei unterliegt ist, dafs Die- 
trich und Witege mit und neben einander auftreten, denn dafs 
beeidric der geselle Vidias des sohnes Velands Dietrich von Bern ist 
und Vidia Vudga oder Witege, wird niemand bestreiten, steht aber 
dies fest, so gewähren uns diese bruchstücke, da Vudga nach dem 
Vidsidtied Eormenrics mann ist. endlich das längst vermisste alte 
zeugnis (ztsebr. 10,177. 11,274) für die Verbindung der Dietrichs- 
und Ermenrichssage und damit das wichtigste bisher noch fehlende 
datum für die geschichte unserer heldensage. den gewinn der sich 
hieraus ziehen läfst auszubeuten mufs freilich einem andern ort und 
Zusammenhang aufbehalten bleiben. 



250 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Die von Karajan gefundenen bruchstücke des mhd. gedichts 
von Walther und Hildegunde stehen in dieser Zeitschrift 2, 217 — 
222 abgedruckt, das neunte heft der mittheilungen des histori- 
schen Vereins für Steiermark 1S59 möchte wenigen zugänglich sein, 
so wiederhole ich hier die von Weinhold gefundenen kleinen stücke. 

Weinhold fand in dem eingebrochenen rücken eines perga- 
mentblatts. das einer hs. des vierzehnten jalirh. die einen rohen 
auszug aus Wolframs Willehalm enthielt angehört hatte und im Ju- 
denburger archiv als unischlag diente, drei als bünde verwandte 
streifen von einer zierlich, vielleicht noch in der ersten hälfte'des 
dreizehnten jalirh. geschriebenen pergamenths. in klein quart. sie 
werden jetzt im archiv des Joanneums in Graz aufbewahrt, jede 
seite enthielt zwei spalten, die verszeilen und Strophen sind nicht 
abgesetzt, nur die anfange der Strophen durch grofse rothe oder 
roth durchstrichene buchstaben ausgezeichnet und der schlufs der 
langzeile in der regel durch einen punkt bezeichnet: wo die punkte 
in unsenn abdrtick fehlen, fehlen sie auch bei Weinhold, der eine 
streifen bot nur den schlufs einer seite und zeile 

michel vii 
die beiden andern aus der mitte eines blattes der breite nach her- 
ausgeschnitten passten zusammen : ein schnitt durch die fünfte zeile 
hatte sie getrennt, sie ergeben die Überreste von neun Strophen, 
keine vollständig weil die eine spalte auch der länge nach durch- 
schnitten ist. ich mache den versuch die Strophen und verszeilen 
abzutbeilen. bedenken macht die achte Strophe, die punkte be- 
zeichnen nur ungefähr die anzahl der fehlenden buchstaben, nach 
ihrer durchschnittlichen zahl (25) in den vollständig erhaltenen 
Zeilen, damit jeder sich den text wie er überliefert ist wieder zu- 
sammensetzen kann, setze ich einen senkrechten strich an den 
schlufs der Zeilen in der hs. durch die achte zeile der ersten seite 
(str. 3, 1. 5, 4) geht der querschnitt so dafs nur die spitzen der 
buchstaben erhalten sind : 'das von mir gesetzte", sagt Weinhold, 
'ist indessen zu erkennen': ob aber z.5 der ersten spalte durch die 
der zweite querschnitt geht, str. 2. 4 'ir er' richtig gelesen ist? die 
Strophe liefse sich sonst wohl ergänzen, die fragmente fallen in den 
anfnng des gedichts dessen ende die Wiener blätter angehören. 
Weinhold nimmt mit recht an dafs str. 4 Hagen der redende ist, 
der Walthern bestätigt dafs er mit Hildgund in der heimat ver- 
lobt ward. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VII. 281 

Erste seite. 
erste spalte. 

1. Die getan. 

2. Do fpch | v fold dir din lip | 

inne wein liezft | 

. . . din mit solhen e rot bat 

fi ir er wol ] /reyserinne die sold | 

. . . min rat. 

3. Do | Walther | 

zweite spal tc. 

4. 6eft;etct vnd ir vat 1 lant. 

ich ftvt ' da man ivch ma:hlt beide iz ist j mir allez wol 

erliant. 

5. we | mich miner leide fprach Wallh' j Ja ze ftvnl. 
daz miner gvten dÜenste min vrö Hiltcgvnt. 

ist al I fo verteilt her vil manige tac | 

fwefl ich . . . mit minne . . . . lde | 

Zweit e seite. 
erste spalte. 

6. wip 

dar nach neig er in vil fli ' zichliche vnd biez tu spelich 

sin | ir lip 

7. Die do die nashsten wart" j bi im von Hivnen laut, 
den gab | der fnelle Hagene div roff vfi daz | gt:waiit. 
daz silber zv dem golde | fwaz manf im fvr getrvch. 
er | 

zweite spalte. 

8. han ich 

not v | ie dvreh dich 

w | lazen tröt geselle . . . 

] daz ich von hinnen vmb dich 

diende 

9 | der ftarche Hacexe } wol vernomen. 

d ! 



2S2 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

V11I. 

Im j. 931 verlieh künig Ädclstän (Kemble cod. diplom. aev. 
saxon. nr. 353) seinem getreuen diener Wulfgär quandam telluris 
particulam in loco quem solicole ät Hamme vocitant, — liis termi- 
nis circumcinctam : aerest on eästeveardan on linienge (engl. lea) 
geat, and ponne on linienge middevearde, and ponon sndrihte vid 

pära stänceastla bonne nord ofer dune on meös- 

hlinc vesteveardne; ponne ädüne on bä yfre (1. yfsc d. i. rain 
Kemble 2 p. 89 = efes nach einer mittheilung Dietrichs), on Bed- 
vanhammes heegan , on bremeles (oder Bremeles ?) sceagan easte- 
veardne; bonne on bä bläcan gnefan (eine art nutzholz 2 p. 46), 
ponne nord be bem andhenfdan (vorhöhen 5 p. 325) tö b«erc scor- 
tan die (graben), bütan änan (oder Anan) äcre; bonne tö fugelmere 
tö |iäm vege, ondlang veges tö Ottesforda; bonon tö vudumere, 
bonne tö Jkitc nivan heegan; bat on langan hangran: bonne on 
Grendles mere, |>onon on dyrnan geat, [tonne eft on linlenge geat. 

Die bezeichneten locnlitäten liegen im südlichen England, in 
Wessex in VViltshire. nördlicher an der Severn in Worcestershire 
kommen auch noch ein Grindks bec (Kemble nr. 570 a. 972) und 
ein Grindks pytt (Kemble app. vol. III. nr.59) vor, wie hier Grend- 
les mere, worauf Leo (rectitud. s. 5) zuerst und darnach Grimm 
(myth. 222) aufmerksam machte, aber sie übersahen das wichtigste, 
den Beövan hamm, die Beoves höhe (vgl. Leo rectit. s. 32) in der 
nähe von dem Grendels teich oder sumpf, mit recht hob Kemble 
(the Saxons 1, 416) dies zusammentreffen hervor, die annähme 
(zeitschr. 7, 419), dafs der historische Beövulf, Ecgbeös söhn, nur 
an die stelle des göttlichen heros Beöva getreten sei und dafs von 
diesem einmal der kämpf mit Grendel erzählt wurde, ist damit voll- 
ständig gerechtfertigt, vergleicht man die beschreibung, die der 
Beovulf v. 1357 ff. 140411'. (zeitschr. 7,422) von der Umgebung der 
von Grendel und seiner mutter bewohnten meeresbucht gibt, mit 
den angaben der Urkunde — die namen der localitäten in der näch- 
sten nähe des Grendles meres, 'holz-' oder 'waldteich', 'rauhe 
hecke', 'das dunkle loch' oder 'finstre thor' (geat) sind verständlich 
genug , bis auf 'langan hangran' was auch sonst häufiger begegnet, 
aber weder Kemble noch Dietrich mit Sicherheit zu erklären wi- 
f SPn . — so begreift man die localisierung und Verpflanzung des my- 
thus leicht, in der alten heimat der Angelsachsen war er wohl 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VIII. 283 

am Fifcldor local; ags. fifel weist in den compositis fifelstream, fi- 
felvxg EI. 237 und besonders auch in fifelryn Bcov. 104 auf sce- 
ungeheuer und walserunholde. — gegen die erklärung die Kemble 
von dem namen Beova oder Beäva gab und die ich in dieser zlschr. 
7, 41111'. besonders aus dem Zusammenhang der genealogie Sceäf 
Sciid Beova Tfetva zu rechtfertigen suchte, bleibt immer der ge- 
wichtige einwand dafs das ags. kein beovan oder beävan neben biian 
kennt wie das mhd. bouwen neben bnwen. ich glaube jetzt dafs 
man auch sehr wohl bei der zunächst liegenden deutung aus beav, 
beo apis stehen bleiben kann. Beova oder Beäva war ein bienengott 
oder bienenvater wie der griechische Aristäos, der auch für einen 
gründer und Urheber der ersten cultur galt, und wie dieser den 
Apollo (Preller griech. myth. 1, 306 f.), so vertritt und bedeutet je- 
ner nur den Frey, nach der Ynglingasaga c. 14 waren Freys söhn 
Fiölnir in Uppsala und Fridfrödi in Hleidra auf Seeland, auch ein 
Freyssohn oder held. zeitgenofsen und nah befreundet: beide sind 
eben nur Vertreter desselben gottes bei verschiedenen stammen. 
Frödi läfst ein grofses gastmahl anrichten und dazu einen grofsen, 
viele eilen hohen methbottich bauen, der ganz mit meth angefüllt 
wird. Fiölnir besucht ihn , fällt hinein und findet den tod des kre- 
tischen Glaukos, darnach darf man den Frey selbst für einen gott 
des meths und weiter der bienenzucht halten. Fiölnir, von fiöl got. 
lilus nohg, abgeleitet, deutet nur auf den fülle und überflufs 
schauenden oder habenden gott hin; mit dem namen ist der ahd. 
Filuho, Filubho, den Graft" 3. 504 aus dem Ortsnamen Filuhonpiunt 
(für Filuhenpiunt?) schliefst, zunächst zu vergleichen; ein Gozwi- 
nus cognomento Filo kommt bei Schannat vindem. literar. 1, 77 
a. 1144 vor; auf die formelhafte Verbindung von Filo und Milo, das 
mit mel got. milib honig zusammenzuhängen scheint, in ditmar- 
schen flufsnamen habe ich in den nordalb. stud. (1844) 1,223 
aufmerksam gemacht, da methbereitung und bienenzucht zusam- 
mengehöre«, so begreift man leicht warum Beövas söhn T;etva, der 
frohe, heitre, liebliche heifst; auch bei Kemble cod. dipl. nr. 1354 
heifst eines imkers (beöcere) Hvita tochter Täte, als Beövuif, 
als träger der epischen sage oder der mythen von den kämpfen mit 
Breca, Grendel und dem drachen zeigt Beova freilich nichts mehr 
von dem character den der name ihm beilegt, die mythen gehör- 
ten ursprünglich eben dem gotte an, dessen beiname in dem ange- 
gebenen sinne Beova war, und bildeten ohne zweifei einst mit dem 



2S4 ZEUGNISSE UND EXCUHSE 

mytlius von Sceaf eine zusammenhängende reihe von sagen, von 
seiner ankunft, Jugend, heldenthat und seinem hingang, sie rückten 
aber, wie im gedieht sogar der mythus von Sceäfs ankunft auf Scild 
übertragen ist, durch die genealogie bis zu dem namen Beova vor, 
wo sie durch den söhn Ecgbeövs, den Geäten Beövulf, sich mit der 
geschiente verbanden, das compositum Beövulf, wie Gözolf, Irmin- 
olf , Reginolf und andre gebildet, zeigt nur einen helden und krie- 
ger im geist und sinn oder von der art des Beova an. ihm entspricht 
altn. Biölfr, das in dieser Zeitschrift 8, 208 zuerst aus dem Lantl- 
nämabök (Islend. sog. 1, 192. 194) nachgewiesen wurde und das 
nur hier vorzukommen und sicher zu sein scheint, ganz verschie- 
den davon ist das schwache Biölvi = Biälfi, Biälbi (Fornald sog. 2. 
517, Isl. sog. 1, 46, Fornm. sog. 3, 176. 178, sag. af Gisl. Sürss. 
p. 131'.), das als appellativ pelz, rheno, mastruca bedeutet; einBiälli 
(Fornm. sog. 8, 323f. 379. 9, 131) führt sogar noch aufserdem 
den beinamen skinnstakkr, pelzkappe. nicht mit gleicher Sicherheit 
wie altn. Biölfr kann man and. Piholf bei Meichelb. nr. 149 a. 807 
(zeitschr. 7, 410) mit ags. Beövulf zusammenstellen; denn Piholf 
kann verschrieben sein für Picholf. wie Bibo cod. Lauresh. nr. 223 
für Bicho Dronke cod. dipl. Fuld. nr. 242. 269 a. 807. 812, Picho 
Meichelb. nr. 700 c. 850, trad. Sang. p. 158 a. 824, womit Bicco 
Dronke nr. 21 1 a. 803, trad. Sang. p. 115 a. 807, Piccho p. 121. 
138 a. 811. 818 (Picea Meichelb. nr. 697 c. 850) im gründe wohl 
identisch ist, so dafs Piccolf, Picolf trad. Sang. p. 27 a. 767 jenem 
Picholf entspräche, wohl aber dürfen wir ahd. Bio cod. Lauresh. 
nr. 1863 a. 776, alts. Bio Biio bei Thietmar 4, 2. 6, 34 a. 1009 
(Pertz mon. SS. 3, 768. 82 1. 6, 659), Pigo, wie pigin für pian bei 
Graff 3, 1 3, pigen für bien zum Parziv. 297, 1 2,friger für frier u. s. w., 
bei Ried nr. 50 (Pez p. 252) a. 866, dazu das alts. femininum Bia 
in der translat. Alexandri und dreimal bei dem annal. Saxo (Pertz 
mon. SS. 2, 680 a. 851 ; 6, 685 a. 1040, 698 a. 1070) um so eher 
dem ags. Beöva vergleichen, weil sich daneben noch ein Binin (nicht 
Bino, wie ich früher 7,410 angab) im cod. Lauresh. nr.266 a.785, 
bei Dronke nr. 22S a. 806 (zweimal, und aufserdem der gen. Bines) 
lindet: denn dies verhält sich im wesentlichen zu Bio wie Iburin 
bei Dronke nr. 121. 144. 175. 3 IS a. 796. 797. S02. 816, Eburin 
trad. Sangall. nr. 87 a. 797, cod. Lauresh. nr. 208. 1483 a. 791. 
770 zu Ebur, da ahd. bia. bini mhd. bie, bin (Renner 10365) gleich- 
bedeutend sind, dpr gen. Bines isl entweder verschrieben oder ver- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. VIII. IX. 285 

lesen für Binines oder neben Binin war Bini auch als name ge- 
bräuchlich, ohne diese nebenform würde man Bio, Bia eher für eine 
Verkürzung oder einen hypokorismus halten, dafs aber aus diesen 
seltnen namen für die deutsche mythologie keineswegs auf einen 
dem ags. Beova entsprechenden heros oder golt zu schliefsen ist, 
beweist in diesem fall der mangcl der composita, während sonst 
oft gerade das gegentheil daraus folgt : die bedeutung von Bio Bia 
Binin ist zu speciell und erst die composita würden beweisen dafs 
sie einer allgemeinern, höhern gewichen ist. 

IX. 

1. Thegan. vita Hludovici c. 2: Godefridus dux genuit Huochin- 
gum, Huochmgus genuit Nebi, Nebi genuit Immam. Imma vero ge- 
nuit Hiltigardam, beatissimam reginam. 

Ich habe diese stelle schon in dieser Zeitschrift 1 1,282 als ein 
zeugnis dafür angeführt dafs die aus dem Beovulf , »lern travellers 
song und dem fragment vom Überfall auf Finnshurg bekannte 
Nordseeheldensagn von Finn und Hnäf dem Hocing im achten 
jahrh. auch in Süddeutschland verbreitet war. Nebi, der söhn des 
Huoching, in trad. Sangall. p. 3t nr. XXXII (Ncugarts cod. dipl. 
alam. nr. 53) a. 773 richtiger Hnabi genannt, kommt um 720 in 
der vita s. Galli des Walahfrid Strabus 2, 11 (Pertz mon. SS. 2,23) 
und 724 bei Hermann von Reichenau (ebend. 7,95) als herzog von 
Alemannien vor, vgl. Stalin wirtemb. gesch. 1, 180. 181. den na- 
men, der sich auch in der schwachen form Hneli unter den ahn. 
der seckönige (Snorr. 209«) findet , erklärt das gleichfalls schwach- 
formige ahn. appellativ hnefi (dän. na:ve schwed. mefve) faust und 
'regulus ludi latruneularii, qui inde hneftafl, hnefatafl dicitur', z. b. 
Fridpiofs sag. c. 3; vgl. dän. nrevekarl ein kleiner kerl. hr. Förste- 
mann (altd. namenb. 1, 698) stellt Hnabi unglaublicher weise mit 
knabe, knappe zusammen, auch die belege sind möglichst schlecht 
geordnet und nicht einmal vollständig angegeben, worauf es doch 
bei einem so seltnen namen ankam, man findet ihn so viel ich sehe 
noch zweimal bei den Alemannen, in den trad. Sang. p. 230 a. 846 
Nebe und im sog. necrol. Aug. bei Mone heldens. s. 11 ebenso; 
hier auch einen Baiern Nebi aus Chiemsee und einen Sachsen Neue 
aus Corvei; dann bei den Franken Neui im Speiergau cod. Lauresh. 
nr. 2102 a. 774, Nebi in Fulda Kronke cod. dipl. Fuld. nr. 10S a. 
795, nr. 432 a. 821. nr. 4. r >S a. 825, nr. 107 a. S37, nr. 543 a. 



286 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

842, nr. 573 a. 858 (Nebes), nr. 608 a necrol. Fuld. a. 870; 

am Niederrhein Nevi bei Lacomblet nr. 102 a. 948. das schwach- 
formige Nebo (cod. Lauresb. nr. 1S27 a. 782 im Wormsgau) ist 
wohl, wie Neuo necrol. Fuld. a. 828, Meichelb. I, 54 a. 755, nr. 
39 a. 773, Nevo nr. 457 a. 824, Nebo nr. 466 a. 824, das appella- 
tivum nevo, woraus auch N'efauuin (im Grapfeld) bei Dronke cod. 
dipl. Fuld. nr. 88 c. 790 zu erklären ist. 

Eine ganz ähnliche Verbreitung hat der andre näme: in pago 
Alemannorum (der Bara) in Mundellingen flocingus cod. Lauresh. 
nr. 3277 a. 773, Huochinc nr. 3622 a. 783, Hochinc Huoging? 
Huachinc necrol. Aug. Mone anz. 5, 259. 260; in der nähe von 
Fulda Huohing Dronke nr. 107 a. 793, Huoching nr. 302 a. 814, 
Huaching nr. 303. 304 a. 814, Hohing nr. 306 a. 815, Huoching 
nr. 316 a. 815, nr. 319 a. 816, nr. 576 a. 859, Huohhing nr. 587 
a. 864, Hubinc in der Neckargegend trad. Fuld. 4, 61, Huohhing 
necr. a. S39, Huohing a. S61. das einfache, dem ags. Höce (gen. 
Höces) entsprechende Huohlii scheint im cod. Lauresh. nr. 3795 
a. S25 vorzukommen: Sigef'ril et conjux Edelinl et iilius Huohi in 
pago O&ninge (in den Ardennen). das ahd. huoh (gen. huohes, vgl. 
huohön huon bei Notker) kann man nicht zur erklärung gebrau- 
chen, weil hier auch das zweite h ein gotisches, vorhochdeutsches 
ist, trotz ags. höcer (zeitschr. 11,415); nur das ganz vereinzelt da- 
stehende Huohmunt bei Dronke nr. 100 a. 791 (manc.) mag man 
damit zusammenbringen, mit Huohhi, Huohhing bat auch nichts 
der seltne name Huoggi zu schallen : Huoggi presbyter et monachus 
scripsit Dronke nr. 61 1 a. 874, Huogi nr. 630 a. 889, Huoggi ab- 
bas Fuldens. nr. 642 a. 891, nr. 644 a. 895, nr. 648. 649 a. 901, 

nr. 651 a. 906 (Huoggeri), nr. 663 a necr. (a. 911) a. 915, 

Huoggi (raanc.) Dronke nr. 702 c. 940; in den königlichen Urkun- 
den nr. 643. 645—47. 650. 652 — 659 a. 892—914? wird der 
name des abts auch strenger hochdeutsch Huoki, daneben Huggi 
Hüggi Ilücgi geschrieben, das feniininum dazu könnte Huoca sein 
bei Dronke nr. 67 a. 779?, wofür freilich nr. 2S7 a. 813 Huocba 
(gen. Huochün) geschrieben wird. Huoggi und Huogo, wo es 
sicher ist, wie in den trad. Emmcram. bei Pez thesaur. 1, 3 p.233* 

* in den trad. Sangall., wo man oft Hisanhard, Hecfcibard, Huodalger 
n. 3. w. geschrieben findet, bat p. 127 a. S27 Huogo keine gewähr, hr. Fiirste- 
raann 1, 750. "51 wirft Uogo (Ogo) Huogo Hugo und das femininum Hnnchä 
durch einander! 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. IX. 287 

weisen auf ein adjectiv das «lern ags. hög, alln. hcegr commodus 
dexter placidus iucundus -entsprach, dem ahd. Huohhing ags. Hö- 
cing entspricht genau altn. Hcekingr, das wie Hnefi als seekönigs- 
und auch als schwertname vorkommt (Egilssons lex. 1. 318) und 
von Biörn Haldorsen 1, 418 ensis qui extremitates corporum am- 
putat erklärt wird. 

2. Mit dem zehnten jahrh. sind die namen Nebi und Huohhing 
verschollen, die lieder oder sagen von ihnen hatten vielleicht schon 
früher dasselbe Schicksal, wenigstens im innern Deutschland, bei 
den Friesen, bei denen der blinde sänger Bernlef, dann die spräche 
der rechtsdenkmäler auf eine reiche und kräftige ausbildung der 
epischen dichtung scbliefsen läfst, mögen sie länger fortgedauert 
haben, aber das stück 'de Getarum rege Huiglauco mirae magnitu- 
dinis ... qui imperavit Getis et a -Francis occisus est', das Haupt in 
dieser Zeitschrift 5, 10 nach Berger de Xivrey Traditions teratolo- 
giques aus dem anbang zu Pithous im zehnten jahrh. geschriebener 
lis. der fabeln des Phädrus miltheilte, kann nicht für die fortdauer 
der sagen aus dem kreise des Beovulf bei Franken und Friesen zeu- 
gen, es findet sich auch in der Weifsenburger, jetzt Wolfenbüttler 
hs. des Phädrus die dem Pithocanus gleichzeitig mit ihm aus der- 
selben altern quelle stammt, es lautet hier nach Ludowici Tros- 
sii ad Julium Fleutelot epistola (Hammone 1S44) p. 35 f.: 

DE HUNCGLACO MAGNO. 

(II.) Et fiunl monstra mirae magnitudinis ut rex buncglacus 
quae enim imperavit gentes et a francis occisus est. quem equus a 
duodeeimo aetatis anno portare non potuit. cujus ossa in reni flu- 
minis insula ubi in oceauo prorumpit reseruata sunt, et de Ion- 
ginco venientibus pro miraculo oslenduntur. 

Wo und wann die erste aufzeichnung geschah, weifs ich nicht 
zu bestimmen, wahrscheinlich jedoch in Frankreich, aber eine lo- 
calsage, die sich vielleicht an einige wallfischknochen knüpfte, liegt 
zu gründe, auch von Stuotfuhs hörte der verfafser des Biterolf 
(heldens. s. 136) sagen, 'daz in niht mohte getragen dehein ros 
einer mile breit', von den fränkischen Chronisten, die Dänen statt 
der Geten (Geätas) nennen, ist die Überlieferung unabhängig, aber 
auch gewis von der ags. sage, der name des helden lautete in der 
ersten aufzeichnung wohl Hug- Hucglaicus, woraus sowohl Huncg- 
lacus als Huiglaucus werden konnte, dafs man sich des königs im 



288 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

neunten oder achten jähr», oder wann die sage aufgezeichnet wurde 
noch erinnerte als eines rex Getarum, erkläre ich mir durch die an- 
nähme dafs von seinem fall und dem sieg des Theodebert oder 
Theoderich Franken und Friesen im sechsten jahrh. ebensowohl 
gesungen hatten als die Angeln und Sachsen , vgl. zeitschr. 6, 4$7. 
438. vielleicht ist auch noch eine spur von ihm übrig in Huge- 
bolt, den Herbort erschlug nach Ecken]. 83. wenigstens ist dies 
der einzige mit Uug- componierte name der im mbd. epos aufser 
Hugdietrich vorkommt, und Hugebolt kann für Hugeleich eingetre- 
ten sein da die composita auf -leich veralteten und -bolt nur eine 
begriflssteigerung ausdrückte. Herbort aber ist ein held der dem 
kreis der nordwestlichen sagen angehörte. 



1. Den namen Welisunc findet man nicht nur bei Mcichelbeck 
nr. 240 c. 800 in der gegend von Freising (Mone heldens. s. 20, 
Grimm in dieser zeitschr. 1,3, Förstemann 1,1276), sondern auch 
noch reichlich hundert jähr später für ein und dieselbe person im 
Salzburgischen unter Urkunden aus der zeit des erzbischofs Odal- 
hert von 923 — 934 mindestens fünfzehnmal: Welsincb Juvav. p. 
127 a. 927, Welisinch p. 123 a. 925. 131 a. 928. 134. 135. 144. 
146. ir>3. 158. 163. 166 a. 930. 175, Welisink p.130 a.925, We- 
lisunch p. 140, Welisinc p. 165 a. 931; aufserdem im mittlem 
oder nördlichem Deutschland bei Dronke trad. Fuld. c.6, 164 Wel- 
sinc in Talaheim, necrol. Fuld. a. 851 Welisung; endlich in England 
ein geschlecht Välsingas, wonach das jetzige Walsingham in Norfolk 
ehemals Välsingahäm hiefs, Kemble cod. dipl. nr. 759. 782. 1339. 
nach Grimms unzweifelhaft richtiger deutung a. a. o. zeigt der 
name innerhalb des mythus den auserwählten, echten göttersohn 
an. es liefse sich auch ohne den mythischen hintergrund seine 
weitere anwendung sehr wohl denken, da W'clisunc an sich nur den 
auserwählten, echten abkömmling bedeutet, gleichwohl spricht sein 
seltnes vorkommen und der mangel aller composita mit dem ihm 
zu gründe liegenden adjeetiv got. valis fjyanr^iivog yvrjaiog, gava- 
lis iyJ.ey.zog für die annähme, dafs er dem mythus und der sage 
eigentlich angehörte und daher, wie andre, nur zuweilen entlehnt 
ward, die versuchte zurückführung von Belisarius auf got. Valis- 
harjis ist nicht zu billigen, es müsten denn schon die Goten den 
umlaiit des a in e. gekannt haben. Belisarius Bilesarius Bilisarius 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. X. 289 

entspricht vielmehr einem ahd. Biliheri, das aus dem schwäbischen 
ortsnamen Pileheringa, Pilaringa, j. Bierlingen in Wirtemberg, 
wohl gefolgert werden darf, wie got. Sigismeres dem ahd. Sigimär, 
Sigemär; das einfache Bilis ündH sich noch in Wigands trad. Cor- 
bei. § 238. 283. 426. 430. 

2. Noch viel weniger ist es zweifelhaft dafs dername Nibulune 
ursprünglich nur der sage oder dem mythus angehörte, weil es 
keinem vater je einfallen konnte seinen söhn einen nebelsohn zu 
nennen oder als einen ahkömmling finstrer, höllischer mächte zu 
bezeichnen, nur nachdem die dichtung den namen veredelt und er 
durch sie seine schlimme bedeufung verloren hatte, konnte daraus 
ein gebräuchlicher personennamen werden, es ist daher sein erstes 
urkundliches auftreten und seine frühste Verbreitung für die ge- 
schiente der sage und dichtung von bedeutung. das von Leichtlen 
und Mone gesammelte material aber bedarf einer revision und be- 
fsern Zusammenstellung, zuvor ist nur noch die falsche annähme 
Mones (heldens. s. 7), die hr. Förstemann 1, 955 wiederholte, zu 
beseitigen dafs bei den Franken , den ältesten und häufigsten trä- 
gem des namen in seiner patronymischen form, auch noch der ein- 
fache stamm desselben als name in gebrauch war. Nivalus kommt 
nur in polyptych. Irmin. s. 102, dann im j. 882 Nivolus bei einer 
translation der gebeine des heiligen Remigius in Flodoard hist. ec- 
cles. Rem. 1, 21 (act. ss. Bull. oct. 1, 175) vor. da wir zu dersel- 
ben zeit in Frankreich Fredelus für Fredein geschrieben finden (s. 
unten und ähnliches wird sich öfter nachweisen lafsen), so könnte 
Nivolus Nivalus dasselbe sein mit Nivelo Nevelo Nevolonus Nevelu- 
nus. dies aber sind wie sich urkundlich ergibt nur entstellungen 
und romanisierungen der patronymischen form, altfranz. Nevelon. 
stellen Mone und Förstemann ahd. Niwilo bei Meichelb. nr. 604 a. 
837 damit zusammen , so liefern sie nur einen beleg mehr für ihre 
missachtung oder Unkenntnis der deutschen lautlehre. Nivalus Ni- 
volus braucht aber gar nicht ein deutscher name zu sein (vgl. Zeufs 
gramm. celt. 1, 6S), und es ist davon abzusehen nach der regel, 
nur aus westfränkischen oder romanischen quellen belegbare na- 
men und namenformen niemals unbedingt und ohne weiteres als 
deutsch ihrem Ursprung oder ihrer bildung nach hinzunehmen. — 
die belege aus dem achten und neunten jahrh. für den namen Ni- 
belung sind nun folgende. 

Z. F. D. A. XII. 19 



290 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

c 760- 'inluster vir Childebrandus comes, avunculus regis 
Pippini', also ein bruder Karl Martells hatte die Fredegarische Chro- 
nik bis zur thronbesteiguog seines neffen im j. 751 fortführen la- 
fsen, sein söhn Nibelung 'inluster vir itemque comes' sorgte für die 
fortsetzung bis zum j. 768, du Chesne SS. I, 773, Bouquet ü. — 
derselbe 'Nivelongus comes in Augustiduno civitate' führte im j. 
755 'in mense aprili in anno quarto regnante domino nostro Pipino 
rege' durch seinen advocatus Fulchardus 'ante illustrem virum 
Theoderico comiti et reliquis quam pluris personis' einen process ge- 
gen einen gewissen Amelius , 'quod ilias res quae sunt in pago Au- 
gustidunense, in villa Balgiaco, quem Karolus (d. i. Karl Harteil) 
Hildebranno beneficiauerat de villa Patriciaco, ipsius Amelius possc 
ordinate (1. post se inordinate) retinebat ipsas res', Perard recueil 
de plusieurs pieces seryant ä l'histoire de Bourgogne (Paris 1664) 
p. 33. 34. ^Nibelungs söhn hiefs wiederum Hildebrand: Childe- 
debramnus comes verschenkt im j. 817 an das kloster s. Petri de 
Ysodro (d'Iseure) 'quiequid in ipsa vicaria Ysodro in fiessum habere 
et de genitore meo Dibilungo (1. Nibilongo) comite quondam a le- 
gitima hereditate pervenit ad me', Gallia Christian. IV instrum. p.46 
nr. VII. Hildebrand ist noch im october des j. 820 im besitz von 
Patriciacum bei Autun, Perard p. 34. 35. bald darauf im j. 821 
steht sein söhn Fredelo oder Fredelus an seiner stelle, ebend.p.35, 
vgl. p. 36. zwei andre söhne waren Eccard und Theoderich, das. 
p. 22. 25. der comes Eccardus erhält im j. 839 und zu anfang des 
j. 840 Patriciacum als eigenthum von Pippin II und kaiser Ludwig 
dem frommen geschenkt, das. p. 24. 25. später, etwa um 870, 
nimmt der bischof Vulfaldus von Bourges (c. a. 866 — 876, Gall. 
Christian. II p.29f.) das gut für seine kirche in ansprach auf grund 
von Urkunden 'de temporibus Hildeberti et Chilperici regum et una 
de temporibus domni Pipini regis sive de riominato Nivelongo . . . 
ut . . . in precaria iam dictus Nivelongus (illud) habuisset', Perard 
p. 33. Eccard aber gewinnt den process gegen ihn , in einem ge- 
richt das der bischof Leudo von Autun (c. 866 — 874, Gall. Christ, 
rv p. 366) und der comes Adelardus als missi dominici abhalten, 
und er vermacht darnach im j. 876 * den ort und andre guter dem 

* 'data in mense Januario, anno primo tmperü domini Karoli junioris'. 
Perard p. 23 setzte die Urkunde ins j. S4Ü, und ihm folgte Roth (beneficial- 
wesen p. 422f.)i aber Mabillon (act. ss. Bened. saec. IV pars II p. 349) gibt 
die richtigere bestimmun g, da Kar! der kahle erst am 25 dec.875 kaiser wurde. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. X. 291 

klostcr Floriacum, Perard p. 22. 23. 25. 27; vgl. Airaoin mirac. s. 
Benedict, bei Mabillon a. a. o. und Bouquet IX, 142. die ausfäh- 
rung seines testaments übertrug er aufser andern einem NitteUmgo 
atque Theoderico germano suo p. 25, Niuelonem quoque atque 
Theodericum fratrem suum p. 27; auch ihre söhne wurden darin 
bedacht: Theoderico et Richardo fiiio eius p. 25; Theoderico aut 
Richardo filio raeo (1. suo) . . . Terico filio Niuelunga p. 26. wir 
treffen hier p. 27 auf den urkundlichen beleg für die ursprüngliche 
identität von Nivclong, Nivelung und roman. Nivelo (Nivelon). die- 
ser jüngere Nibelung ist ohne zweifei der comes Nibelung der unter 
Karl dem kahlen von 843 — 864 nachweisbar ist (s. unten) und der 
aller Wahrscheinlichkeit nach zu derselben familie gehörte, ihre 
Verzweigung ist nicht mit Sicherheit festzustellen, doch wiederholen 
sich dieselben namen in diesem kreise mehrmals, neben Hilde- 
brand, dem vater Eccards, erscheint ein comes Theodericus, Pe- 
rard p. 34. 35. 36. nach Eccards tode erheben söhne eines comes 
Theodericus, vielleicht Eccards brudersöhne, die wie der in seinem 
testament neben Nivelung erwähnte vater und söhn Theodericus und 
Richardus heifsen, anspruch auf Patriciacum und die damit dem 
kloster vermachten guter 'iussu Theoderici comitis, quasi heredita- 
rias' und befehden 883 das kloster, leisten aber im j. 885 abbitte 
und Schadenersatz: die vornehmsten zeugen dabei sind ein 'Hilde- 
brandus et Ermenoldus, ipsorum propinqui', Perard p. 32. 33*. 
ein Heribrand kommt unter den testamentsvollstreckern des Eccard 
p. 25. 27 vor. Eccard nennt p. 28. 29 einen neuen Goiniterius. 
ein anderer Guiniterius oder Winitarius, wie es scheint, wird p. 25. 
27 unter den testamentsexecutoren und denen die beneficien von 
Eccard haben genannt; er übergibt später 'quiequid gloriosissimus 
senior meus Heccardus comes mi dedit' dem kloster: seine söhne 
heifsen wieder Wineterius und Theodericus, p. 36. 38. 40. Eccard 
selbst bedenkt in dem testament p. 26 einen Heccardo, filio Hec- 
cardi. es fällt doch auf hier so viele in der heldensage hervorra- 
gende namen beisammen zu finden, nicht blofs Nibelung, Hilde- 
brand und Theoderich , bei dem man durch Hildebrand und Wini- 
tharius (s. oben nr. I) mehr an den gotischen als an den fränki- 

* das j. SS5 wird im eingang der Urkunde ausdrücklich angegeben nnd 
am schlafs als annus defunetionis domini Karlnmanoi regis bezeichnet, womit 
nnr der Karlmann des Ludwigsliedes, der söhn Ludwigs des Stammlers ge- 
meint sein kann. Pt'-rards ansalz: annee S36 beruht auf einem irrthum. 

19' 



292 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

sehen Dietrich erinnert wird , sondern auch Eccard (ahd. Eckihart) 
und Fredelo, was freilich streng genommen ahd. Fridilo ist und 
nicht Fritilo , wie der Harlung hiefs , der Zögling des treuen Ecki- 
hart; aber von dieser strenge ist hier wohl abzusehen, dal"» das 
geschlecht in Autun keineswegs im neunten jahrh. schon seinem 
deutschen Ursprung entfremdet war, dafür liefert Eccards testament 
einen merkwürdigen beweis: er verschenkt p. 26 an die äbtissin 
Bertrada von Afra (nach Mabillon act. ss. Bened. saec. IV, II p.349 
das kloster der heiligen Fara 'in tractu Briegio') ein 'evangelio 
Theudisco', wahrscheinlich einen Otfried, was der zeit nach sehr 
gut möglich ist, während für einen Tatian der einfache titel 'evan- 
gelio Theudisco' weniger passend ist. überhaupt aber verdiente 
das auch sonst in litterarischer, archäologischer, eulturhistorischer 
und sprachlicher hinsieht sehr merkwürdige document einen aus- 
führlichen commentar. 

774. homo quidam nomine Nibelungns vendidit quinque jur- 
nales in pago Wormatiensi in Brittcnheimer marca. anno VI Ka- 
roli regis. cod. Lauresh. nr. 1 822. 

c. 802 lebte in der nähe von Freising, im Huosigau, ein Ni- 
pulunc: eine vergabung in loco Usinhusun ( Eisenhofen im landger. 
Dachau) bezeugen Kaganhart Nipulunc Cundheri u. s. w. bei Mei- 
chelbeck nr. 119 a. S02; ebenso eine 'in Forabheida' Reginhart 
Nipulunc Kaganhart Oadalker Hitto, das. nr. 126 vor 810; da ein 
streit um die kirche zu Awigozes husir auf einem concilium der 
Hosi unerledigt bleibt, so raten Odalker Reginhart vel Nibilunc dem 
presbyter Eio sich an den bischof Atto zu wenden; der verweist 
ihn an die missi dominici nach Lorch an der Ens , wo die sacbe 
entschieden wird 'et haec testes sunt . . . : Oadalker Reginhart Ni- 
bilunc, das. nr. 129 vor 810. — um 800 ist nach Karajan im ver- 
brüderungsbuch von s. Peter 94, 9 ein Nipulunc eingetragen. 

805. Nevelongus nobilis Hasbanius domno . . . abbati Far- 
dulfo vel omni congregationi basilicae domni Dionysii ... res quas- 
dem proprietatis suae in pago Hasbanio sitas, in loco qui vocatur 
Hasca super fluvium Lachara largitur. Mabillon annal. Bened. 
II p. 374. 

815. Randolf vermacht guter im Wormsgau in villa Dien- 
heim: tertia vinea habet totum in cireuitu s. Bonifacius et Nebn- 
lunc et Walah et Baturit. Wenck hess. landesg. urkund. II 
nr. 1 5 p. 2 1 . 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. X. 293 

c. 815. das polyptychon Irminon. p. 104 aus dem ersten vier- 
tel des neunten jahrh. führt in Ledi villa, j. Laideville im dep. Eure 
et Loire, einen Nivelongus als zinspflichtigen der abtei von s. Ger- 
main auf. — in dem necrol. Aug. oder vielmehr dem verbrüder- 
ungsbuch von Reichenau aus dem neunten jahrh. fand Mone hel- 
dens. s. 7 — 11 folgende: Nevelonge zu s. Germain, Nibilung zu s. 
Maximin bei Trier, Nevelingus ohne ort aber ohne zweifei ein 
Franke, Nebulunc zweimal zu Lorsch, Nebelongus zu Surburg bei 
Hagenau, Nivelung in Altaich, Nebul? ohne ort. 

843 — 864. — a. 843 Carolus calvus concedit Nivelongo 
fideli suo in pago Otissoderinse seu Wastinense curtem Hermoldi 
super fluvium Betus cet., Perard p. 143, Bouquet VIII, 435. — a. 
853. Missi autem — fuerunt tunc ordinati : . . . Hugo, Gozso Nivi- 
luntjus missi in Niverniso (Nfvemois), Akiodriso (pagus Alcedoren- 
sis bei Auxerre) et. Avaliso (pagus Avalisus, j. l'Avallonois, gleich- 
falls zwischen Auxerre und Autun). capitular. Caroli calvi a. 853 bei 
Bouquet VII, 617, Miraei opp. 1, 340, Pcrtz mon. 1U, 426. — a. 
864. Carolus rex concedit quaedam predia in pago Vulcassino (Ve- 
locassino zwischen Paris und Rouen) ecclesiae s. Dionysii con- 
sentiente Nivelongo comite. Bouquet VIII, 589. — dafs dieser Ni- 
velung mit dem im testament des grafen Eccard von Autun im j. 
876 erwähnten identisch und wahrscheinlich durch den altern Ni- 
belung von c. 760 mit dem karlingischen hause verwandt war, ward 
oben gezeigt. 

887 . . . praesentibus etiam bonae devotionis abbatibus, Ne- 
volongo Indensis monasterii abbate, . . . concil. Colon, a. 887 bei 
Schannat concil. German. U, 366. 

Im lauf des zehnten und elften jahrb. kommt der name in 
Deutschland wie es scheint nur einmal vor. 

993. Ego Sigifridus comes cum conjuge mea Hadeuuihc... 
tradimus deo sanctoque Maximino. . . in valle Alsunciensi, in villa 
Maries, in comitatu Ardenensi . . . unum videlicet mansum Nevelungi 
et eius coniugis Rozele . . . ita duntaxat utidem Nevelungus vel eius 
successores omni anno quinque solidos . . . persolvant. nach dem 
original bei Beyer mitteirhein. urkundenb. I. nr. 268, vgl. Miraei 
opp. I, 147, Hontheim bist, treyer. 1, 333 nr. 209. 

Häutiger sind , zumal vom elften und zwölften jahrh. an in 
Frankreich die Nevelones, Nivelones, die Mone heldens. s. 7. 10, anz. 
4, 411. 412 zu sammeln angefangen hat und deren zahl sich leicht 



294 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

vermehren liefse. ein Nivellunus de Am kommt vor bei Bouquet 
XIX. 261 a. 1217, ein Nivolumis baillivus, Cameracensis civis ebend. 
p. 483. die Nibelonge sind hier weit seltner. Mone anz. 4, 412 
führt nur aus einem handschriftlichen Verzeichnis der mönche von 
s. Bertin vom X — XI jahrh. einen Nibelongns, aus einem Rheimser 
necrol. des XI jahrh. einen Nevelongus an. eine ganze familie von 
Nibelungen aber läfst sich von 1016 — 1079 aus dem chartulaire 
de s. Victor de Marseille (Documents inedits) in der grafschaft Aix 
nachweisen: nr. 335 a. 1016 ego Nevolongm et uxor mea Theu- 
cenia una cum filiis nostris Rainaldo, Wilelmn, Leufredo; nr. 
359 a. 1017 ego Wilelmus Nevolongns et uxor mea et filiis 
meis Rainaldus et Josfredus; nr. 713 a. 1030 Nevolongns firmavit; 
nr. 378 a. 1033 Rainaldus et filii mei Poncius et Nevolongns et uxor 
Odila; nr. 282 a. 1034 mulier Nevolongi; nr. 659 a. 1044 (Vais- 
sete hist. de Languedoc II, 210 nr. 1S9) Nevolongns firmavit; nr. 
427 c. 1055 Bermundus Nevolongns firmavit: nr. 404 nach 1060 
vinea Nevolongi; nr. 663 a. 1065 — 79 Villelmus et Nevolongns et 
frater eius Bonus pars. 

In Deutschland beginnen die belege für den namen wieder mit 
dem zwölften jahrh. und zwar zuerst uml 106 mit einem Neuelunclius 
in Worms als zeugen unter einer Urkunde herzogs Friedrich von 
Schwaben imWirtemb. urkundenb. 1. 412. Mones frühster beleg 
(anz. 6, 171) für die Wormser Nibelunge ist vom j. 1129: Nibelun- 
gus ministerialis regni in Böhmers cod. dipl. Francof. 1, 14. der 
custos Nibelung und spätere probst zu s. Paul in Worms von 1 1 27 
(Mone anz. 7, 447, Wirtemb. urkundenb. 1, 374) bis 1160 (cod. 
Lauresh. nr. 163) nachweisbar, wird auch noch "in den Wormser 
annalen erwähnt in Pertz mon. SS. XVII, 37: in antiquissimis tape- 
tis ecclesie maioris Wormatiensis datis quondam a Nibolungo dicte 
ecclesie custode et s. Pauli preposito hec carmina leguntur. neben 
dem Nibelungus vicedominus et thesaurarius (in der Unterschrift 
custos) steht ein ministerialis Wormatiensis ecclesiae Nibelungus 
unter einer Urkunde von 115S, Beyer mittelrh. urkundenb. nr. 605. 
606. — auch der jüngere major prepositus Nibelungus in Worms 
kommt bei Pertz a. a. o. p. 42 unter einer Urkunde von 1233 vor. 
sonst kann ich zu den von Leichtlen (forschungen I, 1, 39 f.), von 
Mone (quellen und forschungen I, 1, 25 ff. heklens. s. 8 ff. anz. 5, 
141 f. 261. 417. 6, 171. 36S. 7, 1SS. 430. 8, 19S) und andern 
(Grimm über eine Urkunde des XII jli. s. 21, Reufs im archiv des 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. X. XI. 295 

histor. Vereins von Unterfranken und Aschaflenburg 1841. 7, 220 
und in von der Hagens Germania 7, 116) gesammelten belegen noch 
hinzufügen: Nebelung de Moschelo (Obermoschel südwestlich von 
Kreuznach) zeuge unter einer Urkunde vom j. 1112, Beyers mittelrh. 
urkundenb. nr. 424, Nivelungus zeuge unter einer Urkunde bischof 
Gerhards von Würzburg vom j. 1 157, Wirtemb. urkundenb. II p. 115; 
Nibelong, derselbe unter einer Urkunde biscbofs Heinrich von Würz- 
burg 'in domo episcopali,' a. a. o. p. 145; der form des namen 
nach ist dieser Nivelong ein Franke vom Rhein oder auch ein Sachse; 
dominus Nibelungus miles unter einer Urkunde Ruodolfi comitis de 
Tierstein vom j. 1261 in Mohrs regesten der archive der schweizer, 
eidgenofsensch. II (regesten des frauenklosters Frauenbrunnen im 
canton Bern) p. 2 nr. 6. — ein interessantes zeugnis über elsäfsi- 
sche Nibelunge werde ich unten nr. XXIX beibringen, ich verdanke 
die meisten dieser nachweisungen der gute des hrn. dr. Jaffe. die 
die revision und Ordnung derMonischen Sammlungen für die spätem 
jahrb. mul's ichandern überlafsen. die rasche und starke Verbreitung, 
die der namc mit dem zwölften jahrh. gewinnt, hängt gewis mit 
einem aufschwung und wiedererwachen der poesie und sage zusam- 
men , und es ist nicht ohne bedeutung dafs jene wie ehemals im 
im achten jahrb. wieder von den Franken am Rhein ausgeht, für die 
fortdauer der sage und dichtung können nie solche häufen von Ni- 
belungen zeugen, wie Mone sie z. b. in Neustadt an der Hardt (quel- 
len und forsch. I, 1, 26. 27) im vierzehnten jahrh. fand, ebensowe- 
nig als die französischen Nivelons ein fortleben der sage in Frank- 
reich beweisen, sondern nur ihre frühe geltung und Verbreitung 
bei den Franken. 

3. Den namen Schübwic, den die Nib. 88, 2. 664, 3 mit Ni- 
belunc verbinden, findet man zweimal in den s. Emmeramer Urkun- 
den, nicht nur bei Ried nr. 68 a. 888 oder Pez thes. anecd. 1, 3 
p. 269 Schüpunc, sondern auch ebenso bei Pez p. 266 ; später in 
Steiermark Stlbung de Varin, Fröhlich diplom. 1, 168 a. 1182; 
Schübling de Haylesperg, das. 1, 19 a. 1187 (Mone anz. 5, 263). 

XI. 

Altn. Högni, da der umlaut ö nur durch ein folgendes u be- 
wirkt wird, setzt die form Haguna voraus und dieser entspricht 
genau ags. Haguna (abbas) Kemble cod. dipl. nr. -995 a. 692, Ha- 
gona (ders.) nr. 14. 35. 38. 40. 50 a. 692—704 vgl. Hagana Ha- 



296 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

ganus nr. 43. 16 a. 679, Hagena nr. 997 a. 701, Vids. v. 21 , Val- 
dere2, 14 (VII); ebenso ahd. Hacuno bei Meichelb. nr. 55 a. 777. 
Haguno nr. 53 a. 780, nr. 125 a. S07, nr. 265 c StO, nr. 465 a. 
824, dreimal im verbrüderungsbuch von s. Peter 21, 11 c. 780, 
24, 5 c. 860, 91, 43 c. 804, in Dronkes cod. dipl. Fuld. nr. 33 a. 
771, nr. 71 a. 781, nr. 99 a. 791, nr. 156 a. 800 und so noch 
22 mal bis nr. 584 a. 863. bei Beyer mittelrhein. urkundenb. findet 
man einmal nr. 53 a. 821 Haguno, aufserdem nr. 62 a. 835 Agano, 
nr. 159 a. 916 Hagano, bei Dronke Hagano zuerst nr. 515 a. 838, 
dann nr. 546 a. 842 dreimal, nr. 56S a. 856?, nr. 6S6 a. 944. nr. 
720 a. 979, necrol. Fuld. a. 795. S75. 591. 901, bei Meichelbeckund 
im verbrüderungsbuch gar nicht, in den Regenshurger Urkunden Ha- 
gano bei Ried nr. 72 a. 890, nr. SS (Pez p. 48) a. 901, Haguno 
bei Pez p. 250, Hagano p. 255. 123. 127. 132: in den ersten zwan- 
zig bänden der mon. Boic, wenn ich nichts übersehen habe, vor 
1100 nur MB. tegerns. VI, 21 a. 1029 Hagano; in der Juvavia und 
den Pafsauer Urkunden trifft man den namen überhaupt nicht; aucli 
nicht in den Corveier traditionen und bei Lacomblet. in den San- 
galler traditionen aber steht Hagano durch: p. 34 a. 771 Hagano 
neben Hagono, p. 92 a. 779; von p. 244. 245 a. 854. 855 — p. 
427 a. 910 elf oder zwölfmal. der cod. Lauresh., zu ende des zwölf- 
ten jahrh. zusammengetragen, kommt wenig in betracht, wenn es 
sich um feststellung alter formen handelt; auch er hat Hagano nr. 
244 a. 7S9, Hageno nr. 3509 a. 773 , Hagino nr. 2400 a. 779, nr. 
2551 a. 771 u. s. w. Zeufs trad. Wizenb. nr. 129 a. 819 bietet 
gleichfalls Hagano und in dieser form auch wohl den ältesten beleg 
für den namen in Deutschland, weil nr. 187 a. 730 Cagano in den 
Weifsenburger Urkunden nicht strengahd. Kagano für Gagano, was 
ohnehin kaum vorkommt, sein kann, sondern nach der hier her- 
schenden, westfränkischen oder gallisch- romanischen Orthographie 
(vgl. zeitsch. 9, 236. 246) auf Chagano, Hagano zurückgeführt wer- 
den mufs. nie das gleich daneben stehende Cardebert auf Chardebert 
Hardberht, wie Cardolf nr. 267 auf Chardolf nr. 196, Cardoin nr. 
244 auf Chardoin nr. 202, Caroin nr. 243 auf Charoin nr.261 u.s.w. 
Hagano herscht also früh im gebiet des obern Rheins und etwa auch 
an der obern Donau, doch kann es nicht zweifelhaft sein, dafs Ha- 
guno die ältere ursprünglichere form des namen ist, die erst allmäh- 
lich durch Hagano verdrängt ward, wie Witugouuo durch Witagouuo, 
Hadumar durch Hadamar. Batuhiit durch Batahilt, Garuheri durch 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSÄGE. XI. 297 

Garaheri, Saluhho Saluman durch Salahlio Salaman. aber selbst 
wenn Hagano und Haguno gleichberechtigte formen wären, würde 
damit die alte deutung des namen durch ahd. hagan paliurus, die 
bekanntlich schon der Wahharius gibt, hinfällig, ein altes Substan- 
tiv oder auch, was mir freilich weniger wahrscheinlich ist, ein ad- 
jeetiv hagu kommt zum Vorschein in ahd. hagustalt (daneben ha- 
gastalt Graft* 4, 762) caelebs mercenarius, alts. hagustald (hagastald) 
vir minister, ags. hagosteald (hagasteald, hägsteald) caelebs tiro miles 
comes commilito, auch als name bei Meichelb. nr. 85. 95 a. 7S0 
Hagustalt, trad. Sangall. p. 7 a. 744 Hagustolt, p. IIa. 755 Agu- 
stald, p. 43 a. 774 Hacastolt, p. 99 a. 801 Hagustolt, p. 165. 173 
(2 mal) a. 826. 828 Hagastolt, p. 371 a. 887 Hakitolt, bei Dronke 
nr.93 a. 789 Hagastalt u.s.w., Hagustalt necrol. Fuld. a. 805; fer- 
ner in Hacunit trad. Sang. p. 18 a. 761 und in Hagupart s. Pet. 
verbrüd. 73, 37 c. 850, die freilich ganz vereinzelt dastehen; aber 
Ilagubart entspricht dem altn. HagbanTr — nur dafs hier der umlaut 
(Högbardr) ausbleibt und HagbanTr Hagabards voraussetzt. — und 
dem mhd. hagebart larva. von diesem hagu ist Haguno nnläugbar 
abgeleitet, eine sichere deutung aber läfst sich nicht wohl geben, 
die sippschaft des worts altn. (adj. subst.) hagr, altn. heegr ags. hög 
(oben nr. IX), altn. haga ags. hagjan alts. bihagön mhd. hage 
behagen, mhd. bac ags. häg haga altn. hagi, mhd. hegen altn. 
hegna, ahd. hagan (mhd. hagedorn ags. hägborn altn. hagborn) 
weist auf die grundbedeutung zusammenfügen oder schliefsen und 
passen, woraus sich die begrilfe geschickt, anstellig, geeignet, be- 
quem, gefällig auch sonst ergeben. Haguno (vgl. altn. hagna pro- 
desse) sagt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht viel mehr als hagu- 
stalt; dies ist der für arbeiten und gewisse leistungen taugliche, ge- 
eignete mann, insbesondre der waffenfähige, wehrhafte 'jungelinc'; 
namentlich bat auch der name diese bedeutung ; daher stammt auch 
die von 'hagestolz'. dafs Hagens vater bei Eckehard (Walthar. 629) 
Hagathie (acc.Hagathien) heifst, bestätigt diese auslegung. so lautet 
nemlich der name in den ältesten und besten hss. und daraus ist 
das 'Agacien' der jungem, das Grimm beibehielt, offenbar verderbt 
und umgekehrt 'Hagatbien' nicht aus 'Agacien' herzuleiten. Lach- 
manns combination (zu den Nib. s. 345) ist sinnreich, aber schon 
der mangel des umlauts wäre bei Eckehard auffallend, auch ist 
Grafts Acazi noch nicht wieder aufgefunden, mit dem namen Haga- 
thie steht die sage allerdings in Widerspruch , wenach Hagens vater 



298 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

feige und redselig war: multis renuebat proelia verbis, Walth. 1070; 
denn Hagathie d. i. Hagadeo (Hagadeus bei Mabillon a. 775, Förstern. 
1, 576) ist ganz gleichbedeutend mit Hagustalt, da deo knecht in 
namen den wehr- und waffenfähigen bedeutet, aber es stimmt mit 
Haguno. ist also Haguno der tüchtige, geschickte mann, so braucht 
der name nicht, wie es nach der alten erklärung aus hagan dorn- 
straueh notwendig wäre, aus dem mythus abgeleitet werden, und 
dazu passt seine grofse Verbreitung, obgleich diese an sich gar nichts 
beweist, da namen wie Irinc und Orenlil fast eben so sehr verbrei- 
tet sind, es ist nur daran zu erinnern dafs die väter der valkyrien 
Hilde und Sigrun, die gegner der jugendlichen beiden Hetel und 
Helgi mit dem bruder der Kriemhild und mörder Siegfrids und dem 
gegner Wulthers von Wasgenstein (nr. VII) denselben namen füh- 
ren und auch im mythischen character übereinstimmen, so dafs 
wahrscheinlich in diesen mythen ein und dasselbe dämonische 
wesen, das nur in heroischer gestalt Haguno hiefs, durchsteht, 
aufser den wenigen compositis von Hagu und den dem stamme 
nach verwandten namen Hagilo Hegilo und Hagino Hegino, das 
ziemlich alt und sicher zu sein scheint, nebst ihren patronymicis 
Hegiling und Hagining, das wegen des mangelnden umlauts vielleicht 
zu Haguno gehört, steht Haguno oder Hagano sehr einsam da. was 
hr. Förstemann 1, 575 ff. aufzählt, zeugt von nicht befserer kennl- 
nis und einsieht als jeder andere artikel seines buchs. dafs Hecberl 
Heggebord Hekeburc Heccard u.s.w. nicht hieher, sondern zu den 
compositis mit Egi- und Ecki- gehören, muste jeder wifsen der 
sich in Urkunden und der deutschen grammatik einiger mafsen um- 
gesehen hat. dafs alts. Hager in den trad. Corb. und Hachmunt im 
cod. Lauresh. für Hähger und Häbmunt stehen, hätte schon trad. 
Corb. § 350 verglichen mit § 351. 352 und die einfache ratio leh- 
ren sollen. Hagund bei Dronke cod. dipl. Fuld. nr. 340 ist nicht 
etwa ein frauenname wie Frahunt nr. 133 vor 797 und Fagund 
trad. Saug. p. 105 a. 804, oder gar in Hag-gund mit hm. Förste- 
mann aufzulösen - nach meiner grammatik müste dies im achten 
jahrh. wenigstens Haga-Hagugund heifsen — , sondern es ist ein 
masculinum, der name eines zeugen, also wahrscheinlich verschrie- 
ben oder verlesen für Haguno. Hagoald, nur aus Pardessus belegt, 
war mit Agoald, Agarichus, Agobard und andern der art zusammen- 
zustellen und von den compositis mit Egi-Ecki- zu trennen, dafs 
Chaino, Chaeno bei Pardessus und Mabillon im 7 jahrh. für Ghagno 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XI. XII. 299 

steht, also gleich Hagano, Haguno ist, lehrt allerdings die analogie 
von Rain - Main- Ail- in westfiänkischen Urkunden für Ragn- 
Ragin-, Magn- Magan- Magin-, Agil-, aber da aus -haid-hag- 
dis -agdis, aus -chaim in Ortsnamen -chagm wird, so ist klar dafs 
man das westfränkische ai in Cliaino u. s. w. nicht nach unserer 
ausspräche des diphthongs beurtheilen und der spätem nieder- und 
hochdeutschen contraction von ege egi und ei gleichsetzen darf, 
dafs die namentlich im cod. Lauresh. vorkommenden composita 
Heinbert, Heinhard, Heinolt, Heinrad nicht unter Hagan - , sondern 
wie Heinrich, Ueinpreht bei Ried, Heindio hei Meichelbeck, unter 
Heim- zu stellen waren, lehren schon die ortsuamen Heinbach 
für Heimbacb, Heinstat für Heimstal a. a. o. für die fränkischen 
composita Chagnericus, Chagnoaldus gibt es keine belege in Deutsch- 
land, lieber ist hier nur Haganolf, nicht durch Heginolf cod. Laur. 
nr. 1637, das hr. Förstemann anführt, sondern durch necrol. Fuld. 
n. 875=Chngnulf bei Pardessus. aber selbst wenn die westfränki- 
schen composita nicht nach blofser analogie gebildet wären, so 
würde damit immer nur die frühe Verbreitung und das ansehen des 
einfachen namen bei den Franken erwiesen: Hagan- aber würde 
durch Haganolf, Chagnoald, Chagnerich ebenso wenig zu einem 
eigentlichen compositionswort, wie Bodal durch Bodalolf, Bodalolt, 
zeitschr. 10, 162. als zweite worthälfte könnte man es finden in dem 
seltsamen, im deutschen namenbuch fehlenden namen 'llchagan', 
in den Pafsauer traditionen MB. XXVIII, 2 nr. 58 a. 817—838. 
aber dieser ist vollkommen räthselhaft. Chagan bei Meichelb. nr. 1 92 
c. 800 ist der titel des Avarenfürsten, als name gebraucht. 

XII. 

Dronke cod. dipl. Fuld. nr. Sl a. 785: Criemhilt (in der Über- 
schrift Cremhilt de Wormacinse , in der Unterschrift f Cremhilte ) 
vermacht dem heiligen Bonifaz in Fulda einen weinberg in der Main- 
zer feldmark. der dritte zeuge nach Criemhilt heifst Sigifrit; der- 
selbe hat auch mit den meisten übrigen zeugen Waltheri Waluram 
Hiltileih Hremming, dem grafen Hatto und seinem gefolge die bei- 
den an demselben tage gemachten Schenkungen nr. 79. 80 unter- 
zeichnet, von diesen kommt Waluram, der zweite zeuge vor Sigi- 
frit, mindestens funfzigmal und meist an derselben stelle bei Main- 
zer traditionen nr. 9 — 174. 180. 181 vom j. 756—802 (necrol. 
Fuld. a. S02: Wolarami vor: er war wohl der Vertreter und sach- 



300 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

walter des klostcrs oder sonst eine amtliche person, Waltheri aber 
der geborne vogt und Vormund der Criembilt, wie z. b. nr. 63. 64 
Odacker der vater der Lantsuuind nach nr. 10. 39 und der Geilrnt 
und Elisabeth aus einer zweiten ehe nach nr. 45. 53. 92, vgl. 86. 
143 ist; wahrscheinlich war er also ihr ältester bruder oder doch 
ihr nächster schwertmag, daher Sigifrit vielleicht ihr jüngerer bru- 
der oder ein naher anverwandter. 

Wichtiger als dies unsichre zcugnis ist das Verderbnis des 
namen, sowohl die Verhärtung des anlauts, als die entstellung des 
ersten stamm vocals, die völlig durchgedrungen sind, wie insbeson- 
dere noch Criemhilterot beweist in provincia Thuringorum, Dron- 
kes trad. Fuld. c. 38, 306 a. 890, vielleicht das jetzige Crimderodc 
bei Nordhausen, sonst findet man in Fuldaer Urkunden stäts nur 
Grimbert Grimberct cod. dipl. nr.3G. 38— 40 a. 771. 772, Grim- 
nium (1. -niuui) nr. 63 a. 779, Grimbolt Grimdeo Grimdeostat 
Griniesrode Grimlieresleba geschrieben und anlautendes K für G 
höchstens in einzelnen namen südlich von der Röhn, wie nr. 100 
a. 79 1 Coldlcibesheim. ebenso im cod. Lauresh. stäts Grimalt Grim- 
hari Grimbert Grimheit Grimold Grimolf Grinfrid, einmal auch nr. 
1464 a. 763 in pago Wormatiensi in Merstat Grimhild, wie bei 
Zeufs trad. Wizcnb. nr. 4 a. 743 im Elsafs, aber cod. Lauresb. nr. 
274S a. 766 Cremhilt in Gardachgowe, nr. 636 a. 787 ein man- 
cipium Crcnihild (1. Cremhild) in pago Lobodunensi, gleichfalls ein 
maneipium Criemilt zu Birgidesstat inKuningessundere bei Lacom- 
blet nr. 87 a. 927, Mone heldens. s. 67. dem entspricht nun das 
oberdeutsche Chrimhilt bei Meichelbeck nr. 144 a. 806, im sogen, 
necrol. Aug. bei Mone a. a. o.. Chriemhilt bei Neugart 1, 428 a. 881, 
Chrimehilda nobilis in Prixina Resch ann. eccles. Sabion. II, 675 a. 
996 (Mone anz.5, 143), während daneben in denselben quellen oder 
gegenden nicht nur Crimhilt. Criemhilt, sondern auch noch Grim- 
hilt (so im necrol. Aug. bei Mone, im s. Pet. verbr. 77, 31 c. 780 
Grimhilt, 1 10, 42 c. 800 .rimhilt, 40, 37 a. 830 — 70 Crimhilt, in 
trad. Emmeram. beiPez thes. aneed. 1, 3, 89 a. 975 — 1001 Grim- 
hilt. Juvav. p. 137 a. 927 Grimhiltaperg, MB. VII, 498 Grimhilti- 
perc) fortdauert; wie in den übrigen compositis mit Grim- aller- 
dings die media mit der tenuisim anlaut in allen oberdeutschen quel- 
len wechselt, wo aber nie die aspirata wie in Chrimhilt wiederkehrt, 
in der epischen poesie und sage herschte um 1 200 und später die 
form Kriem- Krim- Krimhilt allgemein, nicht blofs in Ober- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XH. 301 

deutschend wo die Verschiebung Cbriem- Chrim- Chrimhilt ein- 
trat, sondern auch im mittlem und nördlichen Deutschland, wie 
'Criemildespil' bei Saarbrücken, aus einer Urkunde von 1354 von 
Wb. Grimm heldens. s. 155 nachgewiesen, und das 'fru Kremold' 
des dänischen lieds bei Grundtvig nr. 5, das 'Krimiida' der altschwe- 
dischen Thidrekssaga (nr. XXXI) beweisen, es ist hienach nicht 
daran zu denken dafs die oberdeutschen Schreiber des neunten und 
zehnten jahrh. etwa wie in westfränkischen Urkunden , wie auch im 
Isidor chi- für gi- steht, ch für g oder aus blofser Unachtsamkeit 
und unkunde ch für das aus g verschobene k gesetzt hätten , was 
einzeln in hochdeutschen quellen vorkommt (Graft" 4, 350) und na- 
mentlich auch vom ältesten Schreiber (780 — 800) im verbrü- 
derungsbuch von s. Peter geschieht : Cheitmar42, 2, Chundhart 
49, 4, Cholduuaih 103, 17; vgl. Cheilpurc 56, 36, Chutiuuigenses 
( Gotwicenses) monachi 142, 28. es mufs vielmehr die eigentliche 
bedeutung des nainen, die gleichwohl feststeht (myth. 217 f.), früh- 
zeitig verdunkelt und einer andern aulfafsung gewichen sein, die die 
unregelmäßige Verschiebung des anlautenden consonanten zur folge 
hatte, da von den compositis mit Grim - der name der sagenbe- 
rühmten frau allein seine besondere geschiente hat, so kann man 
den grund davon nur in der epischen poesie suchen. Steigerungen 
des anlautenden consonanten zugleich mit einer Steigerung des 
wortbegrifls verbunden kommen mehrfach vor, auch in der guttu- 
ralreihe: geiz ward zu kizzi chizzi, griphan zu kripfan chriphan; 
auch mit dem adjeetiv grim setzte eine solche Verschiebung an, GrafT 
4, 323. 350. in unserm fall aber glaube ich kam noch eins hinzu, 
ich meine das von Lachmann zu Nib. 1 3, 3 erörterte Wortspiel, der 
träum der Kriemhild, der schon in der altnordischen Überlieferung 
feststeht, gehört zu den ältesten bestandtheilen der sage, das Wort- 
spiel weist auf allitterierende poesie; warum sollte es nicht in einem 
oberdeutschen liede des siebenten, achten jahrh. vorgekommen sein? 
oberdeutsche, vermutlich bajuvarische lieder müfsen die form 
Criem- oder Cremhilt bei Rhein- und Mainfranken bis nach Thü- 
ringen hin verbreitet haben und zwar nach unsern Urkunden noch 
vor der mitte des achten jahrh. die festsetzung jener form scheint 
mir wenigstens ohne eine äufsere einwirkung nicht denkbar, das 
Wortspiel aber als grund oder mitwirkende Ursache der Umbildung 
vorausgesetzt, ist es nicht nötig, um das oberdeutsche 'Chrimhilt 
statt Grimhilt zu erklären, sobald eine rückwirkung fränkischer 



302 ZEUGNISSE ÜISD EXCURSE 

poesie anzunehmen, aus Lachmanus anmerkung (vgl. mhd. wb. 1, 
573 b . 861) ergibt sich dafs man im obern Deutschland die starken 
verba grimmen und krimmen verwechselte, indem man dies nur für 
eine Steigerung von jenem ansah, während man im mittlem Deutsch- 
land nach Otfrid, Herbort, Frauenlob beide streng unterschied, wie 
ags. grimman saevire Cädm. genes. 793 (festinare Beov. 306) und 
äcrimman (erkrimmen) arripere friare. dort konnte man auch 
Grimhilt schon mit grimman im sinn von krimman verbinden, was 
hier nicht möglich war. war das Wortspiel aber in oberdeutscher 
poesie einmal aufgekommen, so führte krimmen nach strenghoch- 
deutscher Verschiebung auf Chrimhilt und im mittlem Deutschland 
auf die Befestigung der lenuis. dabei nehme ich trotz gramm. l :l , 
183 die kürze des eisten vocals in Crimhild und Cremhilt an, weil 
nur so die gleich alte form Criemhilt erklärlich ist. allerdings ent- 
steht ia ie (gr. I 3 , 109. 110) aus langem e, aber meines wifsens 
nicht aus langem i, wohl aber aus kurzem (gr. I 3 , 163) in ahd. 
Friaso, Frieso mhd. Friese, in ahd. stiagal mhd. stiege, kriec kriege 
und kurzem i entspricht e. daneben konnte sich immer Krimhilt 
erhalten: auch die composita Isengrim Hiltegrim Piligrim bewahr- 
ten ihre länge, sowie das simplex Crime, wenn auch manche andre 
Grim-, und vielleicht mit recht, aus grim gedeutet wurden. — über 
die ähnliche Verschiebung in Kudrun s. XIX, eine späte obseöne 
deutung von 'Crinhilt' unten nr. XXVI, 6. 

XIII. 

Trad. Sangall. p. 63. 64 nx. XVI a. 786: 'Heimo et filia eius 
Suanailta' übergeben an das kloster zu s. Gallen verschiedene guter 
in villa qui dicitur Mcresusir ... in villa qui dicitur Maghingas . . . 
in villa qui dicitur Haslaha et in villa Wentilinga ... in pago qui 
dicitur Prisagaudigensi .... Actum in VVitunauia . . . Sig. f Aimo 
et filia eius qui hanc cartulam fieri rogaverunt. fig. t Saraleoz test. 
fig. f Eghiart test. fig. f Iltivinus test. cett. 

Die genanten orte, jetzt Merzhausen, Mengen, Haslach, Wend- 
ungen, Witlnau liegen ganz in der nähe von Freiburg, westlich und 
südwestlich von der Stadt, in dem umkreis des Venusbergs der local- 
sage von Ufhausen (Schreiber taschenbuch für gesch.. und alter- 
tbum in Süddcutschland 1839 p. 34S f.), zwei bis drei meilen öst- 
lich von Breisach. die Urkunde versetzt uns auf einen classischen 
boden der heldensage. wäre beim Manier (Wh. Grimm heldens. s. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XIII. 303 

162, HMS. II, 241») die lesart 'in dem Rurlenlierge' sicher,— 
nach von der Hagen steht in der hs. 'in dem Lurlenherge' und Mone 
im anz. 5, 142 wies im vierzehnten jnhrh. Lurlenberg als familien- 
namen in Speier nach, — so wäre allerdings wohl mit Jac. Grimm 
(myth. 933) und Wackernagel (zeitschr. 6, 157) an den Bürglen- 
berg auf der Südseite des Blauen zu denken und 'der Ymelunge 
hört' der Amelunge d. i. Ermenrichs schätz (heldens. s. 45 f. 284), 
der dort versenkt liegt, den schätz hat Ermenrich den Härtungen 
abgenommen, heldens. s. 18S. die Harlunge aber safsen zu Brei- 
sach und das Harlungeland des Biterolf 4596 ist der Breisgau nach 
Eckehard von Aurach, heldens. s. 37. für die alte lebendigkeit der 
sage in dieser gegend zeugt noch der im fünfzehnten jahrh. hier 
vorkommende geschlechtsname Harlung, Mone heldens. s. 81 , vgl. 
XXVI, 11. nach dem treuen pflegnr und hüter der Harlunge heifst 
'der südliche hügel von Altbreisach, worauf jetzt keine häuscr mehr 
stehen' (Mone heldens. s. 80) noch jetzt 'Eckersberg', im j. 1185 
Eggehartberch in Hergotts geneal. Habsburg. II (cod. probatt. I) p. 
1 95 nr. 245. der name von Eckehards vater Hache ist auch viel- 
leicht von landschaftlich-localem Ursprung; wenigstens kann nicht 
umgekehrt nach ihm der Hachberg bei Emmendingen, der im drei- 
zehnten jahrh. einer zähringischen nebenlinie den namen lieh (Sta- 
lin wirtemb. gesch. 2, 306 f.), benannt sein, es raüste denn 'Hachen- 
berg' als fdtere form nachgewiesen werden, die localisierung des 
Harlungenmythus in Breisach ist alt und geht vielleicht noch ins 
heidenthum zurück, es ist nicht wohl denkbar dafs die spätere 
volkssage erst den treuen Eckard nach dem character, den das epos 
ihm beilegte, zum warneram eingang des Venusbergs (Wh. Grimm 
heldens. s. 289) und der hülle (heldens. s. 302), wie bei dem wilden 
heer der Holda (myth. 887, vgl. Mannhardt mythen s. 94) gemacht 
hat. vielmehr ist ein alter Zusammenhang zwischen ihm nnd der 
höchsten göttin anzunehmen, die vergleicbung eines nordischen, 
von Saxo freilich sehr entstellt überlieferten mythus lehrt aufserdem 
dafs das gold der Harlunge nichts anderes war als der schmuck der 
Fria, oder mit andern worten das Brisinga men, das wie das valky- 
riengeleit und wohl noch mehrere einzelne züge in der eddischen 
mythologie nachweislich von Frigg auf Freyja übertragen ist. man 
wird nun das Brisinga men zwar nicht mit Simrock als Breisacher 
schätz erklären dürfen, wohl aber war der name die Ursache für die 
sonst unerklärliche localisierung des mvthus auf dem mons Brisia- 



304 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

cus, und diese wird bald erfolgt sein, nachdem der mythus mit der 
Ermenrichssage schon im sechsten jahrh. verbunden und im epos 
mit historischen sagen in eine reihe getreten war. die ags. sage, die 
für jene Verbindung das älteste Zeugnis abgibt (zeitschr. 1 1 , 292), 
bewahrte noch den mythischen namen 'Brosinga mene' Beov. 
1197—1201 (2394—2403). 

Man hat in 'Brosinga mene' neulich (zeitschr. 11,90) 'den 
orientalischen namen eines glühendrot hen edelsteins' finden wollen, 
aber dabei die patronymische form , die auf deutschen Ursprung 
deutet, die genetivischc formelhafte construetion und aufserdem wie 
es scheint ganz übersehen, dafs gerade von einem halshand die 
rede ist. ich halte 'Brosinga mene' verschrieben für Breosinga 
mene; die länge des ersten vocals scheint mir in altn. Brisingr, Bri- 
singa men nicht festzustehen, Biörn Haldorsen 1, 111" bat ein neu- 
tmm bris (vgl. alid. narwa Grab" 2, 1097), brisl und brislinga men, 
die zu demselben verhum (mhd. brisen breis gebrisen) wie mh<l. 
brisein (N'eiilh. SS, 29) gehören, stünde aber auch die länge fest, 
wolür man auch Brisach anführen kann, so konnte der Angelsachse 
doch in einem solchen namen ebenso wie in Italia ags. Eotol und 
in liht übt leoht den vocal verkürzen : auch hcrevosa zweimal im 
Cädmon belegt (gr. 1 3 , 365) setzt eine Verkürzung von herevisa zu 
herevisa voraus, eine Schwierigkeit andrer art bietet an der frag- 
lichen stelle des Beovulf der ausdruck 'searonidas fealh'. dafs fil- 
han (feolan) c. acc. ineidere in, suhire bedeute oder bedeuten könne, 
hat bisher niemand bewiesen, wenn auch mancher behauptet, und 
niemand wird es meines bedünkens leicht beweisen können, auch 
was v. 1201 'geceas ecne rrrd' heifsen soll, ist nicht deutlich, v. 
1759f.heifst 'bepät sa?lre geceös, ece radas' erwähle dir das befsere, 
ewiges heil; nach Cädm. exod. 515 lehrte Moses die Israeliten 'ece 
radas'. an unserer stelle soll es bedeuten 'erstarb;' dann hätte 
Heime, nachdem er das Brosinga mene nebst den andern zum schätz 
gehörenden kostbarkeiten 'zur blinkenden bürg' hingebracht, durch 
Ermenrichs hinterlist seinen tod gefunden , eine angäbe die mit der 
spätem Überlieferung ganz und gar unvereinbar ist, die aber bei 
dem confusen und unzuverlässigen, sagenkundigen interpolator des 
gediebts nicht auffallen dürfte, es würde darnach die bürg zu der 
Heime den schätz bringt die des Ermenrich sein, man müste aber 
an eine andre denken, wenn Wh. Grimms aubafsung der stelle fhel- 
dens. s. 17) im wesentlichen richtig wäre, man könnte für 'fealh' 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XIII. 305 

leicht mit Leo (Beov. s. 44) 'fleäh' er floh lesen, dürfte man 'ecne 
raed' für gleichbedeutend mit 'longsumne raed' als langdauernden, 
unendlichen vortheil nehmen, wie man aber auch auslegt, im ersten 
falLwürde das Brosinga mene , das Heime dem Ermenrich brachte, 
ohne zweifei das gold der Harlunge sein . und im zweiten fall der 
name auch auf denselben mythus zurückweisen, da Ermenrichs 
schätz von den Härtungen herstammte, heldens. s. 118. unter allen 
umständen wäre also unsere erklärung der Realisierung des mythus 
in Breisach gesichert. 

Bei der zweiten auslegung aber würde man dann weiter auch 
zu dem schlufs gelangen dafs Heime einmal für den gemahl der 
Swanhild galt, die Ermenrich nach Jordanes c. 24 'pro mariti frau- 
dulento discessu' töten liefs. denn die fraus, über die Jordanes 
nichts näheres sagt, war ohne zweifei eine beraubung des horts des 
königs, die ihn zum widerstände gegen Hünen unfähig machte: Er- 
manaricus rex Gothorum, licet ut superius retulimus multarum 
gentium exstiterit triumphator, de Hunorum tarnen adventu dum 
cogitat, Rasomanorum gens infida, quae tunc inter alias Uli famula- 
tum exhibebat, tali eum nanciscitur occasione deeipere , Jordan, c. 
24, vgl. zeitschr. 10, 155. es bedarf aber jener erklärung nicht 
um in den personennamen unsrer Urkunde eine beziehung auf die 
Ermenrichssage zu erkennen, auch wenn man von dem zweiten zeu- 
gen Eghiart d. i. Eckihard ganz absieht, der erste zeuge Saraleoz, 
der auf Heimo und Suanahilt folgt, war gowis ihr naher verwandter, 
vielleicht ein bruder oder oheim der Suanahilt. der bruder der my- 
thischen Swanhild aber hiefs nach Jordanes Sarus d. i. got. Sarvus 
(ztschr. 3, 155), altn. Sürli das auf Sarvila- zurückgeht, alts. und 
ahd. nach der Quedlinburger chronik und Eckehard von Aurach 
Serila oder Sarilo. Saraleoz ist ein compositum wie Wolfleoz altn. 
Ülfliotr, Sindleoz, Hroadleoz, Adalleoz, Uodalleoz und andre; es 
konnte wie jedes compositum in ein deminutiv verkürzt und Sarilo 
oder Serila dafür gesagt werden, zu beachten ist dafs Saraleoz sich 
zum zweiten male nicht belegen iäfst. aber auch Sarilo, Serilo 
kommt in deutschen Urkunden nicht vor, sondern nur Sara Hilo» 
Sara hailo (1. Sarahilo) Dronke cod. dipl. Fuld. nr. 39 a. 772, nr. 
510 a. S3S, Sarahilo Juvav. p. 126 (MB. XIV, 356) a. 927, Sarhilo 
s. Pet. verbr. 57, 1 c. 780, 57, 24 c. 800, Sarhilo comes trad. Em- 
meram. bei Ried nr. 108. 112 a. 974, bei Pez p. 90. 94 a. 
975—1001, p. 123 c. 1030. Sarhili p. 128 c. 1050, Sarhilo in 

Z. F. D. A. XII. 20 



306 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

quellen und erörterungen (München 1856) ur. 61 a. 1030 — 37, 
Meichelbeck nr. 472 a. 824, nr. 1168 c. 1020, Sarhiio fllius 
Sarhilonis comitis 1 p. 220 a. 1025, MB. tegernseens. VI, 21 c. 
1029, Sarchilo MB. ranshofan III, 246 a. 1090. Sarahilo, Sar- 
hiio kann nicht von Saraho=Saracho(Saruhho) abgeleitet sein, es 
mästen sich dann auch deininutira wie Sibihhilo, Gibibhilo, Sa- 
luhhilo, Batuhbilo nachweisen lafsen. dafs hr. Förstemann 1, 11 28 
aus Sunichiiendorf auf Sunichilo zu schliefsen nicht unbedingt 
nötig hatte, lehrt gramm. 3, 681. man mufs für Sarahilo Sarhiio 
aul' ein appellativ sarah, sarh zurückgehen, damit mag man altn. 
serkr (masc.) ags. syrce (fem.) indusium lorica vergleichen, es wird 
immer nur eine nebenform zu saro, sarawi gewesen sein. 

XIV. 

Die belege für den merkwürdigen namen Sintarvizzilo bei 
Meichelbeck (zeitschr. 1, 4. 5) sind vollständig diese: Sintar, Viz- 
zilo nr. 31 S a. 821, nr. 495 a. 826, nr. 510 a. S27 novemb., 
nr. 517 a. S2S; Sintar, Wizzilo nr. 358 a. 817: Sintar- 
uihzilo nr. 440 a. S23; Sintar, Vizilo ur. 458 a. 824, nr. 

51(t a. 827 octob.; Sintar, Fizilo nr. 467 a. 824 (827), nr. 

510 a. 827 aug.; signuiu Sintar Vizzilu nr. 532 a.S28jan.; 
Sintar vizzilo nr. 532 a. 828 febr.; Sintar, Fizzilo nr. 

534 a. 828, MB. scheftlar. VIII, 379. 

Den irrthum Meicbelhecks , die beiden ballten des namen 
zu trennen und die zweite mit einem grofsen anfangsbuchstaben zu 
schreiben, berichtigte Jacob Grimm, die identität der person steht 
für alle fälle hinreichend fest: Sintarvizzilo erscheint während der 
j. 817 — 828 in und bei Freising als zeuge unter Urkunden meist 
in gesellschaft derselben personen, oder auch an entferntem punc- 
ten, wie nr. 532 in Tirol und nr. 534 südlich von München in 
Scheftlarn im geleit des bischofs Hitto, für dessen dienstmann wir 
ihn halten dürfen, später findet sich der name vollständig nur als 
Sintar Fezzil in den s. Emraeramer Urkunden bei Ried nr. 79 
um 900 (zeitschr. 1, 5), hier aber auch unser ältester beleg für die 
abgekürzte, dem ags. Fitela entsprechende form: Fezzilo bei Ried 
nr. 30 a. 834 (I>ez p. 244), Fizzilo MB. nideraltah. XI, 112 c. 841, 
ebenso Juvav. p. 152 a. 928. das starke Vicili der trad. Sang. p. 103 
a. 802, Fizilinp. 134 a. 8 17 ist wohl nicht wesentlich davon verschie- 
den. aberFeselo, um die mitte des 12 jahrh. zweimal unter den 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. MI. XIV. 307 

zinspflichtigen des Fuldaer klosters in Mainz gpnannt bei Dronke 
trad. Fuld. c. 58 ist ein ganz andrer name, der zu dem seltnen adj. 
fesil fruchtbar (Grad 3, 374) gehört und vielleicht eine ganz ob- 
scöne bedeutung hat. ein ags. ort war nach Fitela benannt, Kemble 
cod. dipl. nr. 1110 a. 934 on Fitclan sladws crundael. das unver- 
ständliche 'crundael, crundel' kommt auch sonst als Ortsname vor, 
wie Kembles index ausweist, släd altn. slödr bedeutet Senkung, 
thal oder ebene, und für sladaes wird slades, slädes zu schreiben 
sein. 

XIV. 

Durch die schon unter nr. III angeführte Urkunde trad. Sangall. 
p. 274. 275 nr. CI a. 8G4 werden die guter die Samuel und seine 
frau Wieldrud dem kloster zu s. Gallon in Bettenwciler in Wirtem- 
berg geschenkt haben ihnen wieder gegen einen zins übertragen, 
die zeugen aus dem laienstande sind: 

Woluot. Vvitigo. Alpkor. Ruadkcr. Vvito. Erimpert. Vvolf- 

pert. Fridubert. Lantpert. Vvklant. Engilvvart. et alii 

multi qui praenotati sunt in carta. 
die p. 275 darauf folgende Urkunde nr. CU a. 864 von demselben 
datum und wie die erste in s. Gallen ausgestellt ist ein ähnliches 
Instrument wodurch dem Samuel andre von ihm geschenkte guter 
wieder übertragen werden, auch die zeugen sind dieselben bis auf 
einige neue namen am schlufse : 

t Woluolti. Alpkcri. Ruadker. Wto. Erinbert. Wolfpert. 

Fridubert. Lantpert. Vvitigovvo. Vvelant. Engilvvart. Vto. 

Kerhart. Fridubert. Reginpoto. Mahhelm. Polio, 
sind dies die praenotati in carta, so mufs die erste Urkunde nach 
der zweiten ausgefertigt sein, was sachlich nicht gerade wahrschein- 
lich ist. in beiden fällen aber scheint mir ist die bezjehung auf die sage, 
wonach Witige Wielands söhn war (nr. VII, vgl. XXVI, 7), sicher 
und geben die Urkunden dafür das früheste zeugnis in Deutschland 
ab. falls nemlich die zweite vor der ersten abgefafst ward, so 
glaubte man , da im übrigen die Ordnung der namen unverändert 
blieb, nachmals aus irgend einem gründe dem VVitigouuo den vorrang 
vor Alpker und den andern einräumen zu müfsen, er würde aber un- 
ter nr. CHnur deshalb mit Wielant zusammenstehen, weil beide na- 
türlich durch Verwandtschaft zusammengehörten, ward aber die 
erste vor der zweiten geschrieben . so rückte man beide namen 

20* 



308 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

vielleicht nur der anspielung wegen an einander, überdies liefern 
die Urkunden den deutlichsten beweis für die oben nr. III behaup- 
tete identität von Witigouuo und Witigo. 

XV. 

Meichelbeck histor. Frisingens. I nr. 980 c a. 902: Notum 
sit omnibus praesentibus scilicet et futuris partibus Carantaniae 
constitutis qualiter quidam nobilis vir nomine Georgius perveniens 
ad venerabilem Waldonem Frigisigensis ecclesiae episcopum ad 
Weride loco nominato . . . tradidit jure hereditario . . . quic- 
quid in summitate loci ipsius Hämo filius Witagovonis suae 
sorori nomine Tunza tradidit in proprietatem , quae et ipsa ipsius 
Georgii uxor legitima fuit. 

Das frühste zeugnis für die gesellen 'Vudga nnd Häma' gibt der 
trav. song, heldens. s. 19. in den trad. Sang. p. 132 a. 817? wer- 
den mansi Witonis et Heimonis erwähnt; vielleicht ist hier Wito nur 
abkürzung von Witugouuo. bei Dronke trad. Fuld. c. 42, 26 hei- 
fsen zwei brüder im Nitachgau Wolfhart und Hiltibrant, wie in der 
heldensage nefTe und oheim; im cod. dipl. Fuld. nr. 249 a. 810 
zwei brüder Theothart und Alphart, der vater Theotrich in loco 
qui suo nomine nuncupatur Theotrtches hüs et in pago Grapfelde 
situs est super ripam lluminis Hünä. der Wechsel von Hiltibrant und 
Heribrant, glaube ich, läfst sich in zwei alemannischen familien 
durch zwei Jahrhunderte verfolgen, worüber ein andermal das 
nähere. 

XVI. 

Vita Bardonis auctore Vukuldo in Pertz mon. SS. XI p. 321 : 
Inthronizationis suae primis temporibus a fratribus et coepiscopis 
contemptus, sicut a Spirense episcopo, qui perfidus Sibicho cogno- 
minabatur, et despectionis persecutionem et perfidiae iniuriam per- 
pessus est, non misericordiam. 

Bardo ward im j. 1031 erzbischof von Mainz, über den 
bischof von Speier stelle ich die Zeugnisse, die ich gröstentheils 
der gute des hrn. dr. Jaflc verdanke , in chronologischer Ordnung 
zusammen. 

annal. Spirens. (Pertz mon. SS. XVII, 82): Heinricum — sub 
cuius tempore Sybicho et Reginbaldus episcopi gubernabant eccle- 
siam Spirensem. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XV. XVI. 309 

Herimanni Aug. chron. a. 1039 (mon. SS. V, 123): Reginbal- 
dus Nemetensis episcopus, vir Tita et habitu monachico verendus, 
3 idus octobris decessit, eique Sibicho fama longe dissimilis suc- 
cessit. — annal. Hildesh. a. 1039 (mon. SS. III, 102): Regen- 
bolt Spirensis episcopus obiit, cui Sibicho successit. 

chronicon s. Benigni Divionense (mon. SS. VII, 236): Hali- 
nardus zum erzbischof von Lyon erwählt, weigert sich (im august 
1046) dem kaiser den eid der treue zu leisten, ad haec episcopt 
illarum partium, et maxime Sigebaudus episcopus Spirae, ubi haec 
gerebantur, insistebant. 

Urkunde Heinrichs III vom 1 dec. 1048 in Remlings urkun- 
denb. zur gesch. der bischöfe von Speier I p. 42: nee non Sigebo- 
donis eiusdem ecclesiae antistitis etc. 

acta der synode zu Mainz vom 19 october 1049: subscr. Si- 
bico episc. Spir. bei Jafle regesten nr. 3187. — Adam. Brem. HI, 
29: in eo concilio quidam Spirensis episcopus Sibico, cui crimen 
adulterii intendebatur, examinatione sacrificii purgatus est. — Lam- 
bert! annal. ad a. 1050 (mon. SS. V, 155): Leo papa . . . Mo- 
gontiae sinodum celebravit ... ubi Sibecho Spirensis episcopus de 
criminibus, quibus aecusabatur, sacra communione se purgavit. — 
Wiberti vita Leonis IX lib. II c. 5 (Muratori SS. fll 1, 294): gene- 
rale apud Maguntiam concilium habuit, in quo Spirensis praesul 
Sibicho criminali reatu aecusatus voluit se expurgare terrifico sacra- 
mento dominici corporis, sed ut fertur maxilla eius mansit contorta 
paralysi quamdiu praesentis vitae spatium duxit 

Urkunde Heinrichs III vom 15 märz 1051 bei Remling a. a. o. 
p. 51: cum consensu Sigebodonis episcopi eiusdem loci. 

Lamberti annal. ad a. 1054 (mon. SS. V, 156): Sibicho Spi- 
rensis episcopus obiit, cui Arnoldus successit. — annal. Wizun- 
burg. ad a. 1054 (mon. SS. HI, 70): Sigebodo Spirensis episcopus 
obiit. 

Da der bischof sich selbst unter den acten des Mainzer concils 
Sibico nennt, so war dies ohne zweifei sein rechter name. auch ist 
ahd. Sipihho, Sibicho, Sibico ags. Sifeca wie Kipihho Amprihho 
Winihho Liuuihho Patuhho u.s.w. von einem einfachen stamm und 
nomen abgeleitet und kann nicht als Verkürzung von Sigebodo in 
gebrauch gewesen sein, da man aber biefür im elften jahrh. schoD 
Siboto, Sibodo sprach, so mochte man sich für berechtigt halten 
aus courtoisie den namen für den andern eigentlichen zu setzen, 



3 1 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

wie in den Urkunden des Kaisers, der chronik von üijon und den 
Weifsenburger annalen geschieht, nachdem dieser anzüglich gewor- 
den war. das beiwort 'perfidus' stellt den bischof zusammen mit 
dem feigen, treulosen rat Ermenrichs. noch im Alphart 412, 2. 
420, 1. 445, 4 heifst Sibeke der ungetriutoe, auch in der Flucht 
2655 (vgl. 2667). 8361. 9715 f., ja noch in der vorr. zum helden- 
buch (heldens. s. 295); in der Thidrekssaga c. 288 Sifca ennillrddi, 
c. 410 Sifka Balerdd. wir werden unten nr. XXV ein Zeugnis bei- 
bringen, wonach man einen büsen treulosen ratgeber geradezu Si- 
bicho nannte, sprichwörtlich für einen treulosen steht der name 
auch im Traugemundslied: 'unnützen Sibechen ist manec guot ge- 
selle entwichen.' es ist daher nicht zu verwundern wenn er ziem- 
lich selten ist und bald, mit dem elften jahrh. wie es scheint, ganz 
aufser gebrauch kam. die belege sind: Sipicho in Kärnden necrol. 
Aug. bei Mone s. 79; s. Peter verbr. 84, 42 c. 790, 75, 34 c. 850; 
Sipiho testis MB. pntav. XXVIII, 2 nr. 20 a. 812; Sipihho test. trad. 
Enimer. bei Hied nr. IS (Pez p. 244) a. S14; Sipicho test. Mei- 
chelb. nr. 16G a. SOS, dieselbe person mit Sipihho nr. 423. 426 a. 
821. 822; servum Sipichunc (accus.) trad. Sang. p. 20 a. 763; Si- 
bicho trad. Wizenb. nr. 19 a. SOS; Sihiho in Fulda necrol. Aug. bei 
Mones. 79; Sibigo Dronke cod. dipl. nr. 153 a.798, Sibicho nr.475. 
513. 5S9 a. S27. 83S. S66, manc. nr. 709 c. 950 ; trad.Fuld. c. 42, 262 
inMoingowc; necrol. Fuld.a. 853, a. 890; Sibichenhüsen am Würm- 
see MB. VII, 339; Sibichinroth bei Mansfeld Pertz mon. SS.XVI,235; 
Sibichindorf bei Sangershausen, Wenck hess. landesg. II nr. 36. 

XVII. 

Dafs der in einer Salzburger Urkunde ( Juvav. p. 247) aus den 
jahren 1041 — 1050 vorkommende name Luaran ein vollgiltiges 
Zeugnis für das alter der tirolischen Laurinssage abgibt, habe ich 
schon in dieser Zeitschrift 7, 531 bemerkt, gegen die richtigkeit 
der überlieferten form könnte eingewandt werden, dafs in derselben 
Urkunde und sonst zuweilen Roudbertus für Ruodbert, ebenso auch 
oft Ougo für (Ogo) Uogo, Oudalrih Oudalscalh für (Odalrih) 
Uodalrih u. s. w. geschrieben oder gedruckt steht, es mögen auch 
noch andre Versetzungen der buchstaben eines diphthongen vorkom- 
men, allein ou für uo beruht lediglich auf einer Verwechslung der 
zeichen ö und v (vgl. z. b. die Augsburger Schenkungsurkunde von 
1070 in Wackernagels leseh. I 2 , 161. 162), und da nicht anzuneh- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XVII. XVIII. XIX. 311 

men ist dafs «in ähnliches für ua in gebrauch war, weil der diphthong 
selbst im elften jahrh. und später nicht mehr vorkommt, so ist der 
name in der überlieferten geslalt sichergestellt, vielleicht ist aber 
Lunran zu schreiben und auch mhd. Läurin für Laurin, wenn au. 
in den hss. des gedichts feststeht, au ist kein mhd. diphthong, und 
der name ist fremd und undeutsch, raetisch oder wenn man lieber 
will keltisch. 

XVIII. 

In Sudendorfs registrum oder merkwürdigen Urkunden für 
die deutsche geschichte (Berlin 1851) II p. 9. 10 nr. VI steht ein 
brief. den vermutlich der probst Hermann von Bamberg im j. 1061 
an den bischof Günther von Bamberg richtete, um ihn zur rück- 
kehr aus dem feldlager in seine diöcese zu bewegen, darin heifst es : 

misernm et miserantlam episcopi vitam, o mores! nunquam 
ille äuget. (I. Augustinum), tiun<|uam ille Gregor (1. Gregorium) re- 
colit: sempei- Ute Attalam, semper Amahmgvm et caetera id genvs 
portare (I. portenta) traclat; versat ille non libros seil lanceas, mi- 
ratur ille non Iiterarum apices sed mucronum acies. 

Die einleuchtende verbefserung 'portenta' verdanke ich Haupt, 
die auffindung des interessanten Zeugnisses einem fingerzeigW.Gie- 
sebrechts, der mich auch versichert dafs der brief ohne zweifei an 
den bischof Günther gerichtet ist. mit dem Amalung ist natürlich 
Dietrich von Bern gemeint. 

XIX. 

1. Got. hairus alts. heru ags. heoru altn. hiörr gladius gehört, 
wohl mit got. harjis ahd. alts. heri ags. here altn. her exercitus, zu 
der wurzel von griech. xeiqtiv und -/.egalteiv, Curtius grieeb. 
etym. nr. 53. es werden damit einige namen zusammengesetzt: 
altn. Hiördis Hiörmundr Hiörolfr Hiörvardr, auch das einfache Hiör 
kommt vor (Fornald sog. 3, 697, Islcnd. sog. 1, 367), und in Beö- 
vulf 2158. 2162 Heorogär (auch v. 61 Heorogär, v. 467 Heregär) 
und Heoroveard als vater und söhn, unter den appellativischen 
compositis entspricht ags. heorovulf (Cädm. exod. 181, herevulf 
gen. 2015) dem altn. namen Hiörolfr und den ags. heorogrim Beov. 
1564. 1S47 Andr. 31, heorodreorig Beov. 635. 1780 alts. heru- 
grim Helj. 142, 12, herudrörag 149, 1. im ahd. scheint heru gänz- 
lich ausgestorben, da ein vereinzelt vorkommendes Herupreht Ried 
nr. 41 a. 849 nichts beweist. Heruuüch s. Pet. 40, 38 a. 820— S70 



312 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

(40, 42 steht von derselben band Sigiuuiih) sehr unsicher ist und 
Haero Meichelb. nr. 4 a. 757, Hero nr. 467 a. 824 gewis mit dem 
fem. Herosta trad. Sang. p. 49. 55 a. 779. 783, Juvav. p. 169 a. 
930 zu her gehört, es müfsen die mit heru componierten namen, 
wenn es je deren gab, wie im alts. sich unter die mit heri compo- 
nierten verloren haben, von hairus aber ist nicht nur der bedeutung, 
sondern auch wohl dem Ursprünge nach ganz verschieden mnd. 
mnl. herre (Diut. 2, 204) nnl. herre harre, ags. heorra oder heor 
pl. heorras Beov. 999, altn. hiarri cardo, obgleich Biörn Haldorsen 
auch für hiör diese bedeutung angibt und aufserdem ein neutrum 
hiar, ein femininum hiara. ein masc. hiari für hiarri, nur dies nicht 
aufstellt und umgekehrt Egilsson hiarradr ense armatus erklärt, 
doppelformen und Schwankungen in betreff des consonanten und 
der flexion mögen vorgekommen sein. altn. hiarri bei Egilsson 
cardo steht fest durch ags. heorra mnl. herre und durch den von 
Egilsson angeführten reim 'biarrar hünknarrar'. ein diesem nomen 
entsprechendes verbum, das etwa 'schwingen' bedeutete, wie ja 
cardo zu -AQaöaiveiv gehört (Curtius nr. 71), kommt nirgend zum 
Vorschein, und doch scheint ags. Heorrenda altn. Hiarrandi (Hia- 
randi Fornald. sog. 1, 39S) ein solches vorauszusetzen, für com- 
posita mit hairus darf man diese namen nicht halten, es würde in 
diesem fall ags. Heororenda heifsen, und wenn auch personennamen 
wie Gerhelm, Rantger und dgl. vorkommen , so hätte doch das com- 
positum als beiname des höchsten gottes, als name von Hedins vater 
und des wunderbaren spielmanns der Heodeninge keinen sinn, zu- 
mal da auch im norden Hiarrandis zauberisches spiel (Fornald. 
sog. 3, 223) bekannt war, so ist zu vermuten dafs der name mit 
beziehung darauf gewählt war. ein einfall mag sich hervorwagen. 
Heorrenda ist eine participiale bildung von heor (heorres) oder 
heorra wie ags. Burgenda (trav. song 19. 65), mhd. Burgende von 
bürg, vgl. gr. 2, 343. heorra, hiarri cardo aber konnte sehr wohl 
auch die bedeutung von ahd. hwerbil sistrum plectrum ( Graff 4, 
1237, ztschr.10, 372) haben, so dafs Heorrenda Hiarrandi undWer- 
bel dasselbe aussagten, denn ohnezweifelistdernamevonEtzels spiel- 
mann mit Hoffmann (fundgr. 1, 397) aus werbel plectrum und nicht 
als gyrovagus (ztschr. 7, 530) zu deuten, wie dem aber auch sei, 
dem Heorrenda Hiarrandi würde bis auf die schwache form ahd. 
Herrant entsprechen, der älteste Herrant , ein advocatus des erz- 
bischofs Ambricho von Regensburg, den Mone (heldens. s. 59) aus 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XIX. 313 

Ried nr. 68 (Pez 1, 3, 269) vom j. 8SS nachwies, heifst ganz 
constant in dem gleichzeitigen urkundenbuch des Anamod bei Pez 
Herrandus oder Herrant, p. 256 c. 84, 262 c. 96. 98, 264 c. 103, 
266 c. 107, 274 c. 12, 279 c. 24, 281 c. 29, 284 c. 38, 285 c. 40, 
286 c. 44. da bei Anamod syncopierte formen wie Herrih , Herrät 
für Heririh Herirät nicht üblich sind und sie sich überhaupt in guten 
alten, deutschen aufzeichnungen nie als rege! werden nachweisen 
lafsen, so kann Herrant nicht für Herirant stehen, das ich zuerst bei 
Ried nr. 86 c. 901, dann bei Meichelb. nr. 1133 c. 1000, nr. 
1224 c. 1045, nicht aber 'mehrmals im 10. sec' wie hr. Förste- 
mann 1 , 630 gefunden habe, es steht merkwürdiger weise ganz 
isoliert da und sollte wohl nur das unverständlich werdende Her- 
rant, womit es später wechselt und zusammenfällt, ersetzen oder 
deuten; westfränkische namen wie Bertrand und dgl. (Förstern. 1, 
1031) können wenigstens nicht beweisen, dafs rant als zweites com- 
positionswort im gebrauch war. auch ags. namen mit rond kenne 
ich nicht, ahn. Gullrönd im ersten Gudrunlied ist natürlich femini- 
num. Herrant könnte aber auch für Heriant stehen Meichelb. nr. 
198 c. 810, doch würde der consonantumlaut schwerlich so allge- 
mein und gleichmäfsig durchgesetzt sein, wie schon bei Anamod. 
es ist also wahrscheinlich ahd. Herrant ursprünglich gleich dem ags. 
Heorrenda altn. Hiarrandi. in der mhd. sage aber gilt dafür Horant 
das, wie Jac. Grimm bemerkte in dieser zeitschr. 2, 4, zunächst aus 
Herant entstand, obgleich ein ganz analoges heispiel für den Über- 
gang von e in o sonst nicht vorkommt, gr. I 3 , 78f. 86. 141. 153. 
Herant aber verhält sich zu Herrant, wie altn. Hiarandi zu Hiar- 
randi und Biörn Haidorsens formen zu hiarri. das auftreten von 
'Horant' ist einem zeugnis für die spätere sage gleichzuachten und 
dies ist in der that auch so merkwürdig dafs um so weniger daran 
zu zweifeln ist. während nemlich Herrande sich zahlreich bis ins 
dreizehnte jahrh. und darüber hinaus nachweisen lafsen (Mone hel- 
dens. s. 59), beschränkt sich soviel ich weifs die zahl der Horande, 
bis auf zwei Tiroler des vierzehnten jahrh. (Pfeiffers Germ. 1, 293) 
und einen Bantlin Hoerand von 1448 bei Mone s. 60, auf drei die 
gleichzeitig in derselben gegend , in Oberbaiern, vorkommen, der 
erste Horant de Puosencheim, in Tegernseer Urkunden gewöhnlich 
neben einem oder mehrern seiner brüder Hartmann Wernher Hein- 
rich und Gerolt genannt, tritt wahrscheinlich schon vor 1102 auf 
MB. VI p. 60 vgl. 59, zuletzt p. 114 unter dem abt Conrad zwi- 



314 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

sehen 1 134— 54, im ganzen etwa dreifsig mal p. 60 (neben Chuono 
de Herrantisperch), 65?, 71, 72, 74, 76, 79, 80, 81, S3, 85 drei- 
mal, 86 als zeuge einer schenkuDg eines nobilis homo Herrant 
dictus, 88, 90, 92, 93, 96. 98 zweimal, 100, 101, 104, 105 als 
zeuge einer Schenkung Herrants Hereburch de Wartcnbercli, 106, 
107, 109, 1 1 1 , 1 14. der andere Horant de Porterhus, zweimal auch 
p. 91. 114 de Ostenminne genannt nach einer besitzung seines 
vaters Richhcr p. 100, kommt mit diesem und seinen brüdern 
Adalpreht Weraher Ainwich Gebehart vor unter den Tegernscer 
äbten Aribo und Conrad zwischen 1102 und 1154: p. 66 Ho- 
rant, 70 Herant <le Porterhus lilius Riehen, 72 Horant, 73 
Herant, 76 Horant und ebenso 77, 78, SO, 81, S3, S9 zweimal, 
90, 91, 100, 1 14. unter dieser letzten Urkunde stehen zusammen: 
Horant et Weraher de Puosenchaim fratres, Albreht et Weraher et 
Ainwich de Porterhus, Horant et Gehehart de Ostenminne, der dritte 
ist Horant de Harde um 1 150 in einer Chiemseer Urkunde MB H, 
327. wahrscheinlich waren die familien der beiden ersten Horande 
verwandt, nach dem alter des ersten Horant aber mufs man 
schliefscii dafs die sage von Held und Hilde schon in der zweiten 
hfdfte des elften jahrh. in Oherbaiern verbreitet war. vielleicht 
schreibt sich daher auch die nachmalige vertauschung der Hetelingc 
oder Hetininge (einl. zu Kudr. s. 1 09) mit Hegelingen? ein ort Hege- 
lingas bei Meichelb. nr. 120 a. S04, nr. 521 a. 825, Hegilinga nr. 
296 a. 814, Hegelinga in Tegernseer Urkunden MB. VI, 9 c. 1013, 
162 c. 1060, Hegelingcn 98 c. 1 144 lag unfern der vom Tegemsee 
nach dem Inn zu fliefsenden Managfall, j. Högling in der nähe von 
Aibling. jedesfalls gibt es noch andere spuren die auf die gangbar- 
keit der sage in diesen gegenden deuten, ich schalte hier nur eine 
notiz ein, die mir in Ludwig Steubs anmutigem buch 'das bayeri- 
sche hochland' München 1860 p. 306 auffiel: 'das seerosenblatt 
spielt in der heraldik der oberbayerischen seegelände eine bedeu- 
tende rolle, fast wie der Steinbock in den wappen der Tiroler und 
Graubündner. Seon (mhd. Sewen), Chiemsce, Tegemsee haben es 
als ihr zeichen gewählt und auch die edlen gcschlechter im gau 
nahmen das schöne laub sehr gerne auf in ihre schilde'. wenn also 
Herwic von Sewen oder Selandcn in der Kudrun 1 373 seeblätter in 
einer blauen seidenen fahne führt, so ist das vielleicht blofs nach 
der analogie erdichtet und nicht eine direeje erinnerung an das 
wappen der sieben friesischen Seclande? rayth. 620. 122t. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XIX. 315 

2. So häufig im norden der name Gudrun, so selten ist in 
Deutschland Cundrun Meichelb. nr. 704 a. 855 (einl. zur Kudr. s. 
100), Gunderun manc. Wirtemb. urk. nr. 136 a. 861, Gundarun 
im sog. necrol. Aug. bei Mone heldens. s. 68, Gundrun neben Ala- 
run s. Pet. 157, 43 C; der Fuldaer mönch Eberhard setzte im zwölf- 
ten jahrh. trad. Fuld. 39, 50 Gunderun irrthümlich für Gundo (gen. 
Gunden) cod. dipl. nr. 257 a. Sil; Gunrün beim Tanhäuser MS. 
2, 63 (Mone s. 68) mag auch noch aus Gundrün entstellt »ein. da- 
neben findet man im zehnten jahrh. zu Schennis in der Schweiz 
Guterun im necrol. Aug. bei Mone s. 68, im zwölften jahrh.. Cut- 
run im necrol. Zwivaltahens. in Mones anz. 5, 418, Chuterun in 
einem Salzburger necrolog im archiv für künde österr. gesch. 19, 
271 und endlich l duo maneipia Dietrich et Gudrun' in einer Schen- 
kung an das Regensburger stift Obermünstor aus der zweiten hälfte 
des jahrh. in quellen und erörterungen zur baicrischen und deut- 
schen gesch. 1, 211 nr. 118. diese Chuterun und Gudrun wies mir 
Haupt nach, unbedenklich ist hier, wie im mhd. gedieht, in der 
ersten namenhälfte ein langes ü anzusetzen, da im gedieht selbst 
schon ( str. 1603) der reim 'säume: kaume' vorkommt, so wird 
der abschreiber nicht nach eignem gutdünken Chaudrun, Chautrun, 
womit nur anfangs Chutrun 2300, Cbüttrum 2306, Chutron 2349, 
Chudrun 2370 wechselt, durchgeführt haben, sondern darin seiner 
vorläge gefolgt sein. — allerdings könnte Guterun ein oder ein paar 
mal für Goterun geschrieben sein, wie MB. tegerns. VI, 11 a. 
1008 — 1017 Gutehelm für Gotehelm. aberahd. Gotarun, Cotarun 
ist bis jetzt noch gar nicht nachgewiesen, nur alts. Godrün, God- 
rüna (Mone s. 68, Förstern. 1, 538), und es ist doch nicht denk- 
bar dafs derselbe fehler sich jedesmal gerade bei demselben selte- 
nen namen wiederholt hätte, die deutsche lautregel verlangt den 
gebrochenen vocal; nur im norden konnte man Gudrun für Godrün 
nehmen, vgl. Egilsson zu sog. af Gisla Sürss. p. 175 f. man kann 
einwenden, dafs manche mit Got- componierte namen dem christ- 
lichen gefühl anstöfsig wurden und daher aufser gebrauch kamen, 
weswegen ohne zweifei auch in der Nibelungensage der name des 
Burgunden Godoraar mit Gernot vertauscht ward: dasselbe gefühl 
konnte auch zu einer entstellung von Gotarün, Goterün führen, 
aber bei der länge des ersten vocals in Küdrün, Kütrün ist die an- 
nähme doch wahrscheinlicher dafs zugleich mit der sage der name 
aus Norddeutschland nach dem süden verpflanzt und unverstanden 



3 1 6 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

in seiner bei dem mangel unserer quellen freilieb jetzt nicht mehr 
belegbaren, altsächsischen gestait Gudrun aufgenommen ward, unter 
dieser Voraussetzung erklärt sich auch das schwanken des anlauts von 
G zu K und Ch hinlänglich, obgleich ein grund für die Verhärtung 
hier nicht, wie bei Kriemhilt (nr. XU), ersichtlich ist. aber diese 
wäre völlig unbegreiflich wenn der name nicht entlehnt wäre, man 
würde schwerlich in diesem fall dazu gekommen sein, Gudrun Kü- 
drün oder Chütrün von Gundrün, das noch der mönch Eberhard 
und vielleicht der Tanhäuser kannte, und von den übrigen compo- 
sitis mit Gunt- zu unterscheiden, auch ist der ausfall des riasals 
im hochdeutschen ohne analogie. da süden für sunden bei Wolfram 
(gr. I 3 , 181) der thüringischen mundart angehören wird und ahd. 
sid mhd. Sit, verglichen mit got. seips in panaseips, nicht aus mhd. 
sint, sondern umgekehrt hier der nasal als ein aequivalent des lan- 
gen vocals zu erklären ist, spätere diabetische erscheinungen aber 
(Schmeller 3, 206) nicht in betracht kommen. Cudmunt bei Mei- 
chelb. nr. 040 a. S46 (nr. 213 c. 810) für Cundmunt nr. 657 a. 
848, Guthere trad. Fuld. 5, 13 für Gunthere cod. diplom. nr. 183, 
Cudabart Cuthard s. Pet. 72, 1. 7 für Cunda-Cunthart udglm. sind 
schreib- oder lesefehler. der rheinfränkische oder nach Wh. Grimm 
(Athis s. 9) hessische verfafser des Alexander nennt an der bekann- 
ten stelle von der scblacht auf dem Wülpensand Hilde statt der Gud- 
run (zur gesch. der Nib. s. 12). man entschliefst sich schwer zu 
der annähme dafs in der sage seiner heimat der name der tochter 
durch den der mutter verdrängt war-, so lebhaft ihm auch die 
kampfscene vorschwebt, mufs man ihm doch wohl eine Verwechse- 
lung schuld geben, eher war ein schwanken in der oberdeutschen 
sage möglich, es ist mir noch immer wahrscheinlich dafs Goldrün, 
die in der Klage 1 103 neben Hildeburg von Normandie und Herlint 
von Kriechen als könig Liudegers von Frankreich tochter aufgeführt 
wird, Gudrun sein soll, an die doch eher als etwa an Ludwigs toch- 
ter Ortrun zu denken ist. der name läfst sich vom neunten bis ins 
dreizehnte Jahrhundert verfolgen: Coldrun s. Pet 40, 27 a. 820 
—870, 134, 12; Koltrun Meichelb. nr. 1073 c. 946 (einl. zurKudr. 
s. 100); Goldrun s. Pet. 135, 3 c. 1130 — 40, 128, 21 a. 1150— 
1200, uxor Gotfridi camerarii in Wienna, von Haupt nachgewiesen 
aus Fontes rer. Austr. diplom. 4 p. 189 a. 1206. den echten sagen- 
mäfsigen namen der heldin aber hat ohne zweifei das mhd. epos 
erhalten, wenn auch nicht unentstellt, beweist der ausfall des nasais 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XIX. 317 

und die falsche Steigerung des anlauts die entlehnung aus Nord- 
deutschland, so führt die urkundlich erwiesene Verbreitung des 
namen von Zwifalten an der obern Donau bis nach Regensburg und 
Salzburg, wenn wir von der schweizerischen Guterun des zehnten 
jahrh. absehen, zu demselben schiufs wie vorhin die oberbaierischen 
Horande, dafs die Gudrunsage seit der zweiten hälfte des elften 
jahrh. im obern Deutschland gangbar war. 

3. Den seltnen sagenhaften namen Wate finde ich auch zuletzt 
nur noch in Baiern: Wato de Geckenbiunt MB. schirens. X, 12. 
403. 413. 414. 418. 465 c. 1190 — c. 1220; Wato ministerialis 
von Freising Meichelb. nr. 1345 c. 1170; sonst und früher nur c. 
1150 im Mansfeldiscben trad. Fuld. 51, c. 935 in der nähe von 
Fulda trad. Fuld. 42, 310 (Schannat nr. 572), Wado im Lobdengau 
cod. Laurish. nr. 596 a. 824, Wato s. Peter 94, 32 a. 780-800; 
in England Vada zu anfang des achten jahrh. bei Kenible cod. dipl. 
nr. 56. 58. 60. 100. zu den in dieser Zeitschrift 6, 65 angeführten 
ortsnamen kommen noch aus England nach Kemble the Saxons 1, 
420 Vadanhlaev (cod. dipl. HI app. nr. 18 a. 680) und Vadan- 
beorgas. über Wade bei Chaucer s. zeitschr. 6, 67. 

4. Den namen holt habe ich bisher nicht aufgefunden , wohl 
aber einen andern in derKudrun vorkommenden merkwürdigen na- 
men Sigebant zuerst in der nähe von Diefsen und Tegernsee : Hainricus 
et Sigebandus frater eius de Selwe MB. Vffl, 126. 132 a. 1132— 
73; Hainrich de Tanchirchen et filius eius Sigibant MB. VI, 113 a. 
1134 — 54, vgl. Mone heldens. s. 83. hier taucht auch zuerst in 
Oberdeutschland (Förstemann 1, 621) der demselben kreise ange- 
hörende name Heribort auf, de Schaftloch MB. VI, 113; Herbrot 
trad. Eromer. in 'quellen und erörterungen ' nr. 180 a. 1143 — 
1 1 49. zu den belegen aus Ncrddeutschland kommen noch Herebort 
ministerialis wormatiens. in Beyer mittelrhein. urkundenb. nr. 610 
a. 1158, Heribordus monachus nr. 614 a. 1158, Herbordus civis 
trever. nr. 653 a. 1168 und ein Heribord bei Lacombet nr. 496 
a. 1185. 

5. Zur characteristik der interpolatoren des gedichts erwähne 
ich dafs der berg 'ze Givers' bei dem die schiße der Hegelinge auf 
der fahrt nach Ormanie im 'vinstern mer' festgehalten werden 
str. 1126 — 1139, (nach 564 war Horant 'ze Givers herre',) in Wahr- 
heit der Aetna oder monte Gibello ist, bei Caesarius von Heisterbach 
dial. mirac. XII, 12. 13 mons Gyber und die hölle selbst, wo nach 



3 1 8 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

aussage eines deutschen pfaften, der mit Heinrich VI in Sicilien 
war, der 'rex Arcturus' hauste und auch der tyrannische Berthold V 
von Zäringen (+ 1 2 1 S) erwartet wurde. 

XX. 

Corveier Urkunde Tom j. 1120 in Falkes trad. Corbej. p. 214 
und Erhards regest. Westfaliae p. 146. 147 .... corara subscrip- 

tis testibus Thiedrico. Bern. Thietmaro ministerialibus . . . 

. . . Wazone. Thiedrico. Helmwigo 

Mone (heldens. s. 65), der zuerst auf das zusammentreffen der 
namen aufmerksam machte, erklärte nicht zu wifsen, was er daraus 
machen solle. Jac. Grimm (über eine Urkunde des XII. jh. s. 18 f.) 
fafste die drei namen ungeachtet der trennenden punete zusammen 
und änderte, wie auch am schlufs der Urkunde Albwino socero 
Godefrido in Godefridi zu berichtigen sei, Thietmaro in Thiedmari, 
so dafs der dienstmann des Stifts mit vollem namen ThiedricBern 
Thietmäres (sone) geheifsen habe. Uhland in Pfeiffers Germania 
1,312 will Thiedrico Bernensi lesen, Thietmaro aber unverändert 
lafsen, weil sonst der beiname zu gedehnt würde, ich läugne die 
anspielung auf die heldensage nicht, da das zusammentreffen der 
namen zu auffallend ist, erinnere aber daran dafs gerade in Corvei 
dies auch sonst leicht möglich war, so dafs eine änderung nicht 
nötig sein wird, man erwäge nur: Wigands trad. Corbej. § 40 

tradidit Helmricus .... testes Thiadricus . . Thiatmarus 

Thiadricus; § 84 tradidit Thiatmarus in Nannun pro Bernhardo; 
§ 157. 176 Bernhard pro filio suo Volcmaro in Amaleueshusen, § 
158 Volcmarus pro fratre suo Tiadmaro in Hauerga; § 398 Tied- 
gerus in Amaleueshusen pro anima Tiedgeri et Tiude: testes Hild- 
ulf, Tiedric; § 132. 194 Thiadricus pro filio suoThiadrico; §156 
Tiadhardus pro filio Thiadmaro in Thiedressun (d. i. Thiadheres- 
husun); § 218 Thiadricus pro filio Bern; § 466 testes Tethard . . 
Thedric . . . Bern, Thiedger; §46S tradidit Theodhardus . . . testes 

Folchridus Theodmarus Thialwercus , Thiadricus; § 473 

tradidit Folcridus .... testes Thiadbertus, Thiadbern; § 

477. 478 testes .... Thiadbern .... Thiadwerc; der name Thiad- 
bern kommt aufserdem vor § 361. 388. 459, das einfache Bern 
§ 26. 278. 358. 359. 392. 406. 408, und gar oft auch noch 
Thiadric und Thiadmar. 

Als personenname ist 'Dietrich von Berne' bisher besonders 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XX. XXf. 319 

im südwestlichen Deutschland nachgewiesen, ich wiederhole die 
belege hier noch einmal in chronologischer Ordnung. 

Dieterich vone Berne, bürger zu Augsburg MB. XXXIH, 1 , 42 
a. 1162; s. Zeitschrift 4, 579. 

Dietericus Veronensis, zeuge für das kloster Pollingen MB. X, 
29 a. 1 175 (Mone anz. 8, 434), vielleicht derselbe mit dem vorge- 
nannten oder aus demselben geschlecht mit ihm. 

Dieteriche, mit dem beinamen der mcerehelt, ritter zu Wurmlin- 
gen bei Rotenburg, sind nachgewiesen von Unland in der Germania 
1, 306 vomj. 1261. 1277 — 1343. 

Th. de Berne miles, Urkunde von Kochern an der Mosel in 
Günther cod. dipl. rhenomosell. 2, 344 nr. 217 a. 1265; Sewardus 
armiger, filius quondam Theoderici militis in Kocheme dictus (1. 
dicti?) de Berne, ebend. 519 nr. 372 a. 1297, Grimm a. a. o. s. 20 
n;ich Lersch in dem jahrb. des Vereins von altertlmmsfr. im Rhein- 
lande 1, 33. 

Dietriche von Berne d. i. der bürg ze Berne bei Rotweil am 
Neckar von 12S9 — 1361 nachgewiesen von Uhland a. a. o. 313 f. 

Dietrich Berner zu Gerbersweiler im Elsal's, vom j. 1328 aus 
'Schwarz, buch von Beuggen fol. 237' in Mone anz. 5, 144. 

Bruder Dieterich von Bern, meister des spitals zu Memmingen 
im Allgäu in den j. 1352. 1353. 1361, bei Uhland a. a. o. 324; 
vielleicht aus demselben gcschlecht mit dem Augsburger und Pol- 
linger von 1162 und 1175. 

Dietrich von Bern von Rinfelden, zeuge unter einer Urkunde 
von Säckingen vom j. 1373 in 'Schwarz, buch von Beuggen fol. 
128' nach Mone heldens. s. 67. 

Hanns Dietrich von Bern, der letzte von den abkümmlingen 
des bauses della Scala, die aus Verona vertrieben in Baiern sich 
angesiedelt hatten, um j. 1600 bei Uhland a. a. o. 317. 

Mone anz. 4, 414 wollte im cartulaire von s. Amand bei Va- 
lenciennes einen 'Theodericus Bernensis' unter den zeugen einer 
Urkunde gefunden haben, Uhland a. a. o. 313 zeigte dafs dies ein 
irrthum sei : der Theodericus ist ein comes Flandriae. 

XXI. 

1. Thietmar von Merseburg, der die ersten fünf bücher seines 
werks im j. 1012 vollendete, nennt meines wifsens zuerst 4, 21 
(Pertz mon. SS. III, 776) zum j. 99S das mausoleum des Hadrian 



320 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

domus Thiederici: Crescentius Leonianum ingressus claustram im- 
peratori resistere frustra temptavit. namque imperator dominicam 
resurrectionem Romae celebrans post festivos dies instrumenta 
bellica praeparaos, post aibas domum Thiederici, ubi ille perversus 
sedebat, Ekkihardum marchionem impugnare iussit. die gleichzei- 
tigen Quedlinburger annalen ( Pertz mon. SS. III, 74 ) bestimmen 
die läge des cas teils genauer: Crescentius praesidio, quod veterem 
Romam et Leonianum coniungit castellum , se cum suis inclusit, 
geschweigen aber des volksmäfsig deutschen namen , den erst der 
annalista Saxo (Pertz mon. SS. VI, 642) in ihren bericht aus Thied- 
mar aufnahm, das chronicon reg. s. Pantaleon. (Eckard corp. hist. 
med. aev. 1, 897) setzt den stürz des Crescentius nach dem Vor- 
gang des Sigebert von Gembloux (Pertz mon. SS. VI, 354) und 
Ekkehards von Aurach ins j. 1001, erzählt aber selbstständig: 
Crescentius . . . cum suis omnibus se munierat in validissima turri 
Adriani imperatoris quae et Theoderici tyranni fuit fabrica, quae 
sine ulla laesionis iniuria contra omnem impulsionis machinam 
durare videtur in saecula. fabrica ist hier natürlich bau, gebäude. 
im anfange des fünfzehnten jahrh. will Theodericus de Niem (bisto- 
riae Basileae 1566 p. US. 360 de schism. 3, 10, nemor. union. 
6.33) wifsen dafses zu Otto des grofsen zeit 'vulgariter carcer Theo- 
dorici , geheifsen habe 'propter Tbeodoricum regem Gothorum, 
qui quondam illud in praesidium pro se tenebat'. — bei den Chro- 
nisten kommt der name zum zweiten male vor, als Heinrich IV im 
j. 1083 in Rom erschien, bei Ekkehard chron. (Pertz mon. SS. VI, 
205 = annal. Sax. ebend. p. 721): hoc tempore Hiltibrandus papa 
in castello Crescentii, quod vulgo domus Theoderici appellatur, in- 
dusus exspeetabat eventumrei; in einem briefe bei Sigibert Gemblac. 
ad a. 1085 (Pertz a. a. o. p. 365): et iussit suos abire de domo 
Deoderici et amicos imperatoris ascenderc; endlich in den annal. 
Pegaviens. (Pertz mon. SS. XVI, 238 f.): apostolico igitur cum 
Petro Leone avuneuio suo fugam ineunte ac per matricem ecclesiam 

ad domum Tiderici tendente, adversarii praevenerunt imperator 

demum Tiderici domum munitissimam reeepit in dominium, in 
qua suis fautoribus collocavit praesidium. der Italiener Liudprand 
(antapod. 3, 44) beschreibt zum j. 932 die läge des castells genau, 
benennt es aber mit keinem besondern namen : in ingressu roma- 
nae urbis quaedam est miri operis mireque fortitudinis constituta 
munitio; ante cuius ianuatn pons est praeciosissimus super Tiberim 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. 321 

fabricatus, qui pervius ingredientibus Romam atque egredientibus 
est. nee est alia nisi per eum transeundi via, hoc tarnen nisi con- 
sensu mnnitionem custodientium fieri non potest munitio vero 
ipsa, ut caetera desinam. tantae altitudinis est ut eciesia quae in eius 
rertice videtur in honore summi et celestis milietae prineipis archan- 
geli Michahelis fabricata dicatur 'saricti an gelt ecchsiansqne ad coelos.' 
nach der legende bei Herman von Fritslar (deutsche myst 1 , 103) 
soll Gregor der grofse einen engel von marmor auf den thurm haben 
setzen lafsen in folge des gesichts, das er beiden zur abwendung der 
pest im j. 590 veranstalteten bittgängen und gebeten hatte: »nndher 
satzite di krüzevart äffe sente Marcus tac. dö wart ein engel ge- 
sehen üffe der Sorsenburg mit eime blutigen swerte, und dö di krü- 
zevart getan wart, dö stiz er iz in und für enweg. an di selben stat 
Uz sanete Gregorius setzen ciu bilde von eime mermelsteine alse ein 
engel gehowen, und wer daz ane sihit der hat hundert tage apläzis, 
also dicke her iz ane sihit'. das älteste mir bekannte Zeugnis für 
die legende enthält eine deutsche predigt unter Roths predigten 
des zwölften und dreizehnten jahrh. s. 76: 'dö er sich üf gerihte 
(von slnem gebete) , dö sach er sten uf dem Dietriches hiise einen 
engel mit pluotigen swerte, der wiskete das selbe swert durch sinen 
ge'ren. dö verstuont sich der heilige man daz der ewige vater sines 
zornes hin ze den liuten erwinden wolte'. damit stimmt dielegenda 
aurea (ed. Gräfse) c. XLVI, 4, die aus altern aufzeichnungen zusam- 
mengestellt ist: 'tunc beatus Gregorius vidh supra castrum Cre- 
scentii angelum domini, qui gladmm cruentatum detergens in vagi- 
nam rmittebat, intellexitque Gregorius quod pestis iila cessasset. et 
sie factum est unde et castrum illud castrum angeli deineeps vo- 
catum est', aus dieser quelle kannte wohl Baronius (annal. ed. Co- 
lon. VIII p. 7 a. 590) die legende, \a den altern vttis des heiligen 
von Paulus und Johannes diaconus aus dem achten und neunten 
jahrh. steht nichts davon , auch nichts bei Beda und Gregor von 
Tours 10, 1. 2, der über die pest in Rom und Gregors processio- 
nen ausführlich als zeitgenofse berichtet; selbst die Benedictiner 
(Gregorii magni opera Paris 1705 IV p. 217 vgl. p. 6. 38) kennen 
die legende nur aus Baronius, vgl. noch myth. 1135. wir werden 
darauf noch zurückkommen müfsen, nr. XXI, 5. der räthsel- 
hafte name 'Sorsenburg' findet sich nur bei Herman von Frits- 
lar im vierzehnten Jahrhundert, gewöhnlich heifst die feste im spä- 
tem mittelalter schon wie heute 'castrum saneti angeli'; so bei 
Z. F. D. A. XII. 21 



322 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Theodericus de Niem und in der legenda aurea a. a. o. seit dem j. 
998 aber liiefs sie längere zeit, offenbar zunächst in Italien, castntm 
oder castellum Crescentü, welchen namen wir dem deutschen 'Die- 
triches litis' gegenüber bei Ekkehard und in der legende von Gre- 
gor dem grofsen fanden, beide neben einander setzt die in die 
kaiserchronik aufgenommene erzählung von der Crescentia und den 
ungleichen Dietrichen voraus, von denen der schöne den thurm der 
Crescentia zu liebe gebaut haben soll, wenn darnach, wie Wacker- 
nagel (zeitschr. 6, 156) meint, der thurm seinen deutschen namen 
empfangen hätte, so müste die erzählung wie sie in der kaiserchro- 
nik vorliegt schon im zehnten jahrh. ausgebildet und ganz beson- 
ders populär gewesen sein, die prosaauflüsung in der Gotbaer hs. 
der repgauischen chronik (bl. 66 • ) gibt eine beschreibung des ge- 
bäudes, deren quelle ich nicht kenne: 'Didricbuwededoenen torn, 
de leget jegen de Tiberbrugge; he makede umme den torn enen 
viereggeden mantel van witten marmore. de sten sin unmate dicke 
unde lanc. se sin gelodet to enander mit bli nnde mit iserinen 
krampen, uppe der vierden egge jegen dat suden stet en osse ge- 
houwen an enen sten. men seget dat en merosse toge de groten sten 
al to samene. binnen deme mantele is gebuwet de torn van tegele 
senewolt unde ho. vil schone woninge sin dar ovene uppe. it is wol 
der besten (torne) en, de ie gebuwet wart, he het noch Cristancia\ 
nach der Leipz. hs. (altd. blätter 1, 302) 'das heystnudy Engelborg'. 
2. Eine zweite domus Theoderici war das amphitheater von 
Verona, man findet den namen zuerst in den Pegauer annalen aus 
der mitte des zwölften jahrh., wo sie (Pertz mon. SS. XVI, 239) 
zum j. 1083 von Heinrichs IV erscheinen vor Verona nach der 
eroberung von Rom berichten: 'cumque apud domum Tiderici con- 
tra Veronam castra collocassent, dux Veronensis . . . legatos mittens 
rogat ea quae pacis sunt, satisfactionem de omnibus ommmodis 
exhibens . . . igitur Wipertus ob conventionem huius satisfactionis 
Veronam dirigitur. cuius reditum imperator penes Tiderici domum 
operitur.' das amphitheater, das jetzt mitten in der Stadt liegt, lag 
auch innerhalb der alten, von Theoderich dem grofsen (anon. Vales. 
§ 71) erneuten Stadtmauer, auf dem rechten ufer der Etsch. wenn 
also die angäbe des Chronisten streng wörtlich zu nehmen ist, so 
war dieser stadttheil damals im j. 1083 offen, die bürg und haupt- 
feste von Verona befand sich, wie noch heute, auf der linken seite 
des flufses jenseit der altrömischen marmorbriieke. auch hievon 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. 323 

gibt Liudprand (antapod. 2, 40) eine anschauliche beschreibung: 
'fluvius Athesis, sicut Tiberis Homam, mediam civitatem Veronam 
percurrit. super quem ingens marraoreus nnri operis miraeque ma- 
gnitudinis pons est fabricatus. a leva autem parte fluminis, quae 
est aquilonem versus posita , civitas est difficili arduoqne colle rau- 
nita, adeo ut si ea pars civitatis, quam memoratus fluvius dexteram 
ailuit, ab hostibus capiatur, ea tarnen viriliter possit defendi. in 
huius vero coilis summitate praeciosi operis est aeclesia fabricata in 
honore beatissimi Petri apostolorum principis consecrata.' — fast 
gleichzeitig mit dem Pegauer annalisten, bald nach 1157 beschrieb 
der verfafser des chronicon Gozecense zum j. 1090 (Pertz mon. 
SS. X, 149, Wh. Grimm heldens. s. 40) nach eigner ansieht und 
kenntnis das amphitheater, es mit dem colosseum in Rom (Romuleo 
theatro) vergleichend, er beruft sich auf die Veroneser volkssage, 
die den Theodericus rex Hunorum als erbauer nannte, und versichert 
'usque hodie Theoderici domus appellatur'. nach der Flucht 324 
(heldens. s. 204) soll schon Dietmar, Dietrichs vater, 'daz wunder- 
hüs ze Berne' erbaut haben, aus welcher gelehrten quelle Stein- 
höwel (chronica Ulm 1473 bl. 10 b) von Dietrichs bauten in Verona 
undRavenna wüste, weifs ich nicht: 'er liefs wunderbar böw machen, 
als syne hüser ze Bern und ze Ravenna wol bezeigen , da er regie- 
ret', im j. 1476 besuchte Hans von Mergenthai (Vulpius Curiositä- 
ten 3, 489) in begleitung des herzog Älbrecht von Sachsen auf einer 
reise ins heilige land Verona oder Bern, 'darinnen noch herrn Diet- 
richs von Bern sehlo/s, so gar wunderbarlich gebauet aber sehr zer- 
fallen ist', aus dem anfange des sechszelmten jahrh. ist das Zeug- 
nis der epistolae obscurorum virorum, heldens. s. 303, vom j. 1545 
das von Wackernagel (zeitschr. 6, 156) mitgetheilte aus der 'reise 
einiger Zürcher 1 , bemerkenswerth als gegensatz zu der angäbe des 
Chronisten von Goseck: 'zu Verona findt man ein wol würdig zu 
besehen, wärkhaft, mechtig gebuwen des Dietrichs von Bern kus, 
als die Tülschen nennen; sunst ist es ein theatrum colisseum oder 
rena (arena), als ich mein, von Veronesern geheifsen'. ganz verein- 
zelt steht dann Scaligers aDgabe (heldens. s. 315), wonach Dietrich 
der erbauer der römischen villa, der jetzt sogenannten grotte di Ca- 
tullo auf der balbinsel Sirmio im Gardasee sein soll. 

3. Die Thidrekssaga c. 414, nachdem sie erzählt dafs Thidrek 
in Rom seinen einzug gehalten und hier die kröne sowie die huldi- 
gung der mannen Erminreks empfangen hat, fährt dann fort : 

21* 



324 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

NA hefir bidrekr konungr gört miök mtkil störvirki pau er 
etm md sid: badit, er kallat er pidreks bad, ok i Römaborg 
let hann steypa eitt likneski eptir sinum hesti Falka ok 
siälfum ser [ok setia upp ä borgarvegginn ] , bat er gört af 
kopar. [ petta likneski munu set hafa nälega allir beir menn 
er komit hafa i Römaborg]. annat likneski let hann enn gera 
nordr i borginni [Bern eptir ser af kopar]: bär stendr bann 
i tum ok reidir sitt sverd Ekkisax vid steinboga bann er 
yfir äna liggr. [ok vida annarstadar er hann skrifadr ok 
eptir honum gör likneski ]. 
die eingeklammerten worte fehlen in der hs. A, der Kopenhagener 
papierhs. 178. die hs. R (papierhs. 177) fügt noch weiter hinzu, 
Thidrek sei so gewaltig gewesen dafs kein andrer könig, herzog 
oder held ihm gleichgekommen, herzog Alibrand habe Raben und 
ein grofses lehen in Amelungeland erhalten, meisler Hildibrand 
aber habe sich von Thidrek nicht getrennt, so lange er gelebt, die 
altschwedische Übersetzung c. 356 wiederholt nicht nur den inhalt 
dieser letzten in A fehlenden sätze, sondern bemerkt auch, ähnlich 
wie B, dafs das kupferne bild von Didrik und seinem ross Falke lange 
nach seinem tode in Rom gestanden habe, obgleich die erzählung 
im übrigen abgekürzt wird, darnach steht die hs. B, was sich auch 
sonst zeigt (nr. XXI, 6), dem alten, uns hier fehlenden text der 
Stockholmer pergamenths. im ganzen näher als A. nur in einem 
puncte (nr. XXI, 5) erhebt sich ein gewichtiges bedenken, zunächst 
aber ist das Verhältnis der texte für uns von keiner bedeutung. 'die 
sehr grofsen Wunderwerke' (A sagt nur 'mörg verk'), die könig 
Thidrek ausführen liefs and 'die noch zu sehen sind', sind ohne 
zweifei die Dietrichs häuser, die wir schon kennen lernten, vielleicht 
aber eignete man ihm auch noch andre bauten zu; die saga er- 
wähnt nur das pidreks bad, insofern dies für des helden letzte ge- 
schiente von Wichtigkeit ist. 'i peim stad, er nü er kallat pidreks 
bad\ ward Dietrich nach c 438 (vgl. unten nr. XXXI) eines tages 
in hohem alter, als er eben ein bad genommen , von einem hölli- 
schen ross abgeholt, man hat dabei an das 'balneum Gotthorum' 
in Ravenna gedacht, aber nach der saga ist zuletzt Rom Dietrichs 
hauptstadt, der ort mufs also, wenn auch nicht in Rom selbst, was 
die ausdrückliche Unterscheidung verbietet, doch in einer gewissen 
nähe von der Stadt gesucht werden, jeden zweifei benimmt das 
itinerarium des isländischen abts Nicolaus aus der mitte des zwölf- 



ZUR. DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. 325 

ten jahrb., dem wir schon zwei andre wichtige Zeugnisse für unsre 
heidensage verdanken (Wh. Grimm heldens. s. 41), in Werlauffs 
symbolae ad geogr. med. aev. p. 21 f.: der weg führte von Aqua 
pendente (Hanganda borg) über Bolsena (Kristinaborg) und Monte 
Fiascone 'tii Boternisborgar; bar er bidreksbad; badan ero X milur 
til Sütarans mikla'. Boternisborg ist hier notwendig Viterbo und 
zwar liegt der nordischen gestalt des namen zunächst die deutsche 
form desselben zugrunde, Biterne in der kaisercbronik 133, 20 
23 Diem., bei Rudolf von Ems (HMS. 4, 552) und im Wolfdietrich 
B, von der Hagens heldenb. 1855 1, 257 ff. auf seinem wege liefs 
der abt das nördlich von Viterbo belegene Bagnarea links liegen, das bei 
Paulus diac. 4, 33 Balneum regis und sonst Balneum regium heifst. 
Muratori (SS. rer. ital. X, 212) vermutete schon dafs dies von 
einem gotischen könig und zwar von Theoderich benannt sei. ohne 
zweifei bat der abt auch diesen ort und nicht die unbedeutenden 
bäder von Viterbo gemeint; nur weil er nicht selbst den ort passierte, 
kam er zu einer falschen oder ungenauen einreihung der notiz 
über die läge desselben. Viterbo bot keine veranlafsung zur an- 
knüpfung von Dietrichs namen, während 'Königsbad' gewisscr- 
mafsen dazu heraus forderte. Bagnarea, unfern der grofsen nach 
Rom führenden heerstrafse gelegen, konnte deutschen pilgern und 
kriegsleuten nicht unbekannt bleiben , und von solchen mufs der 
name 'Dietrichs bad' ausgegangen sein. 

4. Die reiterstatue des Marc Aurel ist von allen ähnlichen 
grofsen metallenen kunstwerken aus dem alterthum das einzige das 
in Rom ohne verschüttet zu werden der gefahr der Zerstörung entgan- 
gen ist. wie man meint hauptsächlich deswegen weil sie im mittelaitcr 
für ein bild Constantins, des ersten christlichen kaisers, galt, Plat- 
ner in der beschreibung der Stadt Rom 3, 1 p. 1 1 f. nach Fea in 
Winkelmanns storia delle arti (Roma 1784) 3, 414. vielleicht trug 
der umstand nicht weniger zu ihrer erhaltung bei dafs sie, wie wir 
sehen werden , ihren stand in unmittelbarer nähe des päpstlichen 
palastes hatte, war sie die einzige eherne reiterstatue des spätem 
mittelalterlichen Roms, so kann sie auch nur das 'kupferne bild' 
sein das nach der saga den Dietrich von Bern auf seinem ross Falke 
vorstellte, nur die angäbe der hs. B dafs dies auf der Stadtmauer 
stand stimmt nicht genau mit unsern übrigen nachrichten, wohl 
aber was sich aus dem gegensatz in A ergibt, dafs es im südlichen 
theile der Stadt stand, die inschrift auf der gegenwärtigen basis der 



326 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

statue bezeugt dafs sie, ehe sie durch Paul III 1538 ihre jetzige 
steile auf dem Capitol erhielt, 'ad Lateranensem basilicam ' aufge- 
stellt war. die basilica di s. Giovanni in Laterano liegt fast un- 
mittelbar an der südöstlichen Stadtmauer, aber auf einem plan 
der Stadt angeblich aus dem anfange des vierzehnten jahrh., den 
Höfler (deutsche päpste I, 1. 1839) aus einer vaticanischen hs. be- 
kannt machte, hat die statue ihren Standort auf der nordseite der 
kirche: westlich davon, im nordwesten der kirche ist das hauptge- 
bäude des Lateran verzeichnet dafs Cola di Rienzo bei dem fest 
seiner ritterweihe im Lateran 'per le nare de lo cavallo de Costantino 
che ene de vronzo' (Muratori antiquitt. ital. 3, 451) das volk wäh- 
rend des ganzen tages mit wein speisen liefs, stimmt zu dieser auf- 
stellung. die mirabilia sagen blofs 'Lateranis' oder 'in campo La- 
teranensi prope palatium domini papae est quidam caballus aereus 
qui dicitur Constantini', und aus der sage die sie mittheilen, die 
auch zu ende des zwölften jahrh. bei Cencius Camerarius (Ciampini 
de sacris aedificiis, Romae 1747, c. 2 p. 20 f.) vorkommt, ist nur 
soviel zu entnehmen dafs die statue in der nähe der Stadtmauer und 
eines thores stand, schon dieser sage wegen ist es unmöglich dafs, 
wie Fea in der angeführten abhandlung p. 412 vermutete und Plat- 
nera. a. o. p. 102 darnach mit völliger bestimmtheit behauptete, 
Clemens III im j. 1187 sie vom Forum nach dem Lateran habe 
bringen lal'sen. Fea stützt sich dabei auf eiue lückenhafte notiz einer 
papstgeschichte bei Muratori SS. rer. ital. IX, 178, wonach Cle- 
mens III 'Laterani fecit palatium altius et picturis ornatum, equum 
quoque aereum fecit fieri'. vollständiger findet sie sich bei Mura- 
tori III, 2, 377: 'et deinde iuxta ecclesiam Lateranensem palatium 
antiquum renovavit et exaltavit, et postea unum magnum et pulcrum 
puteura ante equum aeneum fieri fecit". auch die annähme Feas, 
dafs die von der notitia regionum urbis Romae im fünften jahrh., 
dann noch im neunten von dem anonymus Einsidiensis auf dem 
Forum erwähnte reiterstatue Constantins des grofsen dieselbe sei 
mit der später im mittelalter sogenannten, ist ganz unhaltbar, da 
man der notitia glauben mufs dafs es wirklich eine statue Constan- 
tins des grofsen war, was überdies die von dem anonymus mit- 
getheilte inschrift unzweifelhaft beweist, Preller die regionen der 
Stadt Rom p. 13. 66. 142. diese echte statue des Constantin mag 
im laufe des neunten oder zehnten jahrh. verschwunden sein, wenn 
im j. 966 Johann XIII den ihm von Otto dem grofsen zur be- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. 327 

strafung ausgelieferten, aufrührerischen praefecten Pelrus bei den 
haaren 'in caballum Constantini ad exempium omnium' aufhängen 
liefs (Muratori SS. III, 2, 331), so ist dabei schon an den Marc 
Aurel in der nähe des päbstlichen palasts zu denken; besonders 
deutlich wird dies bei dem tode Bonifaz VII im j. 985: in tanto 
eum odio habuerunt sui ut post mortem eius caederent eum et 
Ianceis vulnerarent, atque per pedes traberent nudato corpore usque 
in campum ante caballum Constantini ibique proiecere eum atque 
dimiserunt, Muratori a. a. a. p. 334. 335, vgl. Papencordt Rom im 
MA. p. 1S2. wahrscheinlich hat die statne den ihr einmal angewie- 
senen standpunct im mittelalter ziemlich unverändert behauptet, da 
Capitolin vit. Marc. c. 1 sagt: 'natus est Marcus Romae in monte 
Coelio in hortis . . . educatus est in eo loco, in quo natus est, et in 
domo avi sui Veri iuxta aedes Laterani'. der Lateran und ein 
theil des angrenzenden Coelius gehörten also damals der kaiserlichen 
familie. auch im vierten jahrh. war er im besitz des kaisers. Con- 
stantin gründete die lateranische kirche, die nach ihm auch basilica 
Constantiniana genannt wird, und durch ihn ward der palast die 
residenz des römischen bischofs. so begreift es sich leicht dafs sein 
name auch auf das bild des Marc Aurel übergieng; ja dieser mag 
schon für Constantin gegolten haben, als dessen echtes bild noch 
auf dem Forum stand. 

5. In der hs. B der Thidrekssaga wird ferner angegeben dafs 
ein zweites kupfernes bild Dietrichs nördlich in Verona gestanden 
habe; auch dafür will sich keine bestätigung finden, dagegen passen 
alle angaben in A vollkommen auf Rom. hier lag auf der nordseite 
der Stadt unmittelbar vor einer prächtigen brücke über die Tiber 
die Engelsburg, ehemals ein sehr hoher thurm, geschmückt mit vie- 
len colossalen marmornen statuen und bildwerken , von denen die 
Römer im j. 537 mehrere zerschlugen und auf die anstürmenden 
Goten herabwarfen nach Procop de hello goth. 1, 22. eins von die- 
sen antiken bildwerken aber blieb ohne zweifei stehen und gab an- 
lafs zur ausbildung der legende von Gregor dem grofsen, sowie zu 
der deutung auf den erzengel Michael und bei den Deutschen auf 
Dietrich von Bern, der nach der saga sein schwert Eckesahs gegen 
die Tiberbrücke schwang, während man von dem engel meinte 
dafs er sein schwert in seinem rockschofs abwischte oder einsteckte, 
s. oben nr. XXI, 1. erst von dem so gedeuteten bilde wird der 
ganze bau den namen 'Dietriches hüs 1 erhalten haben, bei der zer- 



328 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Störung die die Römer im j. 1379 versuchten (Fea a. a. o. p. 390 
f.), blieb der 'engel' oder wie Herman von Fritslar sagt das 'bilde 
von einie marmelsteine alse ein engel gehowen' noch unangerührt, 
im j. 1497 aber schlug der blitz in die Pulverkammer des thurms 
'et totam superiorem partem ipsius turris cum magnitudine 
mocnium et angelo grossissimo marmoreo hinc ad magnam di- 
stantiam perduxit', nach einer gleichzeitigen nachricht in Eckards 
corp. bist. II, 2085. Paul III. liefs einen neuen colossalen erzengel 
in marmor arbeiten; das colossale bronzene bild, das jetzt auf der 
Engelsburg steht, ist von Benedict XIV aufgerichtet , Fea a. a. o. p. 
393. — von Verona gibt es eine alte abbildung, die Biancolini (dci 
vescovi e governatori di Verona 1757 p. 55) aus einem von der 
band des Ratherius geschriebenen codex des kloster Lobbes bekannt 
machte, die also mindestens der Beschreibung derLiudprand gleich- 
zeitig, wahrscheinlich aber älter ist. übereinstimmend damit er- 
scheint hier auf der linken seile der Etsch über der marmo'r- 
brücke auf der höhe des ehemaligen Capitols der Stadt die kircbe 
des heiligen Petrus, dann die 'arena minor,' ein römisches tbeater, 
verschieden von dem ampbitheater auf dem rechten ufer, darauf 
ein ziemlich niedriges thor, das zur brücke führt, am weitesten 
rechts endlich gegen die umfafsungsmauer aber mit dem thor in 
Verbindung das 'palatium', ohne zweifei dasselbe das Theoderich 
der grolse in Verona erbaute (anon. Vales. § 71) und mittlem thor 
durch einen porticus verband, nirgend Gndet sich hier ein thurm 
oder ein bildwerk angedeutet, noch auch ein solches später erwähnt, 
das palatium erwähnt Ratherius (opp. p. 392 f.) und urkundlich 
kommt es noch später vor (Maffei Verona illustr. 1825. 2,396f.), auch 
das alte stadlsiegel (Maffei I, tab. 1, 3, da Persico descrizione di Ve- 
rona 1820 1 tav. XV gibt wold eine abbildung davon), nach der 
Thidrekssaga c. 173 stellte eine weifse bürg mit vergoldeten thür- 
men auf Uiklebrands schilde Bern vor und der Alphart denkt sich 
wenigstens Dietrichs palas oder sal noch auf der linken Etschseite. 
Heime kündigt dem Dietrich die fehde im vorhofean, reitet dann 
über die brücke fort (1. 'reit über diebrücken dan' d. i. die bekannte 
brücke, statt 'reyt über dye Etschbrücken hin dan' 40, 1) und Die- 
trich begibt sich 72, 1 zu seinen recken "in den sal". so auch 118, 
2 'Alphart der junge über die brücken (hs. Etschbrücken) reit', 
auch der norddeutschen sage, der die Thidrekssaga folgt und aus 
der Arnold von Lübek (Wh. Grimm heldens. s. 48 f.) entnahm dafs 



ZUR DEÜTSCEN HELDENSAGE. XXI. 329 

die Berner klause von altersher Hildebrands bürg hiefs, ist es zuzu- 
trauen dafs sie ihre angaben über die Dietrichsbilder nicht aus der 
luft gegriffen, dafs also ein kupfernes bild Dietrichs in Verona 
stehe; ist wahrscheinlich ein irrthum oder eine willkürliche erfin- 
dung eines abschreibers , da man nicht wohl annehmen kann dafs 
in A der fehler nach befserer local- oder sagenkenntnis ver- 
befsert ist. 

6. Desto weniger unterliegt die letzte, B . eigentümliche notiz, 
dafs auch weit umher an andern orten Dietrich von Bern gemalt 
und bilder von ihm gemacht seien, einem bedenken, in Worms 
zeigte man im sechszehnten und siebzehnten jahrh. an verschiede- 
nen gebäuden alte gemälde von Siegfrid, Wh. Grimm heldens. s. 
311. 316. 319. dafs man ihn im sechszehnten jahrh. schon, wie 
im Volksbuch, mit hörnern darstellte, lehrt eine stelle aus Rollenha- 
gens Froschmeuseler (heldens. s. 313). unter den fresken des 
schlofses Runkelstein in Tirol aus dem ende des vierzehnten jahrh. 
sollen ein Dietrich von Bern mit Eckesahs, Siegfrid mit Balmung, 
Dietleib von Steier mit Weisung vorkommen, Pfeiffers Germania 2, 
468. * in einer capelle auf der feste zu Burgdorf bei Bern sah man 
im anfang des fünfzehnten jahrh. und wohl schon früher den 
drachenkampf der brüder Baltram und Sintram abgemalt, zeitschr. 
6, 157. Wackernagel s. 160 fand dieselbe sage, die in Dietrichs 
drachenkämpfen (Heidelb. hs. str. 147 ff.) auch von Rentwin und 
Hildebrand erzählt wird und die dem vandilischen Hazdingenmythus 
(nr. XXIV) gleichkommt, an einem capitell im Baseler münster aus 
dem anfange des zwölften jahrh. dargestellt, jedoch so dafs hier 
nicht mehr Sintram, der jüngere bruder, sondern Dietrich von 
Bern, wie in der Thidrekssaga c. 105, der rettende held ist. für 
Wackernagels auslegung scheint zu sprechen dafs der •erretter wie 
Dietrich nach der sage des dreizehnten jahrh. einen löwen als schild- 
zeichen führt, wie auch Wolfdietrich, wir müfsen dann aber auch 
annehmen dafs uns die sage von dem erretteten unvollständig über- 
liefert ist, da nach Wackernagel derselbe durch ein geflochtenes 
waffenhemd characterisierteritter, der auf der dritten seite des capi- 
tells von Dietrich aus dem Schlund des drachens gezogen wird, auf 
der ersten mit wilden stieren, auf der zweiten mit baren und einem 



* zu den Runkelsteiner abbildnngen von Artusrittern und andern helden 
französischer romane vgl. meister Altswert 37, 26 ff. 



330 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

fischgestaltigen ungethüm kämpft. Mone theilte zum anzeiger 8, 
605 aus einer Karlsruher hs. des zwölften jahrh. eine Zeichnung 
von Dietrich von Bern mit, die gar nichts characteristisches bie- 
tet, und ebensogut, wie die ähnliche vom kaiser Heinrich in der 
Weingartner liederhs., jeden andern könig aus dem Mittelalter 
vorstellen könnte, wenn Herbort in der Thidrekssaga c. 238 Diet- 
richs angesicht so grofs und fürchterlich an die wand malt dafs 
Hilde sich davor entsetzt und die Werbung für ihn abweist, so ist 
zu beachten dafs die quelle hier eine Spielmannsdichtung war und 
Herbort wie es scheint auch nur die list gebrauchte um der königs- 
tochter den helden zu verleiden. Wh. Grimm (heldens. s. 105) 
übersah dafs die ausführlichere beschreibung, die die saga c. 14 
von Dietrichs gestalt und aussehen gibt, für ihn vortheilhafter lautet, 
als characteristisch ist aus dieser besonders der zug hervorzuheben 
dafs er bartlos war so lange erlebte. Dietrichs schild war nach c. 
172 roth bemalt und sein zeichen ein goldener löwe der im Schilde 
mit dem haupt sich aufwärts richtete (und mit den füfsen das un- 
terste ende berührte) ; nachdem Dietrich könig über Bern geworden 
liefs er noch eine goldene kröne über dem haüpt des löwen an- 
bringen; er führte dies zeichen auch auf seinem banner und sattel 
(und waflenrock , und man konnte ihn daran erkennen wohin er 
auch ritt, und wer bilder von ihm malen will, der muß es so 
machen), die eingeklammerten worte fehlen wieder in A, sind aber 
B und der alten pergamenths. gemein , zur bestätigung des vorhin 
(nr. XXI, 3) bemerkten, da nun nach c* 173 Hildebrands schild 
banner und waffenrock immer von derselben färbe war wie Die- 
trichs, so vermutete Jac. Grimm (über eine Urkunde des XII jahrh. 
s. 20) wohl richtig dafs an dem haus 'zum roten Hildebrand' in 
Mainz (Gudenus 2, 548) der alte held abgebildet war. ohne allen 
zweifei hatte auch die 'domus Diterici ex inferno' in Wien a. 1239 
(Fröhlich diplom. Styr. 1, 312) ihren namen von einem gemälde 
oder rehef, es stellte aber nicht, wie Grimm a. a. o. die schon von 
Gregor dem grofsen (diall. 4, 6 ) berichtete legende mit der deut- 
schen volkssage verwechselnd meint, Dietrich 'dem mythus nach, im 
Vulcan brennend' dar, sondern als Jäger auf einem schwarzen ren- 
ner. dafs ein altes relief am portal der basilica die s. Zenone mag- 
giore in Verona auf dieselbe sage von Dietrichs ende gedeutet werde, 
wüste man aus Maffei, Wh. Grimm heldens. s. 39, zeitschr. 6, 1 60. 
eine abbildung davon nebst den inschriften gab neuerdings Orti 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. 331 

Manara, dell' antica basilica di s. Zenone-maggiore 1839 p. 10. 
tav. II, 19. IV B; die Inschriften wiederholte darnach Mone (anz. 
8, 606), schon früher hat sie Giovambattista da Persico (descrizione 
di Verona 1820 1, 251) bekannt gemacht sie ergeben keinen 
namen, gleichwohl wird die tradition nicht anzufechten sein. 

7. Gleich rechts neben dem eingang der genannten kirche 
sieht man in zwei reihen bis zur höhe der thüröfihung acht mar- 
mortafeln, von denen die obern sechs, von den beiden untersten 
durch einen breitern verzierten streifen getrennt, darsteliungen der 
Schöpfung der thiere und menschen , des sündenfalls und der aus- 
stofsung aus dem paradiese enthalten, auf der ersten tafel zu Un- 
terst neben der thür sieht man einen reiter mit spitzem hut, flie- 
gendem haar und mantel, einen gefüllten köcher auf dem rücken, 
rechts dahin sprengen ; seine rechte hält den zügel , die linke hielt 
nach Orti Manaras beschreibung p. 10 ein hörn an deamund, doch 
ist dies auf der abbildung (tav. IV B) sehr wenig deutlich, darüber 
stehen die verse: 

regem stultum ! petit infernale tributum, 
moxque paratur equus quem misit demon iniquus : 
exit aquam nudus, petit infera non rediturus. 
auf der tafel daneben, zu unters t in der zweiten reihe, rennt ein 
hirsch dem ein hund auf den rücken springt (nach Orti Manara p. 
10 verfolgen ihn zwei hunde) auf eine nicht mehr deutlich zu er- 
kennende gestalt, in langem gewande wie es scheint, zu oder 
nahe an ihr vorbei; nach Orti Manaras beschreibung ist dies ein 
nackter mann, der mit der rechten den hirsch bei den hörnern 
fafst und in der linken einen jagdspiefs schwingt darüber steht 
der vers : 

Nisus, equus, cervus, canis huic datur: hos dat avernus. 
der sperber ward nicht mit abgebildet, wenn nicht das hörn, das 
angeblich der reiter in der linken hält, ein jagdvogel war oder der 
grofse dicke vogel , der in einer fensterartigen einfafsung zwischen 
den beiden tafeln auf einem kaninchen oder hasen sitzt (darunter 
ist in einer ähnlichen einfafsung nach der abbildung noch ein 
sitzender mann der einen schild oder eine harfe auf den knien hält 
zu erkennen), einen sperber oder ähnlichen jagdvogel vorstellen soll, 
bei der erschaffung Adams nennt ein vers den bildhauer, der das 
werk verfertigte, Nicolaus; von demselben sind auch die sculpturen, 
darsteliungen aus dem leben des kirchenheiligen, in dem halbrund 



332 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

über dem eingang. links von dem eingang sind zehn tafein ebenso 
zusammengestellt wie auf der rechten seite. acht enthalten scenen 
aus dem leben des erlösers, die wunder bei seiner geburt bis zur 
flucht, die taufe, gefangennähme und kreuzigung. ganz zu unterst 
sieht man in der mitte auf einem schmalen stück eine frau, nach 
Orti Manara p. 1 ' con due colombe in mano ', über ihr den namen 
'Mataliana', rechts von ihr auf der einen tafel zwei bewaffnete reiter 
mit eingelegten lanzen auf einander stofsend, links auf der tafel 
neben der thür zwei bewaffnete die zu fufs mit dem schwert käm- 
pfen, beide tafeln sind ohne inschriften. eine in der einfafsung des 
ganzen angebrachte Inschrift nennt den bildhauer Guillelmus. da 
ein gleichnamiger künstler im j. 1099 die facade des doms von Mo- 
dena mit ähnlichen sculpturen verseben hat (Cicognara storia delia 
scultura III p. 109 f.), so schreibt da Persico unser werk demselben 
zu, und gewiss ist es vor 1 1 38 verfertigt, da nach einer inschrift bei 
Orti Manara p. 37. 38 (vgl. Maflei Verona illustr. tom. 3) im j. 1178 
bereits vierzig jähre seit der erneuerung und erweiterung der kirche 
verflofsen waren, die meinung der Deutschen dafs Dietrich das 
amphitheater erbaut habe war im zwölften jahrh. nach dem Zeugnis 
des Chronisten von Goseck (nr. XXI, 2) von den Veronesern ange- 
nommen, die sage aber dafs er lebendig auf einem schwarzen ross 
zur hölle gefahren war damals nach den Zeugnissen des Otto von 
Freisiog und der Cölner ebronik des sogen. Godcfridus monachus 
(Wh. Grimm heldens. s. 38. 49) schon in ganz Deutschland ver- 
breitet, der annähme steht daher nichts entgegen, wenn es von 
haus aus eine deutsche sage war, dafs auch sie nach Verona ge- 
langte und hier benutzt wurde um an einem namhaften beispiel, 
gleichsam dem weltlichen patron der Stadt selbst, die Sündhaftigkeit 
und erlösungsbedürftigkeit der menschheit zu zeigen, denn im Zu- 
sammenhang mit den übrigen betrachtet habendoeb wohl die untern 
darstellungen zu beiden seiten der thür diesen zweck , wenn auch 
die kämpfer links sich auf keine bestimmte sage beziehen, von dem 
bericht der Thidrekssaga c. 43S über Dietrichs ende gab Wh. Grimm 
(heldens. s. 39) schon einen auszug. es ist jetzt nur hinzufügen 
dafs nur in A statt des hirsebes ein schwarzes ross erscheint, was 
an sich schon widersinnig überdies durch die Übereinstimmung von 
B mit. der schwedischen Übersetzung als spätere änderung erwie- 
sen wird, ferner kommt noch der zug vor dafs Dietrichs hunde, 
als er um den hirsch zu verfolgen das höllische ross bestiegen hat, 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. 333 

diesem nicht folgen wollen, endlich heifstes zuletzt, dafs deutsche män- 
ner sagten, es sei in träumen offenbart worden dafs gott und die 
heilige Jungfrau könig Dietrich dessen hätten geniefsen lafsen, dafs 
er ihrer bei seinem tode gedachte, über die eigenthümliche Wen- 
dung die der sage im anhang der schwedischen Übersetzung gegeben 
wird s. nr. XXXI. davon dafs Dietrich aus Übermut oder thorheit 
von der hölle einen zins verlangt und so nicht nur das ross, son- 
dern auch einen sperber, einen hund und den hirsch erhalten habe, 
ist in diesem bericht keine spur, allein das 'exit aquam nudus' 
der inschrift beweist dafs sie den Dietrich der sage meint, nach 
der saga war es nur mehr ein unglücklicher zufall als eine verschul- 
dete strafe dafs es dem teufel einmal gelang den könig, der auch 
im hohen alter nicht aufhörte ein ritterliches leben zu führen, im 
bade zu überlisten und im badegewande zu entführen, die Vero- 
neser inschrift setzt nicht nur eine verschieden ausgebildete, sondern 
auch vollständigere und reichere sage voraus als wir in unsein 
quellen finden, offenbar ist die herrenlose fabel, die im deutschen 
text und zwar, wie es heifst, nur im deutschen text der gesta Ro- 
manorum (c. 53 bei Keller, bei Gräfse 2 p. 209 IT., vgl. Mone hel- 
dens. s. 65) von einem römischen könig Antiochus oder Sym- 
machus erzählt wird, auf Dietrich einmal übertragen; und ob nicht 
zuerst in Italien, wo das Veroneserdenkmal das älteste zeugnis abgibt 
darauf und die erzäblung selbst ohne beziehung auf Dietrich viel- 
leicht zuerst erfunden ist? wir önden darin alles, worauf die in- 
schrift sich bezieht, beisammen : der könig zwingt einen armen rit- 
ter ihm ein schwarzes ross, einen schwarzen hund, einen schwar- 
zen falken und ein schwarzes hörn zu verschaffen , dann erscheint 
der hirsch und führt ihn ins verderben, die sage auf Dietrich ange- 
wandt steht in Widerspruch mit dem character den ihm das deutsche 
epos beilegt, wo die grundelemente desselben weise mäfsigung und 
besonnenheit sind und die edelste, wohlwollendste gesinnung ge- 
paart mit unüberwindlicher kraft und stärke, die Übertragung ist 
daher unmotiviert, wenn auch nicht unerklärlich, man wüste gewiss 
ehemals von Dietrichs tod ebenso wenig etwas bestimmtes zu er- 
zählen als später in Oberdeutschland von Etzels tod. nach der 
vorrede zum heldenbuch soll ein zwerg ihn hinweg d. h. in den 
berg geführt haben, diese Vorstellung ist an sich uralt und heid- 
nisch, Yngling. sag. c. 15, Niäls sag. c. 14. 134, vgl. Maurer be- 
kehrung des norwegischen Stammes 1. 94. 2, 37 ff. man mag sich 



334 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

früh auch auf diese weise Dietrichs verschwinden erklärt haben, 
aber die sage könnte eben so wohl erst später nach einer mildern 
ansieht an die steile der entführung durch das teufelsross getreten 
sein, die anknüpfung oder aufnähme der teufelssage setzt höchstens 
die Verbreitung der meinung voraus dafs Dietrich, aufgenommen in 
das grofse heer, zu zeiten noch erscheine, entweder als wilder Jäger 
wie heute in der Lausitz, im Orlagau und als Derk met den beer in 
den Niederlanden (myth. 194. 888 f.), oder als unheilverkündender 
warner wenn not und schwere bedrängnisse dem römisch-deutschen 
reich bevorstanden, so erschien er im j. 1197 nach der Cülne'r 
ebronik (heldens. s. 49), aber schon auf dem schwarzen ross. dem 
strengern christlichen sinn war er schon in dieser gestalt ein hölli- 
sches, teuflisches wesen. für die ausbildung oder Übertragung jener 
sage aber ist die der volksmäfsigen in Deutschland ganz entgegen- 
gesetzte ansieht der geistlichkeit von Dietrich von Bern mafsgebend 
und entscheidend gewesen, die allgemeine quelle dieser ansieht war 
die historia Romana des Paulus diaconus. daher stammt wohl 
schon, wenn auch nicht unmittelbar, Alfreds einleitungzum Boethius, 
nr. V, 1. daher auch die vorrede Notkers. wenn dieser erzählt 
' föne diu slüog er Boetium ünde sinen suer Symmachum ünde däz 
öuh uuirsera uuas, Johannem den bähes: sär des änderen iäres 
uudrt Thioterik ferlorm\ so entspricht dem aus der historia üb. 
XV11 'subita morte defunetus est', bei Ekkehard (Pertz mon. SS. 
VI, 139) 'subitanea morte interiit', bei Otto von Freising, (hel- 
dens. s. 38) 'subitanea morte rapitur'. eben daher stammt auch 
mittelbar der bericht der kaiserchronik 433, 16 ff. und die notiz 
des altschwedischen legendariums nr. XXX, 16 daher was die deut- 
schen prosachroniken von Dietrichs ende wifsen, die repgauische 
(Stuttgart 1857) s. 209: 'darna starf de koning Diderich gaes 
dodes ', wo nur die Gothaer bs. aufser der legende von dem stürz 
in den vulkan den wie es scheint eigenthümlicben zusatz hat 'ete- 
like lüde spreket dat Didericz van Berne noch in der helle leve'; 
Fritsche Closener s. 17, Johann Rotbe s. 139 u.s.w., vgl. unten 
nr. XXX, 1 f. was Steinhöwel (chronica Ulm 1473 bl. 10 b ) sagt 
'und ze Ietst ist er ze Rauenna gählinge tod vnd verloren dz ettlich 
sagen , er sye vff dem pferd siezend lebendig in die hell gerant', 
steht wohl nicht aufser beziehung zu Otto von Freising, die 
legende von dem stürz in den vulkan. die Otto unmittelbar aus dem 
dialogus Gregors des grofsen kannte, während sonst gewöhnlich 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXI. XXU. 335 

Paulus die quelle ist, liegt gewiss nicht, wie er meinte, der erzählung 
von Dietrichs Untergang zu gründe , zumal nicht wenn diese ur- 
sprünglich selbständig dastand und nur auf ihn übertragen ist 
aber dafür dafs die in der legende zuerst ausgeprägte ansieht der 
geistlichen und der kirche über den helden für die Übertragung ent- 
scheidend war, spricht auch noch dafs die Thidrekssaga c. 415 
(prolog. p. 3) von seinem arianischen Unglauben weifs, von dem er 
sich freilich zuletzt mit Hildebrand und allen Römern, abgewandt 
haben soll, so wird auch die Schroffheit der ansieht, die Dietrich 
der ewigen Verdammnis preis gab, am schlufs der saga 'nach der 
aussage deutscher muriner' schön gemildert man halte dagegen 
die notiz der russischen Novgoroder chronik nr. XXVI. die strenge 
consequenz führte dahin dafs man Dietrich zu einem teufelskind 
machte oder doch einem bösen geist einen antheil an seiner erzeu- 
gung zuschrieb, die vorrede zum heldenbuch ist hiefür die einzige 
quelle. Dietmars Vaterschaft bleibt gleichwobl unbestritten, es ist 
deutlich nur ein roher auswuchs der spätem entartenden sage und 
Wh. Grimm (heldens. s. 40. 105) hat allzuviel gewicht daraufge- 
legt den feuerathem Dietrichs, der dem edlern epos unbekannt ist 
braucht man nicht aus einer dämonischen abstammung des helden 
abzuleiten , wenn es auch in der vorrede geschieht oder beabsich- 
tigt wird, der feuerathem drückt nur in hyperbolisch -sinnlicher 
weise die furch tbarkeit seines zornes aus, und ehe man in die 
mythologie hinüber greift, ist zu bestimmen an welchem punkte 
der sage, da die Überlieferung schwankt und nicht von Willkür 
frei ist, wohl zuerst und ursprünglich ein solcher zorn Dietrichs 
statt hatte, man würde auf diesem wege, glaube ich, zu der ein- 
siebt gelangen dafs es eine verhältnismäfsig späte erfindung ist 
deren erfolg freilich zuletzt der war dafs in den faeröiscben liedern 
Tidrikur Tatnarson zu einem hexenmeister und feuerspeienden 
drachen ward. 

XXII. 

In der kürzlich entdeckten und von Waitz im achten bände 
der abhandlungen der Göttinger gesellschaft der wifsenschaften 
(Göttingen 1858) herausgegebenen alten lebensbeschreibung des 
am 7 januar 1131 ermordeten, im j. 1170 heilig gesprochenen 
herzogs Knud Laward von Schleswig entspricht dem bekannten Zeug- 
nis des Saxo p. 638Müller. (heldens. s. 47) folgende stelle lect.7p. 30: 



336 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Puerum proditoris vir sanctus cum se tercio persecutus est. 
incedentibus illis, puer precedens premunire de iosidiis ducera 
volens, set aperte secreta domini sui pro observacione iuramenti 
denudare non ausus, ordinem cuiusdam parricidii cantando ter 
reiteravit, ut inde percipiens quod hostes ci paraverat, illud devi- 
tandi adhuc haberet facultatem. set fidelem aniraum non potuit 
tangere infideiitatis suspicio. dixit quidem ad puerum , perpendens 
ex parte quod boc sui causa cantarct: 'Aec et hnssimilia a perfidis 
paganis, quibus fedus fidei et consaoguioitatis auctoritas et timor 
dei irrita tenebantur, perpetrata sunt : a christianis fidelibus facinus 
tale factum non creditur'. 

Das leben des berzogs, das ein schottischer bischof Robertus 
Elgensis in drei büchern verfafstc und dem bruder desselben, dem 
dänischen könig Erich Em und (1134 — 1157) widmete, ist im 
brande der cottonischen bibliothek zu gründe gegangen, aus ein- 
zelnen auszügen, die vorher daraus gemacht und erhalten sind , er- 
fahren wir bei Langenbeck SS. rer. danic. IV p. 244. 260 dafs der 
sächsische sänger, der nach Saxo den herzog warnte, Siaward hiefs. 
der anonyme geistliche verfal'ser der von Waitz edierten vita kannte 
das iied von Grimilde räche 'et hiis similia' offenbar sehr gut, ob- 
gleich er die genauere bezeichnung und nennung desselben in sei- 
nem für kirchliche zwecke zunächst bestimmten werk unterliefs. 
wenn er also eine dreimalige Wiederholung des lieds durch den 
knappen oder sänger in dem angegebenen fall für möglich und 
wahrscheinlich hielt, so bestätigt sich, mag sie damals wirklich vor- 
gekommen sein oder nicht, was Wh. Grimm (heldens. s. 48) schon 
aus Saxos angaben schlofs, dafs das gesungene lied kurz und von 
verhältnismäfsig geringem umfang war. da nun das dänische lied 
von Grimilde räche (Grundtvig nr. 5) auf ein niederdeutsches 
oder fränkisches original zurückgeht, das auch das fteröische lied 
(Haramershaimb Sjürdar kvasdi III ) und die Thidrekssaga voraus- 
setzt, so dürfen wir uns das lied des Siward als eine ältere fafsung 
davon denken. 

XXIII. 

Was Saxo XIV p. 722 von dem spottlied eines deutschen 
sängers auf könig Svends flucht aus dem j. 1157 erzählt, liefert 
einen zweiten directen beweis für den verkehr solcher leute in 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXÜ. XXIII. 337 

Dänemark und am dänischen hofe während des zwölften Jahrhun- 
derts, indirecte beweise dafür sind aus der sage zu entnehmen. 

1. Den namen Biterolf oder Bitterolf finde ich nicht vor der 
mitte desselben jahrh. und zwar zuerst unter den zinspflichtigen 
des Fuldaer klosters in Worms, Dronke trad. Fuld. c. 59. spätere 
Biterolfe wies Mone (heldens. s. 76, anz. 5, 1 43. 3 1 1 . 4 1 8) vom j. 1 1 90 
an in Baiern, Ostreich, Schwaben, Alemannien und Rheinfranken 
nach. Mone anz. 7, 188 führte auch aus einer Erfurter Urkunde von 
1217 bei Mencken SS. rer. germ. 1, 533 einen Gerhart Buterolf 
an , und e"men Butrolf finde ich in einer Cölner Urkunde bei La- 
comblet nr. 443 a. 1172, doch könnte dies für Bortolf, nr. 485 
a. 1182 verschrieben sein, dafs nach dem Wartburgkrieg im anfang 
des dreizehnten jahrh. am hennebergischen hofe ein sänger Biterolf 
lebte, ist bekannt, mit bitar componierte namen kommen sonst 
nicht vor, nur das patronymicum Bitrunc in der Flucht und Raben- 
schlacht, heldens. s. 192. 197. 211. Biterolf drückt blofs eine Stei- 
gerung des im adjectiv liegenden begriffe des bissigen, grimmigen, 
'ra-zen' (biter and gebolgen Beov. 1431) aus und wird so noch 
in Reinbots Georg 4144 als Scheltwort gebraucht, gram. 2, 331. 
3, 706. als eigenname wird es nur gebräuchlich worden sein 
nachdem die poesie die üble bedeutung in eine heldenmäfsige ver- 
wandelt hatte, die Thidrekssaga nennt c. 111 den vater Dietleibs 
noch 'allra kappa mestr oc berserkia' und es ist nicht zu bezwei- 
feln dafs die dichtung ihm zuerst den namen im eigentlichen sinn, 
um ihn zu characterisieren, beigelegt hat. die sage aber, die in der 
Thidrekssaga c. 111 ff. noch in älterer gestalt vorliegt, ist augen- 
scheinlich von deutschen oder sächsischen Sängern in Dänemark den 
Dänen zu liebe localisiert, und zwar so wie es nur bei vollkommener 
Vertrautheit mit land und leuten möglich war. als Biturulfs Wohn- 
sitz wird Tumraaborp, j. ein kirchort, ehemals ein handelsplatz an 
der ostküste von Schonen genannt, vermutlich weil man den namen 
für einen 'tcerschen knaben' wie Thetlef bezeichnend fand. Thet- 
lefs mutter Oda ist die tochter eines iarls von Saxland. sie besuchen 
c. 1 1 2 die hochzeit eines Ulf Sota son in Vetlands herad in Smaa- 
land; Söti ist aber ein rein nordischer, für berserker und vikinge ge- 
bräuchlicher name (Fornald. sog. 3, 713). es ist im winter c. 114 
und das eis steht so dafs man über die sunde fährt und reitet, 
sein erstes abenteuer besteht dann Thetlef in begleitung seines 
vaters c. 1 15 (vgl. c. 109) im Falsterwald, der zwischen Dänemark 
Z. F. D. A. XII. 22 



338 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

und Saxlantl liegt, mit leuten die mit dem herzog von Sachsen 
verfeindet dort als räuber hausen. Tbetlefs zweiter auszug geht 
nach Sachsen u.s.w. — auch andre erzählungen der Thidrekssaga 
führen auf dieselbe Wahrnehmung, vgl. unten nr. XXXI. dafs um- 
gekehrt auch dänische sagen in den kreis der deutschen heldensage 
gezogen wurden, ist darnach nicht zu verwundern. 

2. Wenigstens ist dies gewiss von Fruote oder Fruot von Tene- 
marke, der sprichwörtlich wegen seiner milde zuerst in einem 
spervogelschen, nach 1173 gedichteten liede MF. 25, 19. 20, dann 
öfter erwähnt wird, Haupt vorr. zu Engelhart s. XI, zeitschr. 4, 
557. daher heifst es in der Kudrun 326, 1 : 

Swaz aber (1. e) iemen sagete von den köenen man, 
von Waten und von Fruoten, swaz da wart getan, 
der mute was noch mere dan ieraan mühte getrouwen. 

wegen dieser eigenschaft ist ihm auch in dem gedieht bei der ent- 
führung der Hilde die rolle des kaufmanns übertragen, offenbar 
erst ziemlich spät, da die darstellung die das gedieht von der ent- 
führung gibt in naher beziehung zur spiclinannspoesie steht. Fruote 
mit dem dänischen Früdi hinn fümildi einerlei wird also wohl im 
zwölften jahrh., wo Saxo noch so viel von ihm und vier oder fünf 
doppelgängern zu erzählen weifs, durch sächsische sänger zuerst 
aus der dänischen sage in die deutsche dichtung verpflanzt sein, 
und zwar nur in einer gestalt. sein auftreten in der Rabenschlacht 
(heldens. s. 211. 212) ist völlig bedeutungslos, ebenso willkürlich 
ist sein name gebraucht im Wolfdietrich A (Wolfdietrich und Saben). 
er wird einmal str. 6 als derjenige erwähnt gegen den Hugdietrich 
in den krieg zieht, blofs um die abwesenheit des letztern zu mo- 
tivieren : 

Dö wolt er sinem friunde, einem künege leit tuon, 
von Tenemarke Fruoten, siner swester suon. 
wenn in einem text des Rosengartens (Wh. Grimm vorr. s. XXIII ) 
und in der vorrede des heldenbuchs (heldens. s. 256) Fruot 'ein 
junger künec' heifst, so ist dabei nicht etwa an den nordischen 
Frödi hinn fra-kni, den 'vegetus' des Saxo zu denken, es wird nur 
das mhd. adjeetiv, das auch die bedeulung von 'gemeit' annimmt, 
zu dieser Vorstellung verführt haben, die eigentliche bedeutung 
'weise, erfahren, verständig', aus der sich im ags. uud alts. sehr 
gewöhnlich die von 'bejahrt, alt' ergibt, verlangt auch im mhd. 
dafs Fruote wie in der Kudrun 'der alte' heifst. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXIII. 339 

3. Von Starkad sagt Saxo VI p. 274 Müller: Cuius tarn late 
patens claritas fuit ut adhuc quoque celeberrima factorum eius 
ac nominis opinio perseveret. neque enim solum apud nostros 
egregiis operum titulis coruscabat, verum etiam apud omnes Sveo- 
num Saxonumque provincias speciosissima sibi monumenta pe- 
pererat. man kann zweifeln ob Saxo bier schwedische und sächsische 
sagen von Starkad im sinne hatte oder nur heldenthaten die Star- 
kadr bei Schweden und Sachsen nach der dänischen sage sollte 
ausgeführt haben, wäre aber dies seine meinung gewesen , so be- 
greift man nicht warum er nicht lieber statt der Schweden und 
Sachsen Rufscn und Griechen nannte, bis zu denen nach p. 277 ff. 
Starkadr seine laufbahn ausdehnte, die erste annähme ist also 
wahrscheinlicher, auch mufs ich die Vermutung, dafs die in der 
Nornagests saga c. 7 (Fornald. sog. 1, 329, heldens. s. 183) er- 
haltene erzählung von Siegfrids und Starkads Zweikampf an der 
Eider sich auf eine sächsische erfindung stützt, noch immer für 
begründet halten, da sonst die entstehung der erzählung sich nicht 
erklären läfst, s. zur gesch. der Nib. s. 32. freilich fehlt im mhd. 
epos jede erinnerung an Starkad, wenn man nicht leere namen, wie 
Starkän und Starcher in der Flucht, Starcher in der Rabenschlucht 
(heldens. s. 193. 208), dafür nehmen will, dem altn. Starkadr ent- 
spricht ahd. Starchant Meichelb. nr.237 vor 810, nr. 1212 c. 1020, 
MR. Tegerns. VI, 42 a. 1068— 1091, 60 a. 1091 — 1102, 72 a. 
1102— 1134, Starhant Juvav. p. 136 (zweimal) p. 138. 139.152 
a. 927. 928, Starcant episc. Eistetens. necrol. Fuld. a. 966, Star- 
kand annal. Saxo ad a. 966 bei Pertz mon. SS. VI, 619, und daraus 
könnte Starkän leicht entstellt sein, ein Zeugnis aber für ein deut- 
sches lied von dem nordischen helden scheint uns Saxo selbst zu 
liefern, der VI p. 281 (heldens. s. 162) erzählt, dafs Starcatherus, 
nachdem er in Rufsland den kämpfen Wisinnus, dann bei Constan- 
tinopel den riesen Tanna überwunden, 'Poloniae partes aggressus 
athletam, quem nostri Wasce, Teutones vero diverso literarum sche- 
mate Wilzce nominant, duelli certamine superavit'. P. E. Müller 
schlofs wenigstens hieraus, Saxonem cantores audivisse Saxonicos 
pugnam Starcatheri cum athleta Polonico Wilzce dicto decantantes. 
die annähme ist aber nicht notwendig, die sächsischen sänger brau- 
chen nicht von Starkad gesungen zu haben, nur mufs Wilze in ihren 
liedern und sagen eine namhafte, bedeutende person gewesen sein, 
und Saxo grund gefunden haben ihn für seinen unbedeutenden 

22* 



340 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Wasce zu erklären, er wüste von diesem sehr wenig, auch in dem 
letzten Hede Starkads, das Saxo in einer Übersetzung mittheilt, VII [ 
p. 404 heifst es nur: 'inde dedi letho Wazam', und sonst kommt 
ein Vazi oder Vaxi in nordischen quellen nur in der Gönguhrölfs saga 
(Fornald. sog. 3, 259) vor als ein riese und zauberer, ohne Zusam- 
menhang mit Starkad. der Wilze der Deutschen ist aber unzweifel- 
haft der könig Vilcinus der Thidrekssaga. 

In der alten Stockholmer hs. der saga aus dem ende des drei- 
zehnten oder anfang des vierzehnten jahrh. (Unger vorr. s. XII, 
zeitschr. 7, 568 f.), von der die neuste ausgäbe einen genauen ab- 
druck gibt, wird durchweg Villcinus Villcinaland Villcinamenn (Vil- 
cinamen) Villcinaborg geschrieben, nur von der dritten hand zu- 
weilen c. 30 Villzinamenn , 31. 33 Vilzinaland, 33 Villzcinamenn. 
der altschwedische Übersetzer machte daraus zuerst Wilkinus, ohne 
jedoch die Schreibung durchzuführen, am wenigsten in den compo- 
sitis, wo Wilcina- sogar gewöhnlicher; erst Peringskiöld, der bei 
seiner ausgäbe die alte Übersetzung benutzte, führte Vilkinus Vilki- 
naland u. s. w. durch, die beiden Kopenhagener papierhss. ' schrei- 
ben überall Villtinus' nach Unger s. 27, der Liliencrons und P. E. 
Müllers zeugnis nur bestätigte, zeitschr. 6, 446. wahrscheinlich ist 
hier blofs t für c verlesen, wie umgekehrt der schwedische Über- 
setzer Actilius, Aktilius aus Attila machte, niederdeutschem munde 
war das z in diesem namen nicht fremd , wie man aus den Chro- 
nisten sieht und aus Saxo und einem Ortsnamen in Gerekens cod. 
dipl. Brandenb. 7 p. 326 a. 1215 Wilcenewude, p. 330 a. 1190 
Welzenewode, p. 332 a. 1217 Wilzenewude; p. 337 a. 1206 Wel- 
senewude, p. 338 a. 1195 Wilsenewude, 1 p. 36 a. 1206 Welsene- 
wode, vgl. Raumer Neumark Brandenburg im j. 1337 p. 101 Wel- 
senburgh, p. 106 Welsenberg, Welseneburg. auf jeden fall ent- 
behrt Peringskiölds Vilkinus, Vilkinaland der autorität und alle 
darauf gegründete Vermutungen sind nichtig, die spielmannsmäfsig 
gelehrte form Vilcinus, Wilzinus ist erst aus dem orts- und landes- 
namen gebildet, mag man nun in Vilcinaborg, Wilcinewude u.s.w. 
einen schwachen gen. plur. wie in mnd. Vrankenevord , oder ein 
adjeetiv mhd. wilzln mnd. wilzen sehen, gramm. 3, 177 ff. 
625 f. die echte unverfälschte gestalt des namen gibt Saxo und 
darnach ist Wilze nur eine heroische personifleation des gleich- 
namigen slavischen volks, was die saga bestätigt. 

Das volk, das in endlosen kriegen vom achten bis ins zwölfte 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXIII. 341 

jahrh. sich den Sachsen vor allen umwohnenden furchtbar machte, 
wohnte zwischen der mittlem Elbe und der Oder bis gegen Ilügen 
hin. wenigstens im achten und neunten jahrh. hat der name Wilzi, 
gleichbedeutend mit Weletabi, diese ausdehnung; s. die stellen bei 
Zeufs s. 655 anm. noch Notker Marcian. Cap. 105 (Graft" p. S5) 
sagt 'uueletabi die in germania sizzent, tie uuir uuihe heizen', bei 
den historikern des zehnten, elften jahrh. aber kommt Weletabi 
aufser gebrauch, ein neuer name Liutici tritt dafür ein und mit die- 
sem schränkt sich Wilzi auf die nördlichen, zu beiden sehen der 
Peene Rügen gegenüber wohnenden stamme ein (Zeufs s. 656), 
von denen Helmold 1, 2 sagt: a fortitudine Wilzi sive Lutici appel- 
lantur. Notker fügt bekanntlich a. a. o. noch hinzu: die ne scament 
sih nieht ze chedenne, däz sie iro parentes mit meren rebte ezen 
sülin, dänne die vuürme', was natürlich nur von dem fall der 
äufsersten not zu verstehen ist. — nach der saga c. 21 fl*. hatte 
könig Vilcinus ganz Schweden, Dänemark und Wendenland unter- 
worfen, dann auch den könig Hcrtnid, der Rufsland und den gan- 
zen osten beherschte, bezwungen, indem er mit einem heere durch 
Polen über Smolensk und Polotzk bis zu seiner hauptstadt Novgo- 
rod vordrang, also der angriff des Vilcinus auf den osten gieng 
wenigstens von dem punet aus , wo die Wilzen angesefsen waren, 
hier lag auch Vilcinaborg. nach einer aufzeichnung der Stockhol- 
mer hs. (Unger p. 41. 44) soll es die hauptstadt des könig Milias 
von Hunaland gewesen sein, die nach einer andern c. 41 Valltcr- 
borg hiefs, nach der Kopenhagener hs. B Villeraborg, so dafs Vall- 
terborg fast nur aus Viltenaborg entstellt zu sein scheint, aber 
nach c. 278 gehört die Stadt zum reiche des könig Osantrix von 
Vilcinaland, der bei Brandenburg c. 291 gegen Attila fällt, in Vil- 
ciuaborg ward Friedrich, Ermenrichs söhn, auf Sifkas anstiften ge- 
tötet; womit die Flucht 2455 stimmt (heldens. s. 287): 

ez gewan künic Ermrich 

einen sun, der hiez Fridrich, 

den er sit versande 

hin ze der Wilze lande. 
c. 303 wird die begebenheit noch einmal beiläufig erwähnt und 
abermals sieht man hier und c. 305 deutlich, da Attila von Susat 
(Soest) aus nach Polen und Rufsland gezogen ist, dafs Vilcinaborg 
zwischen Elbe und Oder lag. die sage vom könig Vilcinus entbehrt 
ganz natürlich jeder epischen ausbildung: es kann erst in nach- 



342 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

epischer zeit, frühstens im neunten oder zehnten jahrb. die Vor- 
stellung von einem beiden Wilze oder Wilte, als repraesentanten 
des volks, sich bei den Sachsen entwickelt haben, dem hochdeut- 
schen epos unbekannt, ist könig Vilcinus auch in der Überlieferung 
der Thidrekssaga deutlich ein später eindringling in den kreis der 
heldensage. älter in der sage und durch seine Beziehungen zu Er- 
menrich und Etzel (zeitschr. 10, 171. 172) ihrem frühem bestände 
als mächtiger Wenden- oder Wilzenkönig gesichert istOserich, der 
Osantrix der saga. er soll aber nach c. 26 erst dadurch in den be- 
sitz des Vilcinalands gelangt sein, dafs sein vater Hertnid von Nor- 
gorod nach Vilcinus tode das reich dasselben erobert, zur Vergel- 
tung dafür dafs er sich diesem früher hatte unterwerfen müfsen. 
offenbar wurde ein genealogischer Zusammenhang zwischen Osantrix 
und Hertnid angenommen weil jener erst durch eroberung zu 
seinem reich gelangen konnte, nachdem Wilze oder Vilcinus in den 
kreis der heldensage hineingezogen war, und dies führte dann wei- 
ter zu der annähme grofser kriege zwischen Rufsen und Vilcina- 
männern. auf welchem wege Wilze zuerst in die heldensage kam, 
ist leicht ersichtlich, nach c. 23 (vgl. p. 29 f. unten) erzeugte Vil- 
cinus auf einer Seefahrt in der Ostsee mit einem meerweib den rie- 
sen Vadi, den vater Wielands, den ahnen Witeges. sein andrer söhn 
war Nordian, der c. 23 'mikill madr fyrir ser oc allra manna 
vaenstr oc stercastr, hardr oc grimmüdigr oc singiarn af fe' heifst. 
als riese wird er nicht bezeichnet, aber er ist der vater der vier 
riesen Etgeir, Aventrod, Vidolf und Aspilian, c. 27. 193. 194. er 
wird von Hertnid und Osantrii als unterkönig von Seeland einge- 
setzt c. 25 — 27, und soll als solcher gestorben sein, dieser Wilze 
Nordian ist aber ohne zweifei identisch mit dem gewaltigen Jäger- 
meister Nordian im dienst des jarl Iron von Brandenburg, obgleich 
die saga nichts mehr von einem solchen Zusammenhang weifs. ich 
unterlafse es hier weiter auf die in den slavischen gegenden locali- 
sierten deutschen sagen einzugehen, wobei namentlich auch der 
eingang der Pegauer annalen (Pertz mon. SS. XVI, 234 f., heldens. 
s. 400) in betracht kommen müste. ans den angeführten daten 
erhellt dafs Wilze oder Vilcinus zuerst durch die anknüpfung von 
genealogien in die heldensage eingeführt ward, man leitete von 
ihm riesen und helden ab. die ihrer herkunft nach dem norden an- 
gehörten; ihn selbst raufs man sich darnach einmal als einen wil- 
den, riesischen kämpfen gedacht haben, der zu lande und zu wafser, 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXÜI. 343 

wie die Wilzen und die Wenden überhaupt als Seeräuber, sich 
furchtbar machte, seine riesische natur hat er freilich als könig 
Vilcinus eingebüfst, aber bei Saxo steht Wilze mit dem riesen 
Tanna und dem unhold Wisinnus noch in einer reihe, und zwar 
sieht man jetzt dafs Saxo allerdings Ursache hatte den von Starkad 
erschlagenen Wasce oder Waza auf ihn zu deuten, wenn er in den 
liedern der Deutschen als ein feind oder gar ein beherscher der 
Dänen hingestellt wurde, ein deutsches lied aber, das den Dänen 
Starkad als überwinder des Wilze feierte, wäre übrigens auch in 
jener zeit, wo Saxos gönnor der erzbischof Absalon und sein könig 
Waldemar den letzten rest des slavischen heidenthums diesseit der 
Oder auf Rügen vernichteten, und schon früher bei den kriegen der 
Dänen und Wenden sehr wohl denkbar, gab es ein solches, so lie- 
ferte es einen beleg mehr für die benutzung der heldensage zu 
politischen dichtungen, wie jene erzählung von Siegfrids und Star- 
kads Zweikampf, auch der Sachsenkrieg in den Nib. und das dänische 
lied von Dietrich von Bern und Holger Danske, Grundtvig nr. 17. 
in der Thidrekssaga ist von einem kämpf des Vilcinus mit Starkad 
keine spur: er stirbt c. 24 an einer krankheit. ward von demMar- 
ner (MS. U, 176* ) ein hochdeutsches lied von dem verschwinden 
oder Untergang des Wilzen verlangt, — die worte 'war komen si 
der Wilzen diet' kann man doch nicht mit Wh. Grimm (heldens. s. 
lü'2) von der ankunft der Wilzen verstehen, — so kann man dabei 
nur an den letzten kämpf des Oserich mit Etzel und Dietrich den- 
ken. Oserich war der repraesentant des volks im hochdeutschen 
epos und in Wahrheit auch im niederdeutschen, nach c. 292 der 
saga fiel Osantrix in der Schlacht bei Brandenburg durch Wolfhart, 
der ausdruck des Marners läfst nur noch erkennen dafs das volk 
nach dem verlust seiner Selbständigkeit im zwölften jabrh. alsbald 
so gut wie verschollen war. der Tanhäuser MS. II, 63 * weifs 'die 
Wilzen sint geborn da her von Tenebrie'. 

4. Dafs im letzten viertel des zwölften jahrh. wenn nicht schon 
früher von Nordidn in Baiern gesungen wurde, beweist der in einer 
Prillinger, unter dem abt Rudger (fl206) ausgestellten Urkunde 
MB. XIII, 114 unter den zeugen vorkommende, schon von Mone 
(heldens. s. 96) und Jac. Grimm (über eine Urkunde des XII. jabrh. 
s. 21) nachgewiesene name, dessen latinisierte form auf die poesie 
der fahrenden zurückweist. Nordiän kann entstellt sein aus ahd. 
Nordi necrol. Fuld. a. 787, s. Petr., (Nordes gen.) Dronke cod. 



344 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

dipl. Fuld. nr. 573 a. 858, Nonluni s. Petr. = Nordini Nordene 
Norden, Nordunc trad. Fuld. 38, 1, Nordinch Juvav. p. 306 a. 1150, 
ndd. Nordung Thidrekss. c. 51. 52. 

XXIV. 

Kunik im bulletin de la classe des sciences historiques de 
i'academie imp. de S. Peterbourg 1849 tome VII p. 419 f.: 'In 
der sog. ersten chronik von Novgorod findet sich nachdem j. 6711 
(= 1203) ein einschiebsei (p. 26 — 29 der Berednikowschen aus- 
gäbe S. Petersburg 1841), in welchem die einnähme Konstantino- 
pels durch die Franken im j. 1204 erzählt wird, dieser bericht ist 
offenbar entweder von einem Byzantiner verfafst oder aus einem 
der Byzantiner ausgezogen, aus zwei stellen geht hervor dafs zur zeit 
der abfafsung desselben die Franken ihre herschaft noch behaupte- 
ten, am schlufse der erzählung von der plünderung Konstantino- 
pels heifst es (nach Kuniks Übersetzung) : 

"... die mönche aber und die nonnen und die popen ent- 
blöfstcu sie und erschlugen einige von ihnen, die Griechen und 
Warangen aber welche geblieben waren vertrieben sie aus der stadt. 
und dies sind die namen ihrer wojewoden: 1. der marchisus von 
Bom, inder Stadt Bern, wonemlich der verdammte (verfluchte, wört- 
lich: der heidnische) böse Dedrik lebte: w " gradje W'rnje, idjezc bje 
/.U" poganyi slyi Dedrik; und 2. der graf von Flandern; und 3. der 

blinde doge " 

der marchisus ist der von Montferrat.' — 

Mag der bericht aus byzantinischer quelle stammen, so ist doch 
die wunderliche, im Zusammenhang unverständliche notiz 'in der 
stadt Bern, wo der verdammte böse Dedrik lebte' ohne zweifei erst 
von dem rufsischen Schreiber eingeschoben, und si e deutet auf be- 
kanntschaft mit der niederdeutschen sage von Dederik oder Thedrik 
van Berne, speciell auf die sage von Dietrichs tod, die der geistliche 
scbreiber in schroffster weise auffafste, s. nr. XXI , 7. denn aller- 
dings ist, was Kunik bezweifelt, an eine verllanzung der deutschen 
sage nach itufsland durch niederdeutsche kaufleute zu denken, 
was die Thidrekssaga von kriegen mit den Rufsen erzählt, verrät 
oft die genauste, unmittelbarste localkenntnis und anschauung der 
berichterstattcr, ja lücken und schwächen der epischen Überlieferung 
sind von dieser aus ergänzt worden, als könig Thidrek die feste 
stadt Smolensk erobert hat, 'da brachen sie' heifst es c. 313 'die 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXIV. 345 

Stadt beinahe ganz nieder und es ward damals das ausgerichtet was 
noch diejenigen sehen können, die in dieselbe Stadt kommen.' bei der 
eroberung von Ilolmgard (Novgorod) erbeutet könig Vilcinus c 22 
soviel gold und silber und so mancherlei kostbarkeiten , 'dafs er nie 
vorher einen solchen sieg gewonnen hatte, seitdem er zuerst in den 
krieg gezogen', die bekanntschaft aber der sächsischen kaufleute 
und Seefahrer mit jenen östlichen gegenden, zumal mit Novgorod 
reicht in eine ziemlich frühe zeit hinauf. 

Adam von Bremen II, 19 bezeichnet Ostrogard in Rufsland 
als den östlichsten punct der seefahrt in der Ostsee: per marc 
navim ingrederis ab Sliaswig vel Aldinburc (Oldenburg in Holstein) 
ut pervenias ad Jumne. ab ipsa urbe vela tendens quarto decimo 
die ascendes ad Ostrogard Ruzziae, cuius metropolis civitas est 
Chive, aemula sceptri constantinopolitani; ebenso IV, 11: affirmant 
Dani secundo flatu per mensem aliquos a Dania pervenisse ad 
Ostrogard Ruzziae. die starke interpunetion vor dem relativ in der 
ersten stelle, das sich nicht auf Ostrogard, sondern auf Ruzzia 
bezieht, in Lappenbergs neuer ausgäbe leitet irre. Adam unter- 
scheidet deutlich an beiden stellen Ostrogard als einen theil von 
Rufsland, dessen hauptstadt Kiew ist. das scholion 116, das Ilel- 
mold 1, 1 wiederholte, wonach Ruzzia vocatur a barbaris Danis 
Ostrogard, kann also nicht füglich von Adam selbst herrühren, es 
enthält auch nachweislich zwei falsche oder ungenaue angaben, 
indem es noch hinzufügt: haec etiam (Ruzzia) Chungard appellatur 
eo quod ibi sedes Hunnorum primo fuit, was Helmold gleichfalls 
wiederholt. Chungard ist gleich dem altn. Kcenugardr, bei Saxo p. 
240 Cönogardia, das nichts mit Kvacnland und den Kvaenen in 
Finnland zu schallen hat, wie Zeufs s. 687 im widersprach mit den 
von ihm selbst angeführten stellen annimmt, sondern eben Kiew 
ist (vgl. zeitschr. 10,165). Chungard ist also, wie Ostrogard, nur ein 
theil von Rufsland. Ostrogard aber oder Austrgardr ist ein den Dänen 
und im norden ganz unbekannter name: bei ihnen hiefs der ganze 
slavische und finnische osten Austrriki, Austrlönd, Austrvegr, und 
was bei Adam Ostrogard ist, biefs vielmehr Holmgardr, Holmgarda- 
borg, Holmgardariki. Ostrogard ist deutlich Novgorod, mnd. N6- 
garden Lübek. urkundenb. nr. 317 a. 1269, Nougarten Dctmar 
1, 343, rahd. Nögarlen meister Altswert 161, lt. 214, 8, mlat. 
Nogardia, dessen gebiet zwischen der Newa und Narwa die sce be- 
rührte, ebenso wie Ostrogard bei Adam wird auch Nogarden in 



346 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

lübschen Urkunden als der östlichste punct an der Ostsee bezeich- 
net, Lübek. urkundenb. nr. 402 a. 1280 ... in portu Travene vel 
in Noresunt vel abinde usque in Nogardiam vel in toto mari orien- 
tali et in omnibus portubus et navigii locis mtermediis . . . ; 
ebend. nr. 435 a. 1282 ... in portubus Travene vel Noressunt 
aut abinde usque Nogardiam in toto mari orientali. und wie im nor- 
den Holmgardsfarar (Islend. sog. 1, 131. Fornm. sog. 2, 95, vgl. 
Petersen gammeln ordisk geografi 1, 113. 114). so gab es in Lübek 
Novgorodfahrer, bis auf den heutigen tag. wie Schaflarik (slav. 
alterthumsk. 2, 94) noch die identität von altn. Holmgard und Nov- 
gorod bestreiten konnte, begreife ich nicht recht, ein zweifei ist 
hier gar nicht möglich, wo es so manche beweisende stellen gibt, 
so z. b. wenn in der von Werlauff (symbolae ad geogr. med. aev. 
s. 10) herausgegebenen altnordischen geographie Holmgardr, Kce- 
nugardr (Kiew), Palteskia (Polotzk) und Smaleskia (Smolensk) als 
die hauptstädte (höfudgardar) vonGardariki aufgeführt werden , so 
kann Holmgardr vernünftiger weise doch nichts anders als Novgo- 
rod sein, das nicht ungenannt bleiben konnte: eine ähnliche stelle 
kommt in der Eymundssaga vor (P. E. Müller sagabibl. 3, 17S); 
alle belege wird man jetzt in Rafns mir hier nicht zugänglichen An- 
tiquites russes beisammen finden, in hss. der Gönguhrölfs saga 
(Fornald. sog. 3, 362) wird ausdrücklich erklärt : i Holmgardaborg 
er mest atsetr Gardakonüngs, bat er nü kallat Nöyardr, und die alt- 
schwedische Übersetzung der Thidrekssaga gibt c. 17. 159. 253 
Holmgard mit Nögarä wieder, der name Holmgardr nordisch ge- 
deutet passt allerdings gar nicht auf Novgorod ; aber Holmgardr ist 
auch nur scheinbar nordisch, im gründe der ältere slavische name 
für die am Ilmensee (altruss. ozero Ulmen) gelegene Stadt (gorod). 
ist aber Ostrogard dasselbe mit Holmgard, so mufs es ein von dem 
nordischen unabhängig, aber gleichfalls sehr früh entstandener alt- 
sächsischer name der Stadt sein, der wohl schon mit dem zwölften jh. 
dem Jüngern Nögard, IVougard wich, die zeitige bekanntschaft der 
Sachsen mit der Stadt wird dann auch durch die Hartungensage 
erwiesen, die wenigstens schon in der ersten hälfte des zwölften 
jahrh., wenn nicht früher, dort localisiert war. 

Dem dienst der nahanarvalischen brüder. die die Römer dem 
Castor und Pollux verglichen, stand nach Tacitus (Germ. c. 43> ein 
sacerdos muliebri ornatu vor. beim ausbruch des sog. marcoman- 
nischen krieges im j. 167 drang ein häufe von jenen zwischen der 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXIV. 347 

obern Oder und Weichsel angesefsenen Völkerschaften, zu denen 
die Nahanarvalen gehörten, südlich über das gebirge gegen Dacieu 
vor und fafste im nördlichen Ungarn fufs. Capitolin (vit M. Aurel. 
c. 14. 22, vgl. zeitschr. 9, 133 f.) nennt die eindringlinge Victuali, 
bei Dio 71, 12 (Petrus Patric. exe. legg. Bonn. p. 124, vgl. ztschr. 
9, 132 f.) heifsen sie v Aaxiyyai , beim triumph des Marc Aurel 
(Capitolin. vit. c. 17, Eutrop. 8, 6, 13) wurden sie wohl als Vanda- 
len mit aufgeführt jedesfalls geht auf den nun an der obern Theis 
angesiedelten volkshaufen alsbald der name Vandali oder Vandili 
über, der noch zu Plinius und Tacitus zeit den ganzen östlichen 
stamm umfafste. es kommt auch für diese Vandali noch ein paar- 
mal (Tab. peut. Zosim.) der speciellere name Lugiones vor, der bei 
Strabo Tacitus Ptolemaeus (in starker form Lugii) die südliche ab- 
theilung der ostvülker zwischen Oder oder Riesengebirge und Weich- 
sel begriff, von denen jene gegen Dacien vordringenden ohne allen 
zweifei ausgegangen waren, die sache ist so zu erklären, der cul- 
tus der Nahanarvalen (Germ. c. 43) war ehemals, in eben dem sinn 
wie der der Nerthus bei den Nordseevölkern und der des regnator 
omnium bei denen des mittlem Deutschlands nach Germ. c. 39. 40, 
dem ganzen östlichen stamm gemeinsam, ihn verpflanzten die 
schaaren , die sich Victualen nannten, an die obere Theis und 
so blieb der name des Stamms auf ihnen haften, den beweis für 
diesen durch geographie und geschichte gebotenen Zusammen- 
hang liefert der name ^Ldoriyyoi. Astingi oder richtiger Hasdingi 
ist bekanntlich der name des vandalischen königsgeschlecht. got. 
Hazdiggös ahn. Haddingjar aber bedeutet männer mit frauenhaar. 
die meinung (zeitschr. 10, 556), dafs ahn. baddr schleier, kopftuch 
bedeute, läfstsich nicht aufrecht halten; aus Gudrünar t qv. 1, 15 
ergibt sich nur dafs haddr speciell das aufgebundene frauenhaar 
ist. Hasdingi, Astingi sind also viri muliebri ornatu und der schlufs 
ist nicht abzuweisen dafs das vandalischc königsgeschlecht ehemals 
zu dem eultus des Stammes in demselben Verhältnis stand wie die 
Ynglinge und Skiöldunge zu dem eultus des Freyr in Schweden und 
Dänemark. 

Auch der mythus von den nahanarvalischen brüdern ist uns 
vollständig durch die heldensage aufbewahrt, wir finden ihn in den 
Überlieferungen des dreizehnten Jahrhunderts als sage von den Här- 
tungen d. i. Hazdingen (myth. 317) bei den Slaven localisiert. da 
aber Slaven oder Wen<Ten schon im achten und neunton Jahrhundert 



348 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

(Wessobr. gl. bei Wackernagel Wessobr. geb. s. 74, vgl. Diut. 2. 
353, zeitschr. 5, 200 u.s.w.) den verschollenen Vandalen gleichge- 
setzt wurden, so sind jene in der spätem sage für eine frühere zeit 
natürlich in diese umzusetzen, die sage erkennt deutlich, wenn auch 
indirect, den mythus noch als einen vandalischen an. 

Die süddeutsche sage des dreizehnten jahrh. weifs von Hart- 
nit oder Hartunc von Riuzen, wie es scheint, nichts weiter als den 
namen, Haupt vorr. zu Engelhard s. IX. die Thidrekssaga aber 
kennt nach norddeutscher Überlieferung zwei oder gar drei slavische 
Hertnide. zuerst einen Hertnid von Hulmgard d. i. Nogarden, von 
dem sie aber nicht viel zu berichten weifs. sein bruder beifst Hir- 
dir c. 22 d. i. niederd. Herder (Lüb. urkundenb. nr. 192 a. 1253 
u. s. w.) alts. Hardheri (vgl. unten nr. XXXI unter Herding) , seine 
söhne und nachfolger sind die könige Osantrix von Vilcinaland, 
Waldemar von Rufsland und der jarl llias von Griechen, (af Greka), 
der von einem kebsweib geboren ist. sein gegner ist der könig 
Vilcinus von Vilcinaland (nr. XXIII), seine sage aber ohne allen 
epischen gehalt. doch verspricht c. 167 Mime dem Siegfrid, um sein 
leben zu retten, einen heim, einen scliild und eine brünne, die er 
für Hertnid von Holmgard gemacht hat, 'die besten aller waffen',* 
und dies beweist dafs der name der reichern sage und des mythus 
nur verlustig gegangen ist, offenbar durch die anknüpfung der 
genealogie. Oserich der Wilzenkönig, der Ermenricbs- und Etzelsage 
angehörend, hatte mit Hertnid von Nogarden vor der einmischung 
des Vilcinus nichts zu thun (nr. XXIII), und Waldemar von Rufs- 
land kann nicht vor dem elften jahrh. in unserer heldensage einen 
platz gefunden haben, ehe Wladimir der grofse ums j. 1000 über 
Rufsland herschte. der losen, ungläubigen anknüpfung des drit- 
ten namens, des jarl llias af Greka. aber wird Hertnid erledigt, sobald 
die Vervielfältigung seiner person in der Überlieferung der Thidreks- 
saga nur, wie es auch sonst vorkommt, aus dem bestreben herrührt, 
einen gewissen chronologischen Zusammenhang verschiedener sagen 
herzustellen. 

Der zweite Hertnid, den die Thidrekssaga kennt, ist nemlich 
selbst ein söhn des jarl llias von Griechen und auch sein bruder 
heifst Hirdir c. 31, Osid freilich nach der alten Stockholmer hs. 

* nach der vorrede des bcldeubuclis war auch der sclimid Wieland bei 
könig Hertnit in Gefangenschaft, Wh. Grimm heidens. s. 2SS. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XX[V. 349 

und der schwedischen Übersetzung; sollte hier auch Hirdir er,st in 
den Jüngern hss. mit rücksicht auf c. 22, der Übereinstimmung 
wegen, in den text gekommen sein, so ist umgekehrt gewiss der name 
Osid von dem verfafser der saga oder seinem berichterstatter nur 
der Unterscheidung wegen für Hirdir oder Herder gesetzt. Osid 
heifst auch c. 39 der vater Attilas, sein älterer bruder Ortnid oder 
Otnid und dessen söhn wieder Östd. Ortnit aber und Hartnit 
wechseln in unserer sage, wie wir sehen werden; ja auch die alt- 
schwedische Übersetzung hat c. 33 = c. 39 (Unger) Herding d. i. 
Hertnid oder Harding? (s. nr. XXXI) für Ortnid und umgekehrt 
setzen die jungem hss. c. 417 (T. Hertnid, wo die schwedische Über- 
setzung Ortnid für die jetzt lückenhafte alte Stockholmer hs. be- 
zeugt, die saga berichtet zunächst von dem jarlssohn Hertnid dafs 
er im dienst seines oheims Osantrix als böte mit einer gefährlichen 
brautwerbung nach Hunaland gesandt, dort gefangen gesetzt, dann 
wieder befreit wird, ferner dafs er mit seinem bruder Hirdir (c. 49 
nach dem zweiten text der Stockholmer hs.) die Werbung Nordungs 
um Erka bei Osantrix unterstützt und später c. 137 an dem kriege 
gegen Attila theilnimmt und den betäubt am boden liegenden Vidga 
binden läfst. es ist daraus wenigstens soviel zu entnehmen dafs der 
genealogischen anknüpfung der beiden bruder an den jarl Uias af 
Greka ein gewisses alter der Überlieferung zukommt, da die quelle 
der saga für die geschichte von Osantrix brautwerbung eine dem 
könig Ruther nahverwandte Spielmannsdichtung war. diese dich- 
tung aber, wenn sie unabhängig von dem bericht über Vilcinus und 
Hertnid von Nogarden, die genealogie die Hertnid an die spitze des 
geschlechts stellte nicht kannte, könnte eben diesen und seinen 
bruder mit den söhnen des Ilias gemeint haben , die als ganz junge 
leute, Hertnid elf, Hirdir zehn jähr alt nach c. 31, an den hof des 
Wilzenkönigs gekommen sein sollen, auf jeden fall wird bei dieser 
Verflechtung der beiden Hartunge in die geschichte des Wilzen- 
königs und bei ihrer Verpflanzung ins Wilzenland ihre herkunft aus 
Rufsland und damit auch das höhere alter der Hartunge in Rufs- 
land oder Nogarden anerkannt, denn Ilias von Griechen ist ge- 
mäfs dem altern Sprachgebrauch , von dem sich bis ins dreizehnte 
jahrh. spuren finden (zeitschr. 10, 165 f., vgl. Iwein 7554 ze Riuzen 
AEbd, ze Kriechen BD), ein Ilias von Riuzen; was ein späterer be- 
richt der saga auch noch deutlich anerkennt, denn der jarl af Greka, 
der c. 30S. 309 Hildebrand vom rosse sticht, nach dem alten text 



350 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

den hier wieder die schwedische Übersetzung c 262. 263 vertritt 
ein brudcr küoig Waidemars, ist gewiss Dias, und auch der jarl Iron, 
der gleichfalls Waidemars bruder heifst, c. 314 nur von ihm ver- 
schieden weil der berichterstatter, dem der rechte name entfallen 
war, ihn durch einen andern zu ersetzen wagte, diesem Iron-Ilias 
übergibt Attila c. 315 nach Waidemars fall die herschaft über ganz 
Rufsland gegen einen tribut, nnd nur so kommt es dafs Hildegunde 
in der saga c. 24 1 des jarls Uias af Greca tochter ist und sich als 
geisei an Attilas hofe befindet, was die angenommene Identität von 
Ilias und Iron vollkommen bestätigt, der söhn des Ilias von Riuzen 
ist aber notwendig ein Hartnid von Riuzen und als solcher gleich 
dem von Nogarden. 

Das gewicht dieser folgerung ergibt sich sogleich, nach c. 
292 der saga soll dem Osantrix ein söhn Hertnit in der herschaft 
über Vilcinaland gefolgt sein, von dem bisher gar nicht die 
rede gewesen ist; ebenso auffallend ist das plötzliche vergefsen der 
beiden neffen. die Vermutung dafs hier dem sagaschreiber nur ein 
versehen passiert bestätigt c. 350, wo die papierhss. allerdings den 
Osantrix Hcrtnids vater nennen, die alte Stockholmer aber seinen 
vaterbruder. Hcrtnid von Wilzenland, der nachfolger des Osantrix 
ist also der söhn des jarl Ilias von Griechen, seine Verpflanzung 
nach Vilcinaland aber nur eine folge jener Spielmannsdichtung, dem 
verfafser der saga lag nach c. 355 eine 'allmikil saga' von diesem 
Ilertnid vor, von dem er nur einen theil in sein werk aufnahm, offen- 
bar weil der weitere verlauf der geschiente des helden aufser allem 
zusammenhange mit dem kreise Dietrichs und Attilas stand, war aber 
dies der fall , so mufs nicht nur die Verpflanzung nach Vilcinaland 
spät und willkürlich sein, sondern man mufs die sage auch früher 
einmal, da das heldenthum mit Dietrich und Etzel zu ende geht, in 
eine höhere vorzeit, vor Dietrich und Etzel verlegt haben, wie die 
Thidrekssaga und die genealogie auch so noch ganz richtig den 
Hertnid von Holmgard ansetzt so vereinigt sich bei der betrach- 
tung der in der saga vorliegenden norddeutschen Überlieferung 
schon alles dahin, um eben diesen für den ehemaligen eigentlichen 
träger der sage und des mythus zu halten, die entschiedenste be- 
stätigung gewährt die süddeutsche sage. 

Der mythus oder die sage von den Haddingen war im norden 
sehr früh bekannt, in der uralten nordischen sage von den Arn- 
grimssöhnen heifsen die beiden jüngsten der zwölf brüder die tveir 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXTV. 351 

Haddingjar (Hyndlui. str. 22, SaxoV p. 250, Fornald. sog. 2, 212) 
und die Hervararsaga c. 3 sagt von ihnen dafs sie als Zwillinge ge- 
boren seien und beide zusammen nur so viel vermocht hätten als 
jeder ihrer brüder. es gab auch ein altes, in der prosa am schlufs 
der letzten Helgaquida erwähntes lied , das einen theil der sage in 
einer eigenthümlichen Umbildung behandelte, indem zur fortsetzung 
der reihe der nordischen Helgen ein held dieses namen als kämpfe 
für den altern Hadding eingeschoben war und als solcher den unter- 
scheidenden beinamen Haddingjaskadi oder wohl richtiger Hadding- 
jaskati (Fornald. sog. 2, 8) erhalten hatte, noch weiter, auf dem gründe 
des alten Jiedes ; umgestaltet findet man dann die sage in der Hrö- 
mundar saga Greipssonar (Fornald. sog. 2, 372 ff.), womit noch 
Saxo VI p. 290 — 297 zu vergleichen ist. auf die geschichte und 
kritik der nordischen Überlieferung gehe ich hier nicht weiter ein, 
die vergleichung mit dem bericht der Thidrekssaga über Hertnids 
von Vikinaland kämpf mit Isung und seinen sühnen lehrt leicht auf 
wie uraltem gründe diese norddeutsche Überlieferung ruht, die Zau- 
berin Ostacia, die mit ihrem wilden heer oder ihrer fahrenden 
truht dem Hertnid beisteht und die selbst, wie es in deutschen 
gedichten c. 352 hiefs, als fliegender drache aus der luft am kämpfe 
theilnahm, ist gleich der valkyrie Kära des altnordischen lieds, die 
in schwangestalt singend über dem geliebten helden schwebte und 
durch ihre zaubcrlieder seine feinde lähmte, da uns aber die 
Thidrekssaga den zweiten theil der geschichte Herdnits vorenthält 
und auch im norden der zweite theil der Haddingensage früh ver- 
geben oder überhaupt unbekannt geblieben ist, so würden wir 
höchstens aus dem brüderpaar, von denen der eine jüngere in der 
sage noch unthätig bleibt, auf einen Dioskurenmythus scbliefsen 
können, dafs wir ihn vollständig kennen, verdanken wir allein der 
süddeutschen sage, die den fränkischen Wolfdietrich auf seinen 
irrfahrten im osten nach Nogarden in Hartnids reich gelangen liefs 
und hier an die stelle des Jüngern Härtung, des Hirdir Herder oder 
Hardhere brachte, der bericht der Thidrekssaga c. 417 — 422 setzt 
missverständlich Dietrich von Bern für Wolfdietrich, ich lege kein 
gewicht darauf, dafs die papierhss. hier den Ortnid Hertnid nen- 
nen (vgl. oben s. 349). der Ortnit von Garten des hochdeutschen 
gedichts, der angebliche neffe des königs Ilias von Riuzen ist augen- 
scheinlich Hartnid von Nogarden, des jarl Ilias von Griechen söhn, 
nur ein missverständnis oder ein besonderer localhistorischer um- 



352 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

stand konnte die Ursache sein den sitz des mächtigen kaisers Ortnit 
nach dem kleinen Garda am Gardasee zu verlegen, wir sehen jetzt 
dafs die sage Nogarden, Novgorod mit dem im südöstlichen Deutsch- 
land bekannteren italiänischen ort verwechselte und dafs Ortnid 
nur in folge dieses missverständnisses aus Rufsland nach Lam- 
parten und Italien gekommen und zum kaiser von Rom geworden 
ist. die abgerifsene notiz derThidrekss. c. 167, dafs Mime 'die besten 
aller wafTen' für Hertnid von Holmgard geschmiedet habe, liefert 
einen zweiten beweis für die Identität Hertnids und Ortnits, der 
die kostbarste rüstung besitzt, die die heldensage überhaupt kennt, an- 
geblich als ein geschenk des zwergsAlbrich, der sogar zum vaterdes 
helden gemacht wird, die spätere sage verrät mehrfach auch bei Diet- 
rich (nr.XXI,7) und bei Hagen die neigung helden eine dämonische 
oder elbische abkunft zu geben und Albrichs einmischung. wird 
hier um so mehr von sehr jungem datum sein , weil nicht nur die 
tirolische dichtung, der aller Wahrscheinlichkeit nach das hoch- 
deutsche gedieht von Ortnit nebst dem Wolfdietrich A (Wolfdiet- 
rich und Sahen) angehört, mit Vorliebe die zwergensage eultivierte, 
sondern zumal weil noch der könig Ilias von Riuzen , der neben 
Ortnit von Lamparten und seinen italiänischen helden sich wun- 
derlich genug ausnimmt, unvergefsen ist. Albrichs einmischung 
war die Ursache ihn vom vater zum oheim herabzusetzen, tritt er 
wieder an seine alte stelle, wie in der norddeutschen sage, kann der 
Wechsel der namen Hartnit und Ortnit weiter kein bedenken 
machen. 

Jetzt ist der Dioskurenmythus in der sage nicht zu verkennen, 
wenn auch an einzelnen stellen der Zusammenhang der ergänzung 
aus analogen altern sagen bedarf, der ältere vornehmere Härtung, 
von dem Jüngern als Hartnit unterschieden, erstreitet gegen ein 
riesisches, winterliches geschlecht, die zwölf Isunge (in der Hrn- 
mundarsaga geschieht der kämpf auf dem eise) ein schönes gött- 
liches weib, das wohl demselben geschlecht angehörte, aber dem 
geliebten im kämpf gegen die ihrigen beisteht, mit seiner goldglän- 
zenden rüstung angethan verfällt er später einem drachen, der ihn 
verschlingt, der jüngere Härtung, als Harthere von dem altern 
unterschieden, im mhd. epos durch Wolfdietrich vertreten, er- 
schlägt dann den drachen, legt die rüstung und wafTen Hartnits an, 
bändigt und besteigt sein ross (Thidrekssaga c. 419, Snor. 180) 
und wird darauf von der trauernden wittwe an des bruders statt 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXIV. 353 

als gemahl angenommen, der mythus von den jugendlichen Iicht-r 
spendenden, rossebändigenden, streitbaren götterbrüdern gehört zu 
den allerältesten, da mit den griechischen Dioskuren die arischen 
Acvinäu (die beiden reiter) und Divonapätas übereinkommen und nun 
noch unser deutscher mythus hinzutritt, die interpretatio romana 
der vandilischen Alci durch Castor und Pollux konnte nicht ge- 
nauer sein, dafs aber die Alci oder mythischen Hazdinge, die epi- 
schen Hartunge den nordischen göttern Baldr und Vau (nicht Hödr 
oder gar Hermödr, wie ich 1843 in den nordalb. stud. I, 30 ff. und 
de poes. chor. p. 8 vermutete) entsprechen werde ich ein ander 
mal zeigen, das Verhältnis unter den verschiedenen Überlieferungen 
ist hier, wie in unserer mythologie durchgehends, dafs die deutsche 
sage von einer älteren gestalt des mythus ausgeht als die dänische 
bei Saxo, dafs diese aber im gründe wiederum älter ist als der in 
den Edden vorliegende mythus. die alemannische, vielleicht ehe- 
mals bairische sage von den brüdern Baltiam und Sintram (Grimm 
deutsch, sag. 1, 301, Wackernagel in dieser ztschr. 6, 156 ff. vgl. 
nr. XXI, 6) gibt den deutschen oder vandilischen mythus in einer 
etwas abweichenden, einfachein gestalt und zwar so dafs man den 
übertritt des göttermythus in die heldensage noch ganz deutlich 
sieht. Baltram ist Baltar, der gott unter einem heroischen namen; 
Sintram aber, wie der jüngere bruder heifst, zeigt nur den gefährten 
oder nachfolger des gottes an, wie Sinthgund im Merseburger Zau- 
berspruch die gefährtin oder hypostase der eilenden sonnengöttin. 

Zugleich mit diesem mythus haben wir nun ein wichtiges, 
vielleicht das älteste Zeugnis für die rufsische heldensage gewon- 
nen, freilich läfst es sich nicht beweisen , aber es ist doch sehr 
wahrscheinlich dafs Waldemar schon aus der rufsischen sage und 
nicht unmittelbar aus der geschichte genommen ist, da nach den 
oben besprochenen capp. 308. 309. 314. 315 der Thidrekssaga 
Ilias zu seinen kämpfen gehört. Ilias af Greka oder von Riuzen ist 
nemlich unzweifelhaft der Ilija von Murom der rufsischen sage, der 
hauptheld unter den wunderhelden Wladimirs des. grofsen. der 
alttestamentliche name Elias ward nur im munde der Slaven, nicht 
der Deutschen zu Ilija Ilias , und der grofse prophet und kirchen- 
heilige Elias ist nicht nur bei den Serben (myth. 157), sondern 
auch bei den Rufsen an die stelle des donnergottes getreten, der 
Ilija der heldensage aber scheint nur eine epische Umbildung des 
nach dem propheten benannten gottes zu sein, die deutsche sage 
Z. F. D. A. XU. 23 



354 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

erkennt die entlehnung durch den zusatz 'von Griechen' oder 'von 
Riuzen' an. bei der entlehnung hatte man die deutlichste Vor- 
stellung von dem rufsischen helden: sie bricht noch in dem kämpf 
niit Hildebrand und in der darstellung des hochdeutschen gedichts 
durch, vgl. bei Ettraüller s. 52 ff. Ilias aber mufs durch Nieder- 
deutsche zuerst in die deutsche sage verpllanzt sein und die hoch- 
deutsche sage rufst auf der niederdeutschen, nun lehrt die verglei- 
chung des hochdeutschen gedichts von Ortnit mit der Thidrekssaga 
c. 417—422. der Flucht 2033 ff. (altd. wäld. 2, 121 ff.) und dem 
Wolfdietricli B (nach der schlechtesten hs. gedruckt in von der 
Hagens heldenbuch 1855) dafs von Ortnit schon im zwölften jahrh. 
im obern Deutschland gesungen sein mufs. auch der Ruther setzt 
im wesentlichen schon die darstellung der Wolfdietrichssage voraus, 
die wir später in den hochdeutschen gedieh ten finden, vgl. ztschr. 
6, 446 ff. damit in Übereinstimmung kommt um 1 190 unter Urkun- 
den des klosters Scheiern in Oberbaiern, in einer landschaft wo 
aller Wahrscheinlichkeit nach im dreizehnten jahrh. ein Wolfdietrich 
gedichtet wurde, als zcugi- ein Ilias de Entichoven MB. X p. 402, 
de Chamera p. 406, de Antichoven p. 417 vor, ein sicheres Zeug- 
nis dafs dort schon vor 1170 der slavische name und held bekannt 
geworden war. die entlehnung durch die niederdeutsche sage darf 
daher mit Sicherheit in die erste hälfte des zwölften jahrh., vielleicht 
sogar noch in das elfte gesetzt werden. 

Ich kann hier den wünsch nicht unterdrücken dafs man sich 
bald in Rufsland mit gleicher liebe der heimischen nationalen sage 
und dichtung annehme, wie der finnischen, ehstischen und tatari- 
schen, und vor allem den bestand der Überlieferung den anfor- 
derungen der heutigen wifsenschaft gemäfs darlege und allgemein 
zugänglich mache, dem vernehmen nach sollen schon andere auf 
die Dietrichs- oder überhaupt die deutsche heldensage bezügliche 
stellen in rufsischen Chroniken oder andern quellen aufgefunden sein 
und das zeugnis nicht mehr allein stehen das zu diesem excurs 
anlafs gab. eindringende forschung wird vielleicht noch tiefere be- 
züge zwischen dem deutschen und rufsischen volksepos entdecken. 

XXV. 

Richalmi Speciosae-vallis in Franconia abbatis hb. revelatio- 
num de insidiis daemouum c. XCV in Pez thesaur. aneedotor. I, 
2 p. 451: 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXV. XXVI. 355 

. . similiter factum est de tali fratre. cum enim rogabatur ut 
iret ad ordines, forte per quindecim dies ante saepe audivi, cum 
tussiret, inter tussiendum quod daemon ciamaverit alta voce in eius 
ore 'remane hie', sed cum factum esset ut ego cum aliis eum 
flexissemus ut iret ad ordines , et consentiret et postea ad sextam 
in choro convenissemus, daemon aperta voce et magna indignatione 
me vituperavit damans contra me 'buchs gutgut gutgut', et prae- 
terea convertit sermonem ad ipsum fratrem dicens ' o bone frater, 
nescis tu quod ipse est Sybecho : ' quod nomen cuiusdam prodiloris 
seil traditoris fuit, sicut refertur in antiquis fabulis; quasi diceret 
'iste est traditor saevissimus, ne acquiescas ei'. 

Die auffinduDg dieses Zeugnisses verdanke ich Haupt das 
Cistercienser kloster Schönthal an der Jaxt, im würtembergischen 
oberamt Künzelsau, imj. 1157 gestiftet, gehörte zur würzburgischen 
diöcese. Pez praef. p. LXXIII vermutet dafs Bichalm hier um 1270 
geblüht habe, nach Usserman (episcop. Wirceburg. p. 366) war er 
abt von 1216 — 1219, nach Schönhuth (chronik des klosters Schön- 
thal 1850) von 1213—1219. Stalin wirtemberg. gesch. 2, 718 
versichert dafs Bichalm in Urkunden nicht vorkomme, in dem ab- 
schnitt über kunst und wifsenschaft p. 776 erwähnt er seiner nicht, 
man wird nach dieser notiz sich wohl noch einmal etwas näher 
nach ihm umsehen. 

XXVI. 

1. Zu den spielmannsmäfsigen zügen der Klage gehört v. 1426 
der name Poymunt für Rüdigers pferd. Lachmann s. 290 glaubt 
dafs er aus einem französischen roman entlehnt sei, und dies ist 
allerdings sehr wahrscheinlich, doch mache ich darauf aufmerk- 
sam dafs der name als beiname schon früher um 1150 vorkommt: 
Heinricuscognomento£otmuntMB.MI,50. istdabei an den norman- 
nischen fürsten gedacht und etwa nach diesem auch das'Boiroundes 
castel' in der kaiserchronik 231, 11 Diem. benannt? ein trierischer 
ministerialis Boemund oder Boimunt ist urkundlich schon von 
1119 — 1162 nachweisbar, Beyer mittelrhein. urkundenb. s. 740. 
namen beweisen dafs manche fremde sagenstoffe bekannt waren 
ehe sie deutsch bearbeitet wurden. Jac. Grimm (über eine Urkunde 
des XII. jh. s. 23) meint, die namen kerlingischer beiden seien un- 
beliebt gewesen, er wifse keinen der sich Boland oder Olivier 
genannt hätte, aber schon um 1100 ist eine Cölner Urkunde bei 

23* 



356 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Lacomblet I nr. 258 von einem Olifier mit unterschrieben; der 
Cölner scholasticus Oliver Lacombl. II nr. 6 a. 1202, nr.9 a.1203, 
nr. 56 c. 12 10, der als bischof von Paderborn und cardinal von 
s. Sabina 1225 starb, war von geburt ein Westfale, Wattenbach 
deutsche geschicbtsq. s. 417. ein presbyter Marsilius kommt bei 
Lacomblet I nr. 425. 453 a. 1166. 1176 vor und auch noch später 
dauert der name fort: Marsilius ministerialis II nr. 57 a. 1216, de 
Durscheide nr. 72 a. 1218, de Konighoven nr. 156 a. 1228, abbas 
nr. 748 a. 1281, de Ovelgrunde nr. 812 a. 1285, vgl. Gotfr. Hagen 
reimchron. 4405. man wird aber zweifelhaft ob er aus der kärlin- 
gischen sage entlehnt ist, weil daneben Carsilius Lacombl. 1 nr. 429. 
466 a. 1168. 1178, II nr. 57. 142. 521. 818 a. 1216. 1226. 1262. 
1286 oder Garsilius H nr. 193. 335 a. 1233. 1248 gebräuchlich 
ist, vgl. Beyer nr. 490 a. 1136 Karsilius, nr. 532 a. 1144 Garsilius 
de Cherpene, nr. 578. 608. 619 a. 1158. 1160 Garsilias, Garsilius, 
Garsirius de Contz. mit mehr Sicherheit läfst sich die entlehnung 
bei dem bairisr.hen Marsilie de Gehenstorf MB. neocell. 9, 552 a. 
1 1 55 behaupten, und keinem zweifei unterliegt sie bei Theodericus 
Ogier oder Ogyr Lacombl. II nr. 5. 70 a. 1202. 1217, sie ist auch 
anzunehmen wenn bei Lacomblet Tirricus für Theodericus, Thied- 
ricus steht, und nicht unwahrscheinlich bei Vivianus I nr. 364 
a. 1 148, Beyer nr. 612 a. 1158. der bairische Luitpoldus Troie MB. 
IV, 38. 47 a. 1130. 1134 aber hatte seinen beinamen wohl nur 
von einer treien oder troien (Haupt zu Neidh. 36, 7), und nicht von 
Troye der alten. Alexander fand ich zuerst wieder bei Beyer nr. 487 
a. 1136 filius Hereberti de Conz, s. 731 a. 1136 — 57 archidiaconus 
trevirens., nr. 658 a. 1169 scabinus de curia, und bei Lacomblet 
frater Conradi deLinnepe I nr. 368 a. 1150, frater Danielis I nr. 
464 a. 1178, vgl. II nr. 202 a. 1235 und früher; ferner Piramus 
oder Pyramus magister oder scolasticus s. Gereonis in Cöln La- 
comblet I nr. 447. 474. 503. 537. 547 a. 1170—1195; frater 
Amelius I nr. 342 a. 1140, Amilius nr. 425 a. 1166 Beyer nr. 659 
a. 1169, de Owc in Jülich Lacomblet II nr. 196. 197 a. 1234 (vgl. 
Mone anz. 5, 420), Amicus prepositus de Beke I nr. 462 a. 1 177; 
Apolonius II nr. 36 a. 121 1. Jac. Grimm (über eine urk. des XII. 
jb. s. 23) wies den namen Walewan 'also nach der niederländischen 
gestalt' schon in einer bairischen Urkunde von 1188 MB. XIII, 126 
nach und bei Caesarius von Heisterbach 1, 27 Walewanus miles in 
Hemmenrode, nach Caesarius (nr. XIX, 5) soll auch schon unter 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVI. 357 

Heinrich VI ein deutscher pfaffe auf Sicilien in erfahrung gebracht 
haben dafs könig Artus in der hölle brenne, aber der bäirische 
Iwan oder Yban de Chamere in der zweiten hälfte des zwölften 
jahrh. MB. IX, 546. X, 403 und die spätem von Jac Grimm s. 22 
angeführten, ferner der Iwanus de Hülhoven und de Budderich bei 
Lac. H nr. 70. 129 a. 1217. 1220, die zahlreichen holsteinischen 
Iwane, de Revetlo schlesw. holst, urkundens. I nr. 64 a. 1253, de 
Crumendike nr. 134, 19 a. 1300 u.s.w. weisen wohl ebensowenig 
auf den Artusritter als Iwan bei Meichelbeck nr. 93 vor 784. 

2. In einer Cölner Urkunde vom j. 1 147 im cod. Hirsaugiens. 
(Stuttgart 1843) p. 77 kommt ein Heinricus cognomento Vasolff 
vor. ob der name Vasolf oder Vasolt lautet, ist gleichgiltig. Mone 
(anz.5,418) sah darin mit recht ein Zeugnis für dieEckensage, deren 
ursprüngliche heimat am Niederrhein war und die nur durch Diet- 
rich von Bern nach Tirol gelangte, vgl. ztschr. 7, 425 und Simrocks 
romantisches Rheinland 1851 s. 324: 'im Honnefer thal heifst die 
gebirgsspalte, die gleich unterhalb der letzten häuser an dem soge- 
nannten Stern vorbei nach der Löwenburg im Siebengebirge führt, 
und durch welche ein scharfer, gefürchteter nordost hereinweht, 
die Faseltskaule. Dederichsloch heifst die Menzenberger thalschlucht 
in ihrer obern enge, neben welcher das jetzt sogenannte Geckenthal 
vielleicht einst Eckenthal hiefs, und Ebenrot ist eine der zwölf hun- 
schaften von Aegidienberg, das als eine colonie von Honnef auch 
Honnefer rott genannt wird.' einen Wernher dictus Vasolt aus Unter- 
Ingelheim vom j. 1269 wies Mone anz.6, 171 aus Bodmanns Rhein- 
gau, alterth. 1, 462 nach, einen Fasold von Fruindsberg vom j. 
1252 und zwei andere spätere aus Tirol Zingerle in Pfeiffers Ger- 
mania 1, 292, spätere aus dem vierzehnten und fünfzehnten jahrb. 
gleichfalls Mone in der heldens. s. 96 f., anz. 5, 144. 311 und Jac. 
Grimm über eine Urkunde des XH jh. s. 21.; Sigenote aus dem 
fünfzehnten jahrh. im anz. 5, 144. 

3. Kein mhd. gedieht nennt den söhn Hildebrands, dafs er in 
norddeutschen liedern und sagen des dreizehnten jahrh. bereits Ale- 
brand hiefs, wie in dem spätem hochdeutschen Volkslied, lehrt die 
Thidrekssaga c. 403 ff., vgl. Wh. Grimm heldens. s. 257. es ver- 
dient daher angemerkt zu werden wann dieser name zuerst auftritt; 
ich finde ihn bei Lacomblet nr. 367 a. 1149 Alabrandus et frater 
eius Bertoldus, nr. 383 a. 1155 Albrant, und früher als beinamen, 
Bescelinus cognomento Alebrandus, erzbischot' von Hamburg und 



358 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Bremen von 1035 — 1045 bei Adam. Brem. 2, 67, vgl. chron. brev. 
Brem. bei Pertz mon. SS. 7, 391. Adam nennt den erzbischof 
regelmäfsig bei dem beinamen 2, 6S. 74. 77. 78. 4, 40. — roma- 
nische Ali- oder Alprande aus dem neunten jahrh. (Förstern. 1, 64) 
kommen nicht in betracht. 

4. Sigistab findet sich doch einmal (gram. 2, 525) in ahd. 
Urkunden, nemlich necrol. Fuld. a. 866. damit stimmt mhd. Sige- 
stap und Sigstaf in der Thidrekssaga c. 85—87. 89. dafür aber 
hat die altschwedische Übersetzung (s. unten nr. XXXI) Segistop 
und dem entspricht Siegestappus in Cöln bei Lacomblet nr. 533 a. 
1191, Sistappus in Trier um 1200 Günther cod. rhen. mos. 2, 69 
(Mone anz. 6, 172), im calendar. necrol. Xantens, aus dem drei- 
zehnten jahrh. bei Binterim erzdiöc. Cöln 1 p. 383 Sigstapp laicus 
de Monumento, p. 400 Sigestappus presbyter, p. 406 Sigestapp 
cellarius, vgl. Mone heldens. s. 67. darnach sollte man hochdeutsch 
Sigestapf erwarten; Wernher vom Niederrhein, ohne zweifei ein Cöl- 
ner, reimt 51, 13: 

Nu bin ich kumin an den rechtin stap, 

propter quadrigas Aminadap. 
ich will nun nicht entscheiden ob ein niederrheinischer name im 
hochdeutschen falsch aufgefafst oder umgekehrt ein hochdeutscher 
am Niederrhein umgedeutet ist. composita mit ahd. stab alts. 
niederrh. staf ags. stäf altn. stafr waren als namen sonst ebenso 
wenig üblich als composita mit ahd. stapf niederrh. stap ags. stäp : 
das räthselhafte Chustaffus und das schwedische Gustaf altschw. 
Göstawär (GDS. 707) stehen ganz vereinzelt da.* beide namen ahd. 
Sigistab und niederrh. Segestap sind auch gleich verständlich, man 
kann Sigistap als masculinum zu Sigirün nehmen oder auch stab 
als symbol der gewalt verstehen, Segestap aber ahd. Sigistaph , ags. 
Sigestäp wäre ein siegreich einherschreitender: zum ags. hildstapa 
(Andreas 1259, vorr. s. XXXV, vgl. oben s. 245) würde sich Hild- 
stäpHiltistaph verbalten wie ahd.Rant- Ger- Gundwic zu ags. rand- 
gär- güdvlga, ahd. Anawalt zu ags. anvealda u. s. w. aber es ist 
allerdings das wahrscheinlichste dafs der hochdeutsche name den 

* Göstawär im Vestgötalag hat jedesfalls nichts mit güdr bellum pogna 
zu schaffen, wie Jac. Grimm a. a. o. meint, es ist wahrscheinlich ein später 
christlicher name. göz wird in Vestgötalag (s. 411) öfter für gops, gor bona, 
praedinm geschrieben und staver (s. 497) 'betekoas biskopsämbetet och de 
dertill hörande egendomar och internster'. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVI. 359 

niederrheinischen voraussetzt, außerhalb der heldensage findet man 
ihn nur im nordwestlichen, fränkischen Deutschland in gebrauch. 
iD der heldensage aber ist, abgesehen von dem räuber derThidreks- 
saga, den Witege erschlägt, Sigestap nach der altern Überlieferung 
des Biterolf, der Klage und Nib. (Wh. Grimm heldens. s. 104—106) 
der einzige unter den helden Dietrichs, der nicht zur sippschaft der 
Wülfinge gehört sondern Dietrichs specieller verwandter ist, und der 
auffallender weise neben ihm den titel eines herzogs von Bern 
führt, es liegt darnach die Vermutung nahe dafs bei ihm das rhei- 
nische Verona-Bonn ursprünglich gemeint war und dafs die hoch- 
deutsche sage dies nur verkannt und übersehen hat. Mone (heldens. 
s. 67) hat auch hier, wie oft, das richtige gesehen, aber zugleich 
wieder alles mögliche gethan, um es andern unglaublich und unan- 
nehmbar zu machen. 

5. Dafs die vom anfang des dreizehnten jahrh. bis ins fünf- 
zehnte in Urkunden nachweisbaren trucbsäfsen von AJzei, ein pfäl- 
zisches dienstmannengescblecht, eine geige im wappen führten, 
dafür brachte Wh. Grimm heldens. s. 323 f. nur ein zeugnis aus 
Storcks darstellungen aus dem Rhein- und Mosellande 1, 258 bei. 
urkundliche belege über das geschlecht gibt aufser Gudenus, Schan- 
nat episc. Wormat. und Lacomblet II nr. 27. 178. 193 a. 1209. 
1231. 1233 Job. Heinr. Andreae Alceia palatina illustrata (Heidel- 
berg 1777. 4), wo auch p. 23 eine notiz über das wappen vorkom- 
men soll, neuerdings hat auch Mone in der Zeitschrift für die gesch. 
des Oberrheins mehrere Urkunden mitgetheilt, die von gliedern des 
geschlechts unterzeichnet sind, und zu einer Urkunde von 1285 (a. 
a. o. 2, 444) auch die dazu gehörenden siegel beschrieben, die die 
obige angäbe bestätigen, die abbildung eines solchen nach einem 
exemplare, das mit noch einem zweiten einer Urkunde von 1262 
anhängt, findet man im anzeiger des germanischen museums 1859 
nr. 9 s. 321 vom archivrath Kausler in Stuttgart das wappen kann 
nicht aus der sage entnommen sein und es ist keineswegs 'eine 
anspielung' auf den küenen videlaere Volker von Alzeije; sondern 
vielmehr ist dieser eine erfindung der rheinischen spielmannspoesie 
des elften, zwölften jahrh. und vielleicht zu ehren der herren von 
Alzei in der nähe von Worms erdichtet, die erfindung aber setzt 
das wappen voraus. 

6. Den dominus Meinhardus Chriemhilt MB. VII, 115 a. 1228 
wies schon Mone heldens. s. 67 nach, der beiname beruht natür- 



360 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

lieb auf der Vorstellung, die sich von dem character der Kriembild 
aus dem zweiten theil der sage ergibt, so wird auch in einem ale- 
mannisch-schweizerischen gedieht von der Maria Magdalena , das 
gegen das ende des vierzehnten jabrh. gesetzt wird (Jos. Haupt 
beitrage zur künde deutscher Sprachdenkmäler Wien 18G0 s. 14, 
Sitzungsberichte der kaiserl. academie 34 s. 290), die Herodias 
treffend mit Kriembild verglichen: 

Diu schamlose tohter stuont 

sam Criemhilt diu vertane, 

wiplicher güeti äne, 

ein in dem sal enzwischen 

enmitten gen den tischen: 

daz bluot ir dur die hende ran. 
der name wird selbst appellativisch für ein böses, schlimmes weib 
gebraucht.- als Margareta Maultasch, die bei der Vertreibung ihres 
ersten gemahls, eines jungem bruders Karls IV aus Tirol im j. 1 34t 
mitwifserin gewesen war, später, wahrscheinlich nach dem In octo- 
ber 1361, das hoflager des kaisers besuchen wollte, schrieb der 
kaiserliche kanzler (zeit sehr. 6, 28): 'so hoff ich zu got, is sey ein 
rechte merchleich vasnacht abenteure , das Crimholt zu hofe varen 
welle', eine obseöne deutung wird dem namen gegeben an einer 
stelle des deutschen texts der nachricht von den kireben und ab- 
lassen zu Rom, die in von der Hagens Germania 7, 240 aus einer 
. Münchner hs. von 1448 und aus einer andern von 1456 von Stephens 
in two leaves of king Waldere's lay p. 30 abgedruckt ist hier wird 
das weib, an dem der zauberer Virgilius für den ihm angethanen 
schimpf eine so schmähliche räche nahm , Cryenhilt oder Crenhild, 
bei Stephens Crinhilt genannt. Enenkel ist einer der ersten, der die 
saubere geschiebte von einer ungenannten Römerin erzählt, Hagens 
gesammtabent. 2, 515 ff., vgl. 3, CXXXIX ff., Roth in Pfeiffers 
Germania 3, 273 ff. die 'history von Virgilio dem zauberer und 
Crinhilden', worauf jene nachricht verweist, ist wie es scheint 
noch nicht wieder aufgefunden, aber welchen sinn man dem 
namen unterlegte, ersiebt man aus einem meistergesang, den von 
der Hagen (gesammtabent. 3, CXLI) anführt, wonach die Römer 
das in der Stadt durch Virgils Zauberei erloschene feuer an der 
'krinne' der frau wieder anzündeten. 

7. Jac. Grimm über eine Urkunde des XU jh. s. 21 führte an: 
Witego faber MB. VII, 122 a. 1238; Cuonradus Miminch MB. XXXV, 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVI. 361 

1, 71. 76. 102, Tgl. Cuoni Mimmung aus dem fünfzehnten jahrh. 
in Mones anz. 5, 144; domus Welandi fabri Lang reg. boic.3, 181 a. 
1262; Heinricus dictus Wielant MB. XVI, 295 a. 1286; Herbordus 
dictus Welent Seibertz urkundenb. zur gesch. Westfalens nr. 465 a. 
1296. C. P. Lepsius und danach Wh. Grimm in dieser zeitschr. 2, 
248—252, wo auch schon auf die Urkunde aus Längs regesten 
bezug genommen wird, zeigten dafs das wappen der schmiedezünfte 
zu Stettin Halle Mainz und Augsburg auf siegeln aus der ersten 
hälfte des vierzehnten jahrh. im wesentlichen mit dem zeichen, das 
die heldensage (Thidrekss. Drachenk.) Witege dem söhn Wielands 
beilegt, übereinstimmt, das wappen mufs seiner Verbreitung nach 
in eine frühere zeit hinaufreichen, dafs es aber aus der heldensage 
entnommen ward, wie Wh. Grimm- glaubt, möchte ich nicht be- 
haupten, da die schlänge auf dem wappen ebenso gut wie bei Witege 
und Wieland ihren grund in dem allgemeinen glauben haben kann, 
dafs durch drachen- oder schlangenblut und schlangenhaut das eisen 
besonders gehärtet werde, die Übereinstimmung von Witeges zeichen 
mit dem wappen aber beweist dafs man Wieland für einen patron 
und ersten meister des schmiedehandwerks hielt, und daher erklären 
sich auch die angeführten beinamen, vgl. nr. VII. XIV. ich besitze 
einen abdruck des noch heute gebräuchlichen , roh im siebzehnten 
oder vorigen jahrh. gearbeiteten siegeis des 'amts der grobschmiede in 
Itzeho' in Holstein, worauf in der mitte ein anker, um den sich eine 
schlänge windet die ihren köpf oben durch den ring steckt, rechts 
davon ein hammer, links ein hufeisen (statt der zange) abgebildet 
ist: eine rose über den ring bezeichnet den anfang und schlufs der 
am rande herumlaufenden inschrift. trotz der Verschiedenheit ist 
der Zusammenhang mit den alten siegeln nicht zu verkennen. 

8. Fridericus Schrautdn in einer Regensburger Urkunde vom 
j. 1276 MB. XII, 142 und Heinricus miles de Winkelriet dictus 
Schrütän um 1300 in Herrgotts cod. probatt. ad geneal. Habsb. U. 
p. 581 (Mone heldens. s. 95, vgl. Wackernagel in den beitragen zur 
vaterländ. geschichte, hrsg. von der histor. gesellschaft in Basel 
1846. 3, 369—372) kann man als Zeugnisse für den Rosengarten 
gelten lafsen, da der beiname nicht von dem mann Etzels in den Nib. 
und dem Biterolf entlehnt sein würde, der nichts charakteristi- 
sches hat. dafs die älteste fafsung des Rosengarten noch vor 1250 
anzusetzen ist, bezweifle ich um so weniger jetzt , seitdem die 
'bruchstücke aus einem unbekannten gedieht vom Rosengarten' von 



362 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

Wh. Grimm (Berlin 1860) gefunden und herausgegeben sind, ob- 
gleich Wh. Grimm selbst s. 499 andrer meinuog ist und nicht über 
die mitte des jahrh. zurückzugehen wagt, dagegen Aspriän, von 
Mone heldens. s. 95. 96 als name historischer personen seit 1283 
in Baiern und in der form Aspelän (vgl. Aspiliän in der Thidreks- 
saga) aus Jung bist. Benthem. p. 54. 60 von 1240 und 1244 nach- 
gewiesen, braucht nicht aus dem Rosengarten zu sein, s. nr.XXVHI, 1 . 

9. Aus einem steirischen zinsbuch in Rauchs rer. Austriac. 
SS. 1, 426, das dem anfang des vierzehnten jahrh. angehört, weist 
mir Haupt einen Dauern namens Sefrit Hürnein nach , Mone im 
anz. 8, 434 Seifrid und Hagen brflder von Aunpeck MB. XVI , 528 a. 
1344, Seifrid und Hilbrand brüder von Biberbach ebend. 529 a. 1351. 

10. 'Hainzen den Hiltprant nennt eine Urkunde von 1390, 
MB. VIII, 263.' Jac. Grimm über eine urk. des XII jh. s. 20 nimmt 
wohl mit recht an dafs der beiname den Hildebrand der sage meint, 
über das haus zum 'roten Hildebrand 1 s. nr. XXI, 6. 

1 1 . Mone (heldens. s. 86) führte aus einem Schwarzacher sal- 
buch (V fol. 291) im Karlsruher archiv an 'zu Sünzheim in dem 
dorfe, einsite an dem frommen Eckart' und bemerkte richtig dafs 
dies der name eines hauses war; vgl. nr. XIII. 

12. Wolfdietriche findet man nach dem von Lachmann ver- 
besserten zeugnis aus dem dreizehnten jahrh. bei Wh. Grimm 
heldens. s. 161 erst wieder in der zweiten hälfte des sechszehnten, 
Mone anz. 5, 144. 8, 433. Ubland in Pfeiflers Germania 1, 309 
verweist aufserdem auf Crusius annalen 3, 1 15, vgl. 736. 

XXVH. 

1. Zuderanspielung auf die heldensage inderEneit (Wh. Grimm 
heldens. s. 56) kommt jetzt noch eine zweite bei Heinrich von Vel- 
deke im Servatius 2, 115: 

'soe mocht dich wale myne gheysel slaen,' 
sprach Attila, du (1. die) Bodelinghes son. 
je unabsichtlicher sie ist, um so mehr beweist sie die gewöhnung 
an den epischen ausdruck, und dies ist um so interessanter, da die 
bekanntschaft mit der deutschen heldensage in den Niederlanden 
überhaupt, und so auch bei Heinrich, dessen heimat jetzt westlich 
von der Maas zwischen Maestricht und Hasselt festgestellt ist, ge- 
wiss nicht aus einheimischen quellen stammt, es waren vielmehr 
rheinische und niederdeutsche lieder, die sich auch noch im drei- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVI. XXVII. 363 

zehnten jahrh. und später mit andern Volksliedern und hochdeut- 
schen gedichten dorthin, wie nach dem norden verbreiteten, von 
der art dieser lieder nach der zeit Heinrichs können wir uns aus 
der Thidrekssaga , den dänischen, schwedischen, fsröischen nach- 
bildungen (nr. XXn. XXHI. XXXI), demPommersfelderbruchstück 
des westfälischen Rosengarten (zeitschr. 5, 369, vgl. Bartsch vorr. 
zu Berthold von Holle s. XX) und dem Iied von Ermenrichs tod, von 
dem es beiläufig bemerkt noch einen zweiten, Jüngern druck, als 
den von hrn Gödeke bekannt gemachten , in einem liederbuch auf 
der Hamburger Stadtbibliothek gibt, eine hinlängliche Vorstellung 
machen und daraus auch noch auf die frühere zeit zurückschliefsen. 
ohne diese Voraussetzung würden mehrere beziehungen auf die 
heldensage in rheinischen und niederländischen gedichten, soweit 
sie nicht schriftlich verbreitete hochdeutsche gedichte betreffen, 
unerklärlich bleiben, sie gewinnen dadurch aber einen eigcnthüm- 
lichen werth und eine besondere bedeutung, und dasselbe gilt von 
den übrigen aus nord- und niederdeutschen quellen stammenden 
Zeugnissen, nr. XXX, 1 . 2. 

2. Zunächst möge eine stelle aus dem historischen theil des 
sogenannten Karlmeinet 315b, 54- 61 stehen, obgleich sie streng- 
genommen mit den übrigen folgenden nicht in eine reihe gehört: 

(Karl) vant eynen schätz grois, 
des de Hünen sere verdrois, 
van silver ind van golde, 
als id god selver woulde. 
der selve schätz gesamet was 
van mencbem lande, als ich id las: 
dat hadde der konynck Elzelin gedaen 
ind syne nachkomelinge sunder waen. 

3. Eine reihe von hindeutungen auf die heldensage kommt in 
der reimchronik des kölnischen Stadtschreibers, meister Godefrit 
Hagene vom j. 1270 vor. namentlich wiederholt sich die verglei- 
chung mit Dietrich von Bern in ganz sprichwörtlicher weise (vgl. 
nr. XXX, 5): 

v. 3680 alsus so hoif sich da der stryt 
zo der nemeiicher zyt, 
ind reden up sy alle die gesleichte. 
mallich van in gebeirde reichte 
als hie Dederich van Berne teere. 



364 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

v. 4752 die Overstultze quamen myt der vart, 
eyn deil zo voisse, eyn deil geredin: 
als Dederich van Berne sy streden. 
v. 5003 da erkonde sich mallich so sere 

als hie Dederich van Berne were. 
t. 5684 der veirziger was wale ein ewilich, 
Dederige van Berne wail gelich. 
aber die vergleichungen beschränken sich nicht auf Dietrich allein: 
t. 4809 da myt dranck vur her Heinrich, 
deme coynen Ee'ynen wail gelich, 
ind syn broder, myn here Herman. 
v. 4891 dyt saich her Heyman Cleinegedanck : 
myt gewalt hie durch sy alle dranck 
ind syn broder myn here Herman, 
de is goeden prys alda gewan: 
men saich sy veichten also sere 
als it Wüge ind Heyman (1. Heyrae) were. 
v. 5023 ind wisset dat Frederich Schiechtere 
des dagis vaicht altz Heyme were. 
nach Mone heldensage s. 262 soll aufserdem Godefrit Hagen den 
'konynck Ezzel' v. 1 68 ff. in der legende von den elftausend Jung- 
frauen nicht in seiner lateinischen quelle vorgefunden, sondern 
aus der volkssage genommen haben. 

4. Hieran schliefst sich eine stelle aus dem gedieht auf die 
schlacht bei Göllheim (2. juli 1298) in dieser zeitschr. 3, 24: 

v. 578 Von Lyndauwe Syverit 

de was ein enstelicher smit, 
van Kirensburg Deyderich 
deme andren Deyderich gelich, 
dye van Berne was genant, 
sin swert dat geinc an siner hant, 
dat got selve vrachde mere 
we der ritter were. 
dey engele musten lachen 
dat hey is sus künde machen. 

5. Serrures bruchstücke des schon von Maerlant (spieg. hist. 
I, 162) erwähnten niederländischen gedichts vom bar Wislau sind, 
soviel ich weifs, noch immer nicht vollständig bekannt gemacht; 
was Mone (niederl. volkslitteratur s. 35 f.) davon mittheilte, läfst 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVII. 365 

ein gedieht vermuten das seinem Stoffe nach mit dem könig 
Ruther oder Osantrix und der aus der Tbidrekssaga bekannten sage 
von Wildeber verwandt war. — dafs Maerlant (um 1290) Dietrich 
von Bern kannte, beweisen zwei stellen seines Spiegel historiael IV, 
324 : Dese Dideric, 

dit wan ic wel ende niet te scerne, 
dat was Diederic van den Berne ; 
und 340 : coninc Diederic was doot, 

die mi dinet uaar mijn lesen 
dat Diederic van den Baerne mochte wesen. 
vgl. nr. XXX, 1. der artikel in der bekannten formel deutet auf nieder- 
deutsche lieder, Ermenriks dot 4, 4. 5, 4. 9, 4. 15, 2. 21, 2 Dirick 
van dem Berne, 3, 4. 12, 3 dat hoge hus tom Berne, und unten 
nr. XXX, 2. 

6. Mone in seinen quellen und forschungen 1, 1.48 — 154 
machte ein mittelniederländisches gedieht 'de vier heren wenschen' 
bekannt, das die niederländische Übersetzung der Nibelungen wohl un- 
zweifelhaft voraussetzt vier beiden, mijn heer Ilagen, die coninc Gon- 
tier (1. Gonteer nach dem reim) , mijn heer Geernot und die milde 
Rudegeer sitzen beisammen 'in eenre salen wijt ende corten hären 
tijt' damit dafs sie auf Rudegeers Vorschlag zu wünschen anfangen 

hoe hi altos woude leven 
sonder enich sterven oft enich siec wesen, 

ende wies hi woude plegen die dage die hi leeft: 

so mach (men) aen ons merken, wie t- vromste herte heeft. 
Ilagens wünsch p. 1 53 enthält eine neue anspielung, er wünscht 
sich Witiges ross und schwert: 

'Nu will-ic aen wenschen', sprac Hagen die degen fijn, 

'ic woude Scimminc Nimminc beide waren mijn, 
ende ic in eenre goeder stat belegen moeste wesen 
met dusent den besten riddren die in die werelt leven.' 
auf Wielant, Witege und sein schwert Mimung (nr. VII) bezieht sich 
auch eine stelle in Heinrics roman van Heinric en Margriete van 
Limborch aus dem vierzehnten jahrh., uitgeg. door van den Bergh, 
Leiden 1846, book IV v. 1053: 

Morant scoet op al met overmoede 
ende seide 'du daets alse de vroede 
dattu name mi mijn swerd 
dat manege marc es wert; 



366 ZEUGNISSE UND EXCURSE. 

het smeede Wilant 

ende is Mimminc ghenant: 

het voerde Wedege die coene. 
in dem niederdeutschen Redentiner osterspiel von 1464 (Mone 
Schauspiele des mittelalters 2, 38) sagt einer der milites des Pilatus 
die das grab bewachen sollen : 

myn swert het Mummink 
und loset platen, pantzer unt rink. 
Haupt (vgl. Wackernagel in Pfeiffers Germania 5, 320) machte mich 
auch darauf aufmerksam dafs für Neidhardts 91, 36 

er treit einen mcecheninc (mesching C), 

der snidet als ein schwere 
und 92, 7 sin swert (mesching C) daz ist gelüppet; er ist mort 

den ez erreichet; 

der muoz an der selben stat geligen tot 
in der ehemals Hagenschen lis. aus dem fünfzehnten jahrh. einmal 
menigk (I. Memingk), das andre mal Meminck gesetzt ist auf ganz 
ähnliche weise heilst Siegfrids ßalmung, 'das schneydet alle bandt, 
keyn hai nasch sich davor erwert', in den alten drucken des Rosen- 
garten A im heldenbuche Menung, Wh. Grimm heldens. s. 245 f. 
Roseng. s. V; vgl. heldens. s. 320. Mimming war eben anerkannt 
das beste aller Schwerter. 

7. Das Volkslied 'de jager uit Grieken' in den altd. Wäldern 
1, 161 (Willems oude vlaemsche liederen nr. 50) ist aus der 
jüngsten, im vierzehnten und fünfzehnten jahrh. in Deutschland 
sehr verbreiteten bearbeitung des Wolfdietrich, die im alten neiden- 
buch gedruckt vorliegt, abgeleitet, den altern gedienten ist das 
abenteuer mit der riesin, die den helden mit seinem ross davon 
trägt, unbekannt, gleichfalls das mit dem riesen, der Wolfdietrichs 
schifmann brät, worauf sich wahrscheinlich die zeilen aus str. 3 des 
liedes beziehen: 

daer lag een man gebraden 
en eenen aen het spit 
die nächste quelle des liedes war allem anschein nach ein sehr un- 
vollständiger, mündlicher beriebt. 

XXVIII. 

Das gedieht ; von dem Abelen wibe', schon in Wh. Grimms 
heldens. s. 157 erwähnt, im anzeigeblatt der Wiener jahrb. bd. 94. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVU. XXVIII. 367 

1841 abgedruckt, enthält besonders zwei für die heldensage und 
dichtung im dreizehnten Jahrhundert wichtige Zeugnisse; wie andre 
weisen auch sie nach Oestreich wo das gedieht entstanden. 

1. Das erste Zeugnis weist auf den Rosengarten oder auch die 
fortdauernde bekanntschaft des Ruther, vgl. nr. XXVI, 8 : 

v. 155 so ist si so muotes raeze: 

ob si worden wäre ein man, 
noch küener waers dan Aspridn. 

157. waer si dann hs. 

2. Wichtiger aber ist das zweite, das eioe ausführliche Schilde- 
rung eines mehrere tage dauernden Zweikampfes zwischen Dietrich 
und Witege gibt: 

v. 258 Maneger sagt von Wilegen not 

(nu vernemet ouch die min durch got) 

und sagt von Dietriche: 

der not wac ungeliche 

der minen: des ich warne. 

si vählen daz die spaene 

von ir Schildes rande stuben 
265 und sich die breter gar zerkluben. 

ir helme wurden viurvar: 

dar under in doch niht enwar. 

sus vähten si vil manegen tac, 

daz ir deweder nie gelac 
270 tot von swerten noch von sper. 

der vaht hin und jener her, 

einer sluoc den andern nider: 

so erholt sich dirre des hinwider 

und sluoc den andern ül diu knie. 
275 si vähten also daz si nie 

von swertslegen wurden wunt: 

diu not der minen ist unkunt. 
258 Weittegeo. 259 verneint auch die meine. 261 der noete was. 266 heim. 

3. Dann folgt zunächst eine beziehuug auf die flucht Walthers 
und Hildegunde, wobei wahrscheinlich an das mhd. gedieht, das die 
sage behandelte, zu denken ist; s. oben nr. VII, s. 274: 

v. 301 lanc, breit ist ir swinge 

und ist hagenböechin: 



368 ZEUGNISSE UND EXCURSE. 

die sieht si durch daz houbet min. 
daz seihe tet si hiure. 
305 so getane äventiure 

warn herren Walthern unkunt, 
do er und min frou Büdegunt 
fuoren durch diu riche 
also behagenliche. 

4. Das nächste Zeugnis bezieht sich, abgesehen von der er- 
wähnung Hildebrands , wohl wieder auf denselben kämpf Dietrichs 
und Witeges, der vorher geschildert ist: 

v. 528 Hiete meister Hildebrant 

so sere verhouwen Schildes rant 
als si mir den stuol zersluoc, 
daz waere et im vil unde genuoc. 
si ist her Dietrich ze mir. 
owe daz ich gen ir 
-niht her Witege werden mac! 
535 so gult ich ir den dritten slac. 
534. Weittegen. 

in der Rabenschlacht kommt es sowohl nach dem hochdeutschen 
gedieht, als auch nach der Thidrekssaga c 336 zu keinem kämpf 
zwischen den beiden helden, sondern Witege ergreift vor dem zor- 
nigen Dietrich die flucht, der Zweikampf mufs also der sein zu 
dem Witege bei seiner ankunft in Bern Dietrich in seiner Jugend 
herausforderte, er wird sonst in hochdeutschen gedichten kaum 
erwähnt, nur der Alphart, str. 215 — 220 verglichen mit 7 — 10. 14, 
Iäfst vermuten dafs Witege auf dieselbe weise wie Heime einst 
Dietrichs schildgeselle geworden (vgl. heldens. s. 241 ff.), die Thid- 
rekssaga schildert diese jugendkämpfe von Heime c.20, von Witege 
c. 90 — 95 ausführlich, das zeugnis unseres gedichts aber beweist 
dafs es davon eine eigentümliche, von der norddeutschen bedeu- 
tend abweichende darstellung gegeben hat. nach der Thidrekssaga 
kommt Dietrich in gefahr vor Witege und seinem schwert Mimung 
zu erliegen; die süddeutsche, östreichische sage liefs es mit ihrem 
lieblingslielden nicht dahin kommen, sondern dafür den kämpf 
mehrere tage lang dauern, in dem er seinen platz behauptete, wenn 
auch nicht obsiegte. 

5. Nicht minder merkwürdig ist das letzte zeugnis des 
gedichts: 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXVIH. 369 

v. 692 ez gewan nie topfe 

vor gei'seln solhen umbeswanc, 

als si mich an minen danc 
695 mit siegen umb und umbe treip. 

gehört ir ie wie Dietleip 

mit dem merwibe vaht 

den langen tac onz an die naht? 

daz leben im nieman gehiez. 
700 si schdz ein stehellnen spiez 

breiten unde wessen, 

gesmit von siben messen, 

als der tihtcere sprach, 

in die erde daz in niemen sach, 
705 dd si sin wolte rämen. 

die saelde in davon nämen 

und sin snelheit, diu was gröz, 

daz si in ze töde niht enschöz. 
69G. ir ie gesagen. 700. ainen stälielein. 701. beraiten. 703. da. 

es ist schon von Wh. Grimm (vorr. zu Roseng. XXIII) bemerkt 
dafs im Rosengarten A eine beziehung auf dies abenteuer vorkommt: 
Dietleib ist in Siebenbürgen von einem meerungeheuer verwundet 
und Dietrichs böte trifft daher den jungen helden nicht zu hause in 
Steier, begegnet ihm aber, als er ihn aufsuchen will, in Wien vor 
dem münster. es gab also von Dietrichs abenteuern besondere 
lieder oder ein gedieht, das schriftlich aufgezeichnet war, — als der 
tihtcere sprach, — das uns aber leider mit so manchen andern ver- 
loren ist. nach der Thidrekss. c 354 findet Thetleifr Danski seinen 
tod in dem kämpf des könig Isung und seiner söhne gegen Hertnid 
von Yilcinaland und seine zauberkundige frau Ostacia. nachdem er 
Hertnid verwundet und vom pferde gestochen, stürzt sich der böseste 
fliegende drache, Ostacia selbst, auf ihn und erdrückt ihn sammt 
seinem rosse; doch stöfst er vorher dem dracben seinen sper in 
den rächen. 

6. Das gedieht 'von dem übelen wibe' mag, wie der meier 
Helmbrecht, gegen 1250 geschrieben sein, zu den beziehungen auf 
die heldensage in österreichischen gedichten des dreizehnten jahrh. 
kommen noch einige stellen bei Seifrid Reibung : 
VI, 158 iz mac anders niht gesin, 

wan trinkt und geltet Ezeln win. 
Z. F. D. A. XII. 24 



370 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

XIV, 85 daz rät ich bi den triuwen min : 

ir trinket onde geltet den Ezelines win. 
VII, 1061 dar nach ladet wir einen her, 

herzöge Hernian so hiez der, 

von Baden, wie er ende nam 

und war künec Ezel ie bequam, 

des kan ich gesagen niht: 

davon ze swigen mir geschiht 
die beiden ersten stellen beziehen sich wörtlich auf Nib. 1S97, 3, 
die dritte ebenso auf den possenhaften anhang der Klage in BC 
2159 IT., besonders auf v. 2577: war der künec Ezel ie bequam. 
dafs Etzels verschwinden sprichwörtlich geworden war, lehrt schon 
eine stelle des tugenthaftcn Schreibers, Wh. Grimm heltlens. s. 156. 
dreimal gedenkt auch Seifrid II, 1302 VII, 363 XIII, 1 1 sprich- 
wörtlich neben Saladin des muten Fruotes von Tenemarke, Haupt 
vorr. zu Engeln. XI, oben nr. XXIII, 3. 

XXIX. 

Annales Cohnaricns. maiores ad a. 12S9 bei Pertz mon. SS. 
XVII p. 217: Milites Alsatie, qui parem vestem tribus annis pene 
tulerant et se Nebeleringin nominaverunt, ad regis (Rudolfs I) pre- 
sentiam citantur. 

Die hs. der annalen ist aus dem sechszehnten jahrh. es steht 
also der annähme dafs Nebeleringin aus Nibelunge, Nebelunge ver- 
derbt sei nichts entgegen-, vgl. Nibelungerus ans Brümt a. 1262, 
Nebenlenger a. 1377 bei Mone heldens. s. 8. 10. zu den von 
Leichtlen und Hone nachgewiesenen elsäfsischen Nibelungen kom- 
men noch ein Nibelungus bei Zeufs trad. Wizenb. p. 287 saec. XIII 
und ein frater Vibulungus der Colmarer annal. zum j. 1303 bei 
Pertz a. a. o. p. 228. der Dame steht im Elsafs seit dem zwölften 
jahrh. als Familienname fest, im dreizehnten fand das gedieht Ver- 
breitung und hier konnte, wie mir scheint, namentlich die stelle str. 
471 — 476 (vgl. C) in der Jüngern fortsetzung des vierten liedes zu der 
henennung des uniformierten rittercorps sehr wohl anlafs geben. 

XXX. 

1. Dafs der Dietrich von Bern der volkssage der Ostgoten- 
könig Theoderich sei, darüber herschte im mittelalter ebenso wenig 
ein zweifei als über die Identität von könig Etzel und Attila. die 
frühsten Zeugnisse dafür fanden wir bei den Angelsachsen, nr. V, 1. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXIX. XXX. 371 

in Deutschland beginnen sie später, der Quedlinburger annalist 
(Pertz mon. SS. III, 31, Wh. Grimm heldens. s. 31) nahm die volks- 
sage für bare geschichte. Ekkehard von Aurach (Pertz mon. SS. VI, 
130, heldens. s. 36 ff.) erhob dagegen einsprach' von Seiten der 
Chronologie und kam allerdings zu dem schlufs , entweder irre die 
'vulgaris opinio' und führe irre, oder ein andrer Ermenrich und 
Dietrich seien als zeitgenofsen Ättilas anzunehmen, aber auch Otto 
von Freising (heldens. s. 38, und ihm folgend Gotfrid von Vi- 
terbo, heldens. s. 44) berichtigte die chronologischen irrthümer der 
sage und hielt dennoch Dietrich von Bern fürTheoderich dengrofsen, 
da er vermutete dafs die volkssage von seiner höllenfahrt aus der 
von Gregor dem grofsen erzählten legende entstanden sei. die aus- 
bildung jener sage, die sich bis in*den anfang des zwölften oder das 
ende des elften jahrh. zurück datieren läfst (nr. XXI, 7), setzt ebenso 
wie die seit dem ende des zehnten jahrh. (nr. XXI, 1) nachweisliche 
benennung ausgezeichneter bau- und kunstwerke in Italien nach 
Dietrich die Überzeugung von der identität des helden mit dem ost- 
gotischen könig als feststehend und verbreitet voraus, auch die 
kaiserchronik 434, 17, wenn sie die gleichzeitigkeit Dietrichs und 
Etzels bestreitet, erkennt doch mit den worten 

swer nu welle bewayen 

daz Dietrich Ezzelen saehe, 

der heize daz buoch vur tragen 
den Dietrich der volkssage als den ostgotischen an. in den deut- 
schen prosachroniken seit dem dreizehnten jahrh. heifst Theoderich 
der grofse regelmäfsig Dietrich von Bern, ohne dafs der sage weiter 
ein einflufs auf die erzählung gestattet wird, zu den schon in 
Wh. Grimms heldensage vorkommenden belegen füge ich hier noch 
;e neue. 

a. in der ältesten deutschen prosachronik, der repgauischen, 
die von dem verfafser des Sachsenspiegels gegen 1 230 zusammen- 
gestellt wurde, heifst es (Stuttgart 1857) s. 204: 'Diderich van 
Berne de Gotenkoning Rome gewan', s. 206. 207: 'de koning 
Diderich den man het van Berne', s. 209 nachdem Dietrichs tod 
(nr. XXI, 7) berichtet ist: 'dit was Diderich van Berne Ditmares 
tone , van des siechte de Amelunge quamen. swe mer wille weten 
van sime siechte ... de lese historiam Gothorum. it wirt doch van 
eme manich logentale gedan. he het van Berne oc, wante he aller- 
erst Berne gewan unde dar ut bedwanch al de lant.' — Maerlant 

24* 



372 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

(nr. XXVII, 5) knüpft an seinen historischen bericht ebenso die 
beziehung auf die volkssage. 

b. der ähnlichkeit wegen stehe hier gleich eine stelle aus dein 
altschwedischen legendarium, das zwischen 1265 und 70 verfafst 
von Stephens Stockholm 1853 herausgegeben ist, bd. 2 p. 700: 
'Um then tima war Johannes pave, DXXVI vars herra are . . . . 
Thidrik Bdrn Göta konunger fanghade han oc swelte til dödh , thy 
at Iran mente kiättarom messo. han drnp ok then ädhla mästara 
Boecium ok doo siälfvir sidhan. en hälagher man saa hans siäl 
siuda i helvites kätle.' wo des Paulus diaconus ausdruck 'olla Vul- 
cani' zu gründe liegt, vgl. nr. XXI, 7, und nr. XXXI. 

c. ältestes Jahrbuch der Stadt Zürich bis zum j. 1336 hrsg. 
von Ettmüller in den mittheilungen der antiquarischen gesellschaft 
in Zürich 1841 2, 56: 'Anno domini CCCC vmb daz selbe zit 
richsnöte Dietrich von Bern, von dem die piiren singent, wie er mit 
den wurmen hab gestriten und mit den helden gefochten: daz ist 
ain gedenk, diu nimcan durch kurzwil erdaucht ist'; vgl. Mone 
quellen und forschuugen 1 , 178 ff. hiemit stehen die Zeugnisse 
des von Königshoven und Hüplis bei Wh. Grimm heldens. s. 281. 
286 (vgl. Aventin ebend. s. 303) wobl in Zusammenhang. 

d. Fritsche Closeners strafsburgische chronik vom j. 1362 
(Stuttgart 1842) s. 17: Justinus richsete IX jor. der fleis sich des 
mit vestem glouben, wie er die ketzer zerstörte, daz erhörte Dietrich 
von Berne, der was kunig in Ytalia .... die wile der hobest enweg 
was, do zwischen schlug Dieterich von Bern Boetio und Simacho 
die houbter abe. 

e. Johann Rothes düringische chronik (um 1430 verfafst) 
hrsg. von Liliencron (Jena 1859) s. 123: 'das tet Atila derHewnen 
konigk den man nw nennet konig EziV; s. 124: 'in den gezeiten 
qwam der konig Dilerich von Berne unde streit mit dem konige 
Odoacker'; s. 139: 'in den gezeiten was konig Diterich von Berne, 
eyn grofser ketzer, weder den keiser, der vyngk Bohecium unde 
Symmachum . . . unde Diterich von Berne starp ouch yn dem jare 
noch Cristes geborth 526 jar' u. s. w. nach Liliencron ist Martinus 
Polonus überall hier die nächste quelle. — vgl. heldens. s. 285. 

f. Basler chronik des fünfzehnten jahrh. bei Wackernagel altd. 
hss. der Basler Universitätsbibliothek s. 34: 'von Dietrich von Bern, 
anno. V c jor Dietrich von Bern von dem die puren singend was ein 
boes cristen. er ersluog zuo Rome kunig October vnd zwen ander 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXX. 373 

kunig , wart kunig vnd herre ze Rome vnd über alle welsche land 
vnd anno V c XXX jar starb er des gechen todes.' vgl. nr. XXI,, 7. 

g. Steinhöwel (chronica Ulm 1473 bl. 10») nennt Dietrich, 
Dietmars sun, nicht von Berne, aber er erwähnt seinerbauten zu 
Bern und Ravenna (nr. XXI, 2) und nachdem er seines jähen todes 
(nr. XXI, 7) gedacht, fügt er hinzu bi. 10": 'was sufs gesungen 
oder gesagt wird von den Sprechern oder singern, ist alles erdichtet 
und nit war.' 

h. Cronica van der hilliger stat van Collen 1499 bl. 89": 
'Dietmar .... hadde evn sone der hiesch Dederich ind krege hernae 
den tzonamen »an Berne, ind was der Dederich van Berne, van dem 
die bueren so vill singentJ so heilst Dietrich in der chronik auch 
ferner van Berne bis 91 »: Diderich van Berne nam syn wonung 
tzo Rauennen ind was as vurfz XXXI iair konynck tzo Rome ind in 
Italien, ind was dick zo Berne: dae van kreich he den namen van 
Berne, wie wail he was uyss Vngercn ind van dem gesiechte der 
Gothen.' vgl. heldens. s. 287. 

Bemerkenswerth ist dafs hier wiederholt, bei Eike von Repgau, 
Steinhöwel und in dem Zürcher Jahrbuch , die volkssage als lügen- 
haft oder erdichtet bezeichnet wird, vgl. unten nr. XXX, 4. 10; 
nicht minder dafs in der Zürcher, Baseler und Cölner chronik, also 
seit dem vierzehnten Jahrb., nur der gesang der bauern von Dietrich 
von Bern erwähnt wird. Uhland der diese drei stellen, zu denen 
noch eine aus Königshoven und eine aus einer niederdeutschen 
sächsischen chronik bei Wh. Grimm heldens. s. 281. 285 f. hinzu- 
kommen, in PfeüTers Germania 1, 208 hervorhob, verglich un- 
mittelbar damit den bekannten aussprach des Quedlinburger anna- 
listen 'et iste fuit Thideric de Berne de quo cantabant rustici olim\ 
und aufserdem aus der Flucht 2482 f., dem Rosengarten 1095 
(heldens. s. 190. 246) und aus Dietrichs drachenkämpfen 162, wo 
Rentwin von Dietrich sagt: 'üf bürgen, in steten, in dorfen hört 
ich im ie daz beste jenen.' allein jener aussprach fällt in eine ganz 
andre zeit des volksepos und hat einen ganz andern sinn als die 
spätern aus dem vierzehnten und fünfzehnten jahrh. diese ver- 
setzen uns in die letzte periode des Verfalls und absterbens der 
alten Überlieferungen und daher sind auch die stellen aus den mhd. 
gedichten des dreizehnten jahrh. , die ganz im gegensatz dazu Diet- 
richs preis noch in aller munde wifsen, davon zu trennen, die Zeug- 
nisse aus den spätern Jahrhunderten lafsen die abnähme des interesses 



374 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

an dem rolksepos und die Veränderung die in der Schätzung desselben 
vorgieng deutlich erkennen und haben darin ihren werth. das wich- 
tigste was davon an nachtragen seit dem erscheinen von Wh. Grimms 
heldensage ans licht gekommen ist, wird in folgendem bestehen. 

2. Noch vor ablauf des vierzehnten jahrh. mufs irgendwo in 
Norddeutschland ein geistlicher das im fünfzehnten in zahlreichen 
abschriften und mindestens acht drucken in ganz Deutschland und 
den Niederlanden verbreitete exempelbuch über die zehn geböte 
'der seien trost' verfafst haben.* die älteste datierte hs. vom j. 1407 
ist niederdeutsch und befindet sich in Oldenburg, Merzdorf biblio- 
thekarische Unterhaltungen (Oldenburg 1844) 1,3 — 9. aus einer 
Stuttgarter in einem dem kölnischen verwandten dialect gab Pfeiffer 
in Frommanns deutschen mundarten bd. 1. 2 auszüge, weitere nach- 
weisungen und auszüge namentlich aus einer mitteldeutschen Ham- 
burger hs.Geffcken bildercatechismus des fünfzehnten jahrh. (Leipzig 
1855) s. 45 ff. hier heifst es in der einleitung bei Frommann 1, 176: 
' Vele lüde sint de da lesent werentliche boiche und hoerent der na 
und verlesent alle ere arbeit, want envtndent dor neit der seien 
troist etsliche lüde sint de da lesent van Pertinillen (I. Titurellen 
tPercivalen Pf.), van Eristiani, van her Dederich van dem Berne 
(vgl. nr. XXVII, 5) und van alle den Hünen (nach der Hamburger 
hs. bei Geffcken a. a. o. : etlich lüde lesent bücher von Tristant, 
von Dielherich von Bern und den alten recken), de der werelt deinden 
und neit gode: in den boichen is gein nutz, want man vindet dar 
niet der seien trost.' damit vergleicht sich zunächst eine stelle aus 
der einleitung Ulrichs pfarrers zu Potenstain zu seiner auslegung 
des symbolum apostolicum, die Haupt in den altd. blättern 1, 49 
aus einer Wiener hs. des fünfzehnten jahrh. mittheilte: 'Auch ge- 
dacht ich mir wie lobleicher vnd pesser waer, seid doch mensch- 
Ieiche begir ye etzwaz ubung maint ze haben, man lese in dem puch, 
denn m den püchern der alten sagmwr oder in dem Tytrell oder in 
Dietreiehs von Pern vnd der andern rekchen streytpilchern, die nicht 
denneytle ding leren vnd sagen. 1 prediger und historiker (nr.XXX, 1) 
waren also in der Verwerfung des volksepos einverstanden, wiewohl 
aus verschiedenen gründen; vgl. unten nr. XXX, 4. 

* br. archivar dr. Leverkus in Oldenburg hat in dieser ztschr. 1 1 , 359 
den beweis in aussieht gestellt dafs das buch ursprünglich niederdeutsch and 
wahrscheinlich zn Lübek um die mitte des vierzehnten jahrh. verfafst ist. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXX. 375 

3. Nach den zahlreichen, schon in der deutschen heldensagc 
nachgewiesenen anspielungen war kein gedieht in den letzten Jahr- 
hunderten unseres mittelalters populärer als das Eckenlied. Unland 
in Pfeiffers Germania 1, 327. 328 wies aus einem spruchgedicht, 
das unter solchen des Teichners steht und eine nachahmung des 
bekannten marnerischen spruchs (heldens. s. 161 f.) ist, noch eine 
nach, Wiener jahrb. I anzeigebl. s. 27 : 

so spricht einer ' kumpt her, 
sagt uns von kern Ekken klingen ' ; 
und eine zweite aus Suchenwirts 'red von hübscher lug' (werke s. 148) : 
ein maus ein leben sluog zu tod 
su Tyrol in dem toalde. 
vgl. Eckenl. 48. das gedieht war bis in die untersten kreise ver- 
breitet und darnach auch, wie schon im dreizehnten Jahrb., an- 
gesehen. Heinrich Wittenweilers Ring, nach Unlands einleuchtender 
bemerkung s. 329 vor 1453 gedichtet, liefert dafür den besten beweis : 
36 d , 4 (Uocz) sprach 'her Guggoch ist ein man 

der selber lieder tichten kan 

von Dyetreychen dem Ferner: 

den hörten wir vil gerner 

dann daz wir also sassin, 

die totin visch da assin.' 

des daucht sich Guggach do gemayt. 

er huob seyn tädinch an und sayt: 

'Es sassen held in einem sal 

die assen wunder überal y 

et cetera bis an ein end. 

die weil die loser warend behend 

und assen auf die vische gar, 

e sein der singer ward gewar. 
vgl. Eckenl. 2: 

Ez säzen helde in einem sal: 

die retten wunder äne zal. — 
in der grofsen Schlacht, die sich zwischen den Nissinger und Lappen- 
häuser bauern und ihren parteien entspinnt, stehen Sigenot und 
Egge auf der sehe jener: 

48 b , 27 der risen warend siben : 

den ersten hiess man Sigen, 

den andern namp man Egg; 



376 ZEUGNISSE UND EXCüRSE 

Dietrich und andre beiden und die zwerge auf der andern: 
48 d , 16 es was der Perner, glaub es mir, 

und sein mayster Hiltprant, 

Dyetleib von Steyrland 

und der vaerd Wolffdyetra'ch. 

seht, do was der twergen gleich 

tausent neunczig und auch acht 
49 ", 9 der erste sey her Laureyn 

ein künich lobesam und werd, 

gewaltig über alle perg. 

der ander ist her Dyetreich 

von Peru, dem nie kayn man geleich 

ward an tugend und an macht, 
in der schlacht 54 \ 24 schlügt 'Egger' mit seiner stählernen Stange 
Dietleib an den hals dafs er für tod niederfällt. Dietrich dar- 
über zornig 

schluog hern Eggen pey der mitt 

enzway, das was her Dyetreichs sitt. 

seyn swert das hiet ein sneyden 

und sneyd an alles leyden 

durch ilaisch und payn und was es vand. 
in dem fastnachtspiel 'von dem Perner und dem wunderer' bei 
Keller nr. 62 ist die parodie kaum beabsichtigt. 

4. Um 1 500 erzählt Heinrich Bebel (commentaria etc. Phorce 
1510 bl. 130) nach Unland a. a. o. s. 335 von einem 'qui sitae 
concioni testimonium adhibuit ex gestis Theodorici, quem nostri 
ducem Veronensem vocitant, cum merum sit commentum, sicut 
omnes aliae cantiones vernaculae de gigantibus, de Fasoldo, 
Eildebrando, de duce Ernesto et de aliis ... nee pro veritate reci- 
tantur a prudentibus, verum germanica est poesis quae prineipes 
ad res fortiter agendas illorum exemplis cohortetur.' wiederholt 
ward diese stelle in Crusius annal. 3, 558. aus Luthers haus- 
postille (Torgau 1601 s. 308) ward in Mones anz. 8, 198 folgende 
nachgewiesen: 'vnd diese histori ( die geschichte Christi) nicht eine 
schlechte histori ist von Dieterich von Bern oder vom Türeken . . .'; 
vgl. heldens. s. 308 und nr. XXX, 1. 2. 10. 

5. Nach Ladislaus Suntheims um 1500 verfafster chronik der 
fürsten und länder (Oefele SS. rer. boie. 2, 587", Unland a. a. o. 
s. 318 f.) waren die markgrafen von Hachberg 'des geslechts herrn 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXX. 377 

Dietrichs von Bern, der da gewesen ist ain künig in Italia', und 
stammten aus Dietrickshern. andere belege für das compositum bei 
Wh. Grimm heldens. s, 304, Wackernagel in dieser zeitschr. 6, 
156. die jüngere badische linie führte den markgrafentitel von der 
mark Verona, die Berchtold I kurze zeit c 1070 verwaltet hatte, 
Stalin wirtemb. gesch. 1, 550 f. 2, 304 IT. 

6. Im j. 1516 sang der bauer Hans Umperiin vom herzog Ul- 
rich von Wirtemberg, Unlands Volkslieder nr. 189, 19: 

er ist hinausz geritten 

als Dietrich von Bern, 

manhaft on alles zittren, 

er ist seins leibs ein kern, 
wohl das letzte nachweisbare beispiel der sprichwörtlichen verglei- 
chung des beiden (vgl. oben nr. XXVII, 3. 4.), obgleich der bauer zu- 
nächst wohl an das Eckenlied dachte, vgl. heldens. s. 279 nr. -111, 
Unland a. a. o. s. 32S. 

7. Eine stelle aus dem Berliner, früher Arnimseben meister- 
gesangbuch bei Wh. Grimm heldens. s. 312 ward in Mones anz. 
8, 197. 198 als ein neues zeugnis, nach einem fliegenden blatt 'ein 
lied von dem tod gedruckt zu Nürnberg durch Kunegund Hergotin', 
wiederholt, aber vollständiger und mit einzelnen abweichungen: 

was halft" des risen grosse krafft, 
darzu jr manlich streyte? 
was halft" der Wölfjfing ritterschafft? 
es wert ein lange zeyte, 
sie stritten all nach grofsem rhum 
mit jrer grofsen macht: 
ich gleych es auif der heyd eyner blum , 
die plüet vber nacht. 

was halft" herr Dieterich von Bern u. s. w. 
später heilst es : 

was halft* Ecken und Eckesart? 
was halft" Sewfrids gewalte? 

8. Aus dem j. 1552 erzählt Wilhelm Wernher, graf von Zim- 
mern (Uhland a. a. o. s. 336), von seinem bruder Gotfrid Wern- 
her: c under der zech macht er reimen von dem Berner und den 
risen, wie dann solich buech, damit er vil müehe und arbait gehapt, 
noch zu Wildenstain vorhanden', der Verlust dieser 'reime' ist 
schwerlich zu beklagen , da wir die reime des sechszehnten jahrh. 



378 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

sonst hinlänglich kennen and den Sigenot and Ecke in älterer ge- 
stalt besitzen, des müfsigen grafen mühe wird nur darin bestanden 
haben, diese gedicbte umzuschmieden. 

9. Konrad Gesner Mithridates 1555 s. 42 (Wackernagel in 
dieser zeitschr. 6, 156) beklagt den Untergang der alten gedichte: 
'omnes puto injuria temporum et inctiria hominum in oblivionem 
abierunt apad nos qüidem nulluni est vetustius carmen quam 
quod Theodorici Veronensis et Hildtbrandi getta celebrat'. auch 
hier ist wohl der Sigenot und das Eckenlied gemeint. 

10. Felix Faber (evagatorium hrsg. von Hafsler 1849 3, 
457) fand schon im j. 1484 unter den reliquien des klosters Wü- 
ten in Tirol 'unam draconis linguam trium palmarum longitudinem 
habentem . . ; dicitur enira quod temporibus gigantum quidam gi- 
gas, patriae illius priueeps, ingentem peremit draconem . . . audiens 
in alpibus Carneis et Rhaeticis fore vallem aurea mala gignentem 
sed insidiosissimis feris possessam, assumptis ergo soeiis Alpes in- 
gressus et peremtis possessoribus earum in hanc perveoit vallem 
et draconem repertum peremit locumque argento septum possedit, 
in quo aurea mala habuit'. Christoph Wilhelm Putschius nennt 
den riesen zuerst in seinem chronicon Wiltinense Tom j. 1568 
Haimo. er theilte nach Zingerle in Pfeiffers Germ. 2, 434f. die 
sage sowohl in prosa, als auch in fünfzig distichen von Johann 
Aurbacher mit, worin der lateinische poet den 'illustri Dietherus 
origine prineeps' als denjenigen rühmt, der das land von räubern 
gesäubert habe : 

ingentes petiit violento Marte cyclopas 

cumque feris gessit proelia dura viris: 
quamvis nonnullis male sano pectore dicant 

res omnes huius prineipis esse nihil. 
atqui falluntur: pulcherrima signa supersunt 

quae faciunt istis rebus adesse fidem , 
quae prope Meranum Tiroli servantur in arce , 
splendida quo tantae sint monumenta rei. 
vgl. nr. XXX, 1.2 4. die 'splendida monumenta', die in der bürg 
Tirol aufbewahrt wurden, werden in einer notiz des sechszehn- 
ten jahrh., die Chmel Österreich, geschichtsforscher 1, 108 der 
Wiener hs. nr. 3301 entnahm, einem andern beiden beigelegt, wie 
Mone anz. 7, 18S wenig glaublich annimmt, dem Hagen; eher ist 
Heime gemeint: in castro Tirolis apud A thesin sunt armamenta de 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXX. 379 

corio cocto tibiis viri quondam fortissimi, videlicet Hagonis (I. 
Haymonis?) aptata. es ward in Tirol auch könig Laureins bar- 
nisch gezeigt, Wh. Grimm heldens. s. 302. Putschius hat dann 
selbst auch 1571 die sage von Heime und der gründung des klo- 
sters Wüten in fünfzig lateinischen distichen behandelt, die Mone 
im anhang zu seiner heldens. s. 2S8 nebst stücken der gereimten 
deutschen Übersetzung nach einem fliegenden blatt 'gedruckt zu 
Augfsburg bei Johann Schuhes jm jar 1601' wiederholt hat. hier 
heifst es im eingang dafs Sigenot, den Dietrich von Bern besiegte, 
die an Teriolensis bewohnt habe : 

Arx Teriolensis , contractu dicta Tirolis 
nomine, Signothum fovit alumna suum: 

quem debellavit rex quondam Theodericus, 
cui Verona potens nomina magna dedit, 

non secus ac Cacum vicit Tyrinthius heros , 
qui valida domuit plurima monstra manu. 

sie aliis alii vixisse feruntur in oris, 

corporibus quorum forma stupenda fuit, 

ut quendam perhibet Seyfridnm martia tcllus 

Vangionum, cui sunt cornea membra viro u. s. w. 
vgl. Wh. Grimm heldens. s. 301. 316. 319. den anfang der hoch- 
deutschen Übersetzung dieser distichen theilte Zingerle bei Pfeiffer 
a. a. o. s. 436 aus einem druck von 1634 als neu und unbekannt 
mit. die reime sind auf holztafeln geschrieben im kloster Wüten 
aufgestellt und darnach in Alpenburgs sagen Tirols (1857) s. 
374 ff. und mit einer nachricht und grabinschrift aus Burg- 
lechners tyrolischem adler (1620) in Zingerles sagen aus Tirol 
(1859) s. 90ff. abgedruckt, vgl. Mone anz. 7, 585f. — was 
Zingerle weiter in Pfeiffers Germania 2. 435 aus Burglechners tiro- 
lischem adler als Zeugnis für die deutsche heldensage beibringt, ist 
wie er selbst bemerkt aus der vorrede zum heldenbuch abgeleitet. 

10. In Jacob Ayrers historischem processus juris Belials con- 
tra Jesum (Frankfurt 1656) tritt 'der riefz Kuperari neben 
Cain und andern als zeuge Belials aus der hölle auf. er wird aber 
abgewiesen, weil er 'dem ritter Seyfriedt, könig Sigismunds im 
Niderland söhn, für den schlüfsel welchen er zu Grauholdten defz 
königs Gibichen tochter am Rheni im gefängnufz gehabt unwarhafter 
weifz verlaugnet, und darnach zum andern mahl darwider ein fal- 
schen eyd geschworen vnnd sich damit meyneydig gemacht vnd 



330 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

sich seibsten beraubt dafz er nicht jzeug seyn kan' s. 538. seine 
aassage ist s. 549: 'er heiTz Kuperan, er sey über fünfthalb hun- 
dert jähr gar wol alt vnd bab sich essens und trinckens Tnd son- 
sten wie ein kriegsmann ernehrt ... er sey davonwegen ein riefz 
oder ritter dafz er leut erschlagen soll, vnd hab ihrer viel er- 
schlagen, dargegen hab jhn der Hürnen Seyfried defz königs aufz 
Niederlandt söhn erschlagen'; vgl. s. 560. in Mones anz. 5, 419 
werden diese stellen aus einer ausgäbe von 1680 s. 497. 507 mit- 
getheilt. wahrscheinlich ist das Siegfridslied unmittelbar hier die 
quelle. 

XXXL 

Die schwedische Übersetzung der Thidrekssaga (hrsg. von 
Hylten-Cavallius, Stockholm 1850 — 1854), im fünfzehnten jahrb. 
wahrscheinlich zwischen 1449 — 1476 nach der alten noch jetzt 
in Stockholm befindlichen pergamenths. des nordischen Originals 
abgefafst, enthält einige eigentümliche zusätze, die schon Wh. 
Grimm hervorhob, in der heldens. s. 76 c. 158, wo 'et lönnalöff 
lag mellom hans härdar' mit Nib. S45, 3 stimmt, s. 257 c. 14 wo 
abweichend von dem altnordischen text c. 18, aber übereinstim- 
mend mit dem Rosengarten D Heime vier eilenbogen beigelegt wer- 
den; s. 40. 210 endlich die merkwürdigen capitel 283 — 286, die 
dem schlufs der ahn. saga angehängt sind und gewiss nie, wie Hyl- 
ten-Cavallius s. XXHIf. mit recht gegen Unger behauptet, 'zum 
altn. text gehört haben, sie berichten wie Wideke, aus der Raben- 
schlacht von seiner mutter nach Seeland gerettet, auf der insel 
Femarn sich ansiedelt, hier von Didrik aufgesucht und nach schwe- 
rem kämpf in seinem hause erschlagen wird, dafs aber dieser auf 
der rückreise nach Italien in einer Stadt Hofferdh in Schwaben 
(Hofweier im Badischen, südlich von Offenburg, meint Hylten-Ca- 
vallius) an seinen wunden gestorben, nachdem er sein schwert in 
einen see geworfen, und da auch begraben sei. dafür dafs Wideke 
in seinem eignen hause erschlagen und dafs niemand seinen 'bana- 
man' wifse, beruft sich der erzähler c. 385 auf die dänische sage: 
thet wisto alle i Danmark , und er wiederholt nur aus dem letzten 
cap. der altn. saga c. 438=382 dafs auch deutsche männer wüsten 
dafs Didrik nie in sein reich zurückgekehrt sei 'sydhan han redh 
fran thet badh, som en kailas Didriks badh'. Dänen mögen immer- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXX. XXXI. 381 

hin des erzählers nächste gewährsmänner gewesen sein, es kann 
aber doch nicht zweifelhaft sein dafs ihrem bericht wiederum deut- 
sche sage zu gründe lag. wie wäre dänische sage wohl darauf ver- 
fallen Dietrichs tod nach einer Stadt in Schwaben zu verlegen und 
die erzählung davon mit allem detail einer localsage auszustatten? 
die erzählung von Widekes tod auf Femarn trägt sogar noch mehr 
das gepräge einer localsage , so dafs ich sie unbedenklich unter die 
holsteinischen sagen würde aufgenommen haben , hätte ich sie frü- 
her gekannt, nach dem letzten cap. 386 der schwedischen Über- 
setzung soll Didrik selbst in einem unterirdischen haus ein schwar- 
zes ross haben aufziehen lafsen und darauf endlich von seinem bade 
aus heimlich fortgeritten sein um Wideke aufzusuchen und räche 
für seines bruders tod zu nehmen, als gewährsroann dieser erzäh- 
lung wird ein römischer kaiser Heinrich , der söhn eines herzogs 
Fyppoldi von Borgundia genannt, auch das sieht mehr nach einer 
erfindung eines deutschen spiclmanns aus, als nach dänischer sage, 
das merkwürdigste aber an der schwedischen Übersetzung ist die 
häufige vertauschung der in der ahn. saga gebräuchlichen namen 
mit formen , ja selbst mit formein von mehr oder minder rein nie- 
derdeutschem gepräge. Hylten-Cavallius s. XXXIVf., der dies mit 
recht hervorhob , trennt davon andre die sich näher an die in den 
dänischen und schwedischen Volksliedern vorkommenden an- 
schliefsen, und gelangt so zu dem schlufs dafs der Übersetzer noch 
niederdeutsche lieder und sagen müfse gekannt haben , aus denen 
er jene unmittelbar entnahm, ich lafse hier die namen in alphabe- 
tischer Ordnung folgen, sehe aber dabei von blofsen handschriftli- 
chen Verderbnissen und entstellungen , wie Attilia Attilius Aktilia 
Aktilius aus Attila, ab. 

Becculcer c. 244, Paclcer {Pceclar) 342 statt Bakalar deutet 
vielleicht auf mnd. Bekelere mhd. Bechekere. die nach ahd. -läri, 
giläri ganz richtige, umgelautete form, unverständiger weise neuer- 
dings im MF. 26, 3 im reim auf maere bestritten , ist z. b. in der 
Rabenschlacht 233. 719, gleichfalls im reim auf ma;ren, ge- 
wöhnlich. 

Bratinga borg c. 298 für Bertangaborg entspricht dem Brat- 
tingsborg der dänischen lieder bei Grundtvig nr. 7 D — H. 8. 10 D 
F. 16; vgl. Arwidsson nr. 3 — 6. 

Didrik heifst c. 185 van Bern, c. 182 Tidrik vanBerne, sonst 
af Bern, afBerna, altn. Thidrikr af Bern; vgl. Diderik von Berne, 



382 ZEUGNISSE UND EXCÜRSE 

Dyrik uden fan Bern bei Grundtvig s. 75 f., Thidrik Bära nr. 
XXX, Ib. 

Ermentrik für Erminrekr, wie Ermentrlch in mhd. hss., Ar- 
nientrik in dem ndd. liede von Ennenriks tod. 

Folkordh, Fulqwardh, Folkwardh speleman 305. 316. 318, 
wie in den liedern Falkvord Falkvor Falkor Folquard Markvard 
Markvar, für Folker Folkher. 

Gernholt 161. 176, Geroholdt 293. 326, Geruholt Gerholt in 
der zweiten hs. für Gernoz, in dän. liedern Gjerlo, Gernavl, Grund- 
tvig s. 34. 81. 

Gynter 161 und später immer für Gislher, Gisler. diese ver- 
tauschung ist wohl daraus zu erklären dafs Giselher den (nordi- 
schen?) Volksliedern unbekannt geworden war, der Übersetzer nahm 
ihn daher für den noch neben Gernolt (Gjerlo) vorkommenden 
Gynter (Grundtvig a. a. o.), liefs aber dem älteren bruder seinen 
in der saga gebräuchlichen, altnordischen namen Gunnar. 

Hagen, Haghen, hellit Ragen 185, helle van Hagen 199 statt 
Högni, in den dänischen liedern (Grundtvig s. 80f. ) stets Helled 
Hagen, bei Arwidsson nr. 4 A, 45 Hilletan Hagen, B, 7 Hilbad 
Hakansson, s. 4S al. lect. Hellevan Hakesän, offenbar aus helled van 
Hagen weiter entstellt. Hagen heifst af Tröya c 340. 365. 367, 
wie in der saga bei Unger c. (389). 395. 423. 425 af Troia. 

Herbrand som somma kallade Widferning c. 132 = Thid- 
rekss. c. 133 Herbrandr, hann er allra manna peirra vidförlaztr; 
Herbrand Widferling 162, Brand Widferling 172. 177, Brand 
180 = Thidrekss. c. 171. 182 Herbrandr hinn vidffirli, 192 Her- 
brandr, bei Grundtvig s. 67 Brand her Veffuerlin, Bern van Veffer- 
ling, Brand van Veflerlin, bei Arwidsson nr. 3 B dhen unge För- 
vifferlingh, al. lect s. 26 Elvart Yilsfärling, nr. 4 A Brandhen Hvit 
Förlink. 

Herding, so heifst 1) c. 213. 214 Herthegn von Verona; 2) 
(Herding i Nogard) c. 17. 20. 159 (c 19 einmal Hernid) Hertnid 
J Holmgardi; 3) c. 26. 27. 31. 297. 298. 299 Hertnid der söhn des 
Ilias, daneben 298. 301 Herdind und einmal 247 noch Hernid; 
4) c. 33 Ortnid oder Otnid der bruder des Attila ; dagegen Hertnid i 
Bergara oder Babilon heifst, wie in den hochdeutschen gedichten, c. 
359. 362 Ortnidh i Brugara-land, und dieser theil fehlt in der alten 
Stockholmer hs. der saga, s. oben nr. XXIV. — Herding, wofür ein- 
mal 213 Harding geschrieben ist, konnte da in hochdeutschen ge- 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXXI. 383 

dichten (Haupt vorr. zu Konrads Engelhard s. IX) Hartnlt und 
Hartunc wechseln, auch in norddeutschen liedern für Hardnid, 
Herdnid gebräuchlich sein ; es scheint aber fast nur durch Verderb- 
nis entstanden zu sein, doch bleibt zu beachten da/s der übersez- 
zer c. 17 auch für Hirdir neben Hirder die unzweifelhaft richtige, 
niederdeutsche form Herder d. i. Hardhere hat 

Heyme de kleyne 96, Heym de kleyne 112, vgl. 135. 166, 
hin klene 370. 377. 381 statt Heimir. das unnordische epitheton 
ist der saga fremd, auch unsern mbd. epcn. Heimes vater heifst bei 
dem Übersetzer Studder oder Studer, in der saga Stüdas. 

Hillebrand c 12 und so fort stets mit der assimilation, wie in 
den dänischen und schwedischen liedern, statt Hildibrandr. 

Bumlimga, Humlunga landh für Ömlungar, Ömlunga land, 
während Ömlungr (Amelunc) Hornbogis söhn 186. 187 und sonst 
Ämlung heifst, aber in den dänischen liedern (Grundtvig s. 71) 
Hummerlummer Hommelom Hutnbluni, in den schwedischen bei 
Arwidsson nr. 4 A. B s. 45 Hammerlom Homerlom Hammer- 
lungh Hammerlund. 

Krimiida 16t, Crimilla 209. 291 IT., Kremilla 305 statt Grim- 
hildr, Grimildr; Kremold bei Grundtvig nr. 5. 16, Gremild in der 
hvenschen chronik., Grimmild bei Arwidsson nr. 6; oben nr. XII. 

Rödger 252. 269. 270 ff. für Rodingeirr, woraus das dän. 
Raadengaard entstellt ist, Grundtvig s. 73. das Verderbnis stammt 
aus deutscher quelle: Rüdengerus Lacombl. nr. 395 a. 1158, Beyer 
nr. 647 a. 1166, Rudingerus cod. Hirsaug. p. 87, Riedinger Wh. 
Grimm heldens. s. 283. 

Segistop 83, die andre hs. Seyelstap für Sigstaf; nr. XXVI, 4. 

Seveke 230. 232. 242, sonst Seveken Sewechin Sevekin cet 
(mnd. Seveke, Sevekin), Junker Sceveken 230, jonkar Sewekin 355 
für Sifka. 

Skimling 14, Skymling 780". für Skemmingr, bei Grundtvig 
nr. 7 (s. 70) Skeming, Skemming, Skemling, bei Arwidsson nr. 4 
A. B Skymling, Skymbling. 

Walter af Wasekenslen 128, Vaskensten 280, Walter af Was- 
kensten 147, die andre hs. Volter af Vode Vasekensten, Vollter van 
Vaskinsten statt Valtari af Vaskasteini. 

Weland 55 ff. für Velenl, in den dän. scbwed. liedern Ver- 
land, doch s. Wedekc. 

Wedeke 87. 88. 89. 90. 180, daneben und zwar gewöhnlich 



384 ZEUGNISSE UND EXCURSE 

Wideke für Vidga (d. i. niederd. Wedege, s. oben nr. III); den bei- 
satz VeUntson findet man in der alten saga wohl nur einmal c. 323, 
bei dem Übersetzer aber viel häufiger Welandason, Weilern- Welan- 
son 96. 112. 274. 276. 285. 386, wie regelmäfsig in den liedern 
Vidrik Velands-Vellands-Villands- oder Verlands-Varlands-Val- 
landssön bei Grundtvig s. 68 und ebenso bei Arwidsson nr. 3. 4. 

5 A Widrich Welands-Wellands-Willands-Wellamsson, nr. 5 B. 

6 Werlandsson. 

Der schlofs, den Hylten-Cavallius an namen wie Seveke, We- 
deke, Rödger und fonneln wie Didrik van Berne, belte van Hagen, 
Heyme de kleyne, Wolter van Wasekensten knüpft, wäre für die 
geschichte unseres volksepos sehr erwünscht und willkommen. 
aber gerade die lieder seiner heimat beweisen bei helle van Hagen 
(vgl. unter Didrik) dafs solche formein und formen nicht unmit- 
telbar aus niederdeutschen liedern von dem Übersetzer brauchen 
entlehnt zu sein, die schwedischen und dänischen lieder enthielten 
im fünfzehnten jabrh. gewis noch manche bestandtheile der art, die 
ihre herkunft und abstammung aus niederdeutschen deutlicher er- 
kennen liefsen, als die spätem aufzeichnungen , die nns vorliegen. 
Heyme de kleyne, später auffallender weise neben Yidrik Velands- 
son ganz vergefsen, kam im fünfzehnten jahrh. gewis noch in den 
liedern vor, und auch 'Rödger af Becculaer' oder 'Peclaer' war noch 
nicht vergefsen oder bis zur Unkenntlichkeit entstellt auch andre 
lieder die uns jetzt verloren sind , lieder von Ermentrik und Junker 
Seveken, von Wolter van Waskensten, von Wedeke und Segestop und 
vielleicht von Herding und Herder mögen damals noch im norden 
gangbar gewesen sein, bei der Verbreitung die das niederdeutsche 
durch den bandelsverkehr und die politische bedeutung der bansa 
in den Städten und an den böfen des nordens gewonnen hatte liefse 
sich sogar denken dafs sie dort noch in ihrer niederdeutschen ge- 
stalt umliefen, bei dieser annähme würde zweierlei erklärlich, nicht 
nur dafs die rein niederdeutschen namen und formein dem schwe- 
dischen Übersetzer und, wie er ohne zweifei voraussetzte, auch 
seinen lesern vollkommen geläufig waren, sondern auch dafs später 
von jenen liedern, die nicht in die Volkssprache des nordens über- 
giengen , keine spur mehr übrig ist. auf jeden fall bedarf Hylten- 
Cavallius folgerung einer einschränkung. 



ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE. XXXI. XXXII. 385 



XXXII. 

Unweit Gemünden in Unterfranken an der Saale liegt das klo- 
ster Schönau, nahe dabei eine wiese, der Lingumrm genannt, mit 
einer kleinen Vertiefung, die mit wafser angefüllt ist. der kneebt 
eines saubirten , den man Säufritz nannte, badete sich öfter darin 
wenn er sebweine hütete, und wurde davon so hart dafs ihm keine 
waffe schaden konnte. Säufritz zog danach fort, verrichtete viele 
heldenthaten und kehrte zurück, nachdem er sich grofse schätze 
erworben hatte, damit baute er die Seifridsburg, deren trümmer 
auf einem berge etwa eine Viertelstunde oberhalb Schönau noch 
jetzt sichtbar sind. 

So erzählt Panzers beitrag zur deutschen mythologie (1848) 
s. 178 f. — Bernhard Baader in Mones anz. (1835) 4, 410, der 
dieselbe sage berichtet, kennt die wiese und ihren namen nicht, 
sondern sagt dafs der schweinhirtenbube beim schwemmen seiner 
heerde in der Saale etwas gefunden habe, was ihn gegen hieb und 
schufs fest gemacht, nachdem er sich damit gerieben, nach seiner 
aufzeichnung in den volkssagen aus dem lande Baden und den an- 
grenzenden gegenden (1851) nr. 435 aber erlegte Säufritz dort 
einen lindwurm der in der lache auf der wiese hauste (vgl. ztschr. 
7, 429 f.), indem er ihn mit steinen tot warf oder ein lamm ihm zu 
frefsen gab und ihn dabei überfiel : das wafser hatte durch den aufent- 
halt des wurms die eigenschaft hieb- und stiebfest zu machen be- 
kommen und da der bube nach dem siege darin badete, habe er 
absichtslos jene festigkeit gewonnen: adel und reich thum gewann 
er dann in kriegen gegen die ungläubigen, nach Becbstein (sagen 
des Frankenlandes 1, 145) heifst ein Wäldchen zwischen Seifridsburg 
und Schönau Lindwurm und den lindwurm, der ehemals in der 
nähe desselben bauste, soll der ritter von der Seifridsburg erlegt 
haben. — über die entdeckung eines Siegfridsbrunnen im Odenwald 
und den jetzt durch die bemühungen des hessen- darmstädtischen 
geheimen Staatsrat!] dr Knapp zur erinnerung an den dort ermor- 
deten beiden aufgestellten 'denkstein' s. J. W. Wolf hess. sag. s. 
207 — 210. 

bvi mun uppi, medan öld lifir, 
biodar bengill, bitt nafn vera. 
1. 9. 60. Sigurdarqv. 1, 41. 

Z. F. D. A. Xu. 25 



386 KLEINE NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN. 



KLEINE NACHTRÄGE UND BERICHTIGUNGEN. 

s. 255, 2 v. u. I von Tillemont. 256, 6. 5 v. n. 1. got. avi statt aaja, 

wie mavi bivi statt maaja (magvja) biuja. 269, 14. 271, 2. vgl. alto. 

fremja orrustu, bardaga, gunni bei Egilsson 20l">. 269, 15. 271, 13IT. 

ich larse feto zweifelhaft, weil Dietricbs ausleguog doch anf einem paralogis- 
mus beruht, da in gr. xoaptiv zunächst der begriff der woblordooog liegt, got. 
fetjan ags. faetan aber schmücken, zieren bedentet, ags. fseta also nie soviel 
wie xoaftTJTris sein würde, der ganze vers bleibt zweifelhaft. 277, 1. 1. 

'zeinera' oder 'zeim dem aller besten'. 279. icb hätte nicht unerwähnt 

iafsen sollen dafs Dietrich das schwert Nagelring dem riesen Grim abnimmt 
und es später dem Heime schenkt, Thidrekss. c. 16. 108, vgl. heldens. s. 59. 
ist diese sage alt, so lag eiu Wechsel mit Witege nahe nnd die angaben des 
ags. gediebts könnten daraas erklärt werden. 296 ff. bei nochmaliger 

Überlegung scheint es mir doch das richtigste, zwei gleich alte uod gleichberech- 
tigte formen eines adjeetivs hagns und bags, das für älteres bagas steht, anzu- 
nehmen und demgemäß Haguna Haguno und Hagna altfränk. Chagno, woraus 
mit der ahd. vocalisation Hagano ward, einander gleichzusetzen, für die alte 
deutung durch hagan paliurus ist, wie schon bemerkt, gleichwohl nichts damit 
gewonnen. 304, 24. die stellen Beov. 12S1 siddan tnne fealh, 2226 and 

fxer tnne fealh sind mir nicht unbekannt. 305, 15. 1. gegen die Hünen. 

315, 7. Haupt weist mir noch eine Gunderun de Aschbach von c. 1136 
im urkundenbuch des klosters Michelsberg p. 20 im sechzehnten beriebt des 
bislor. Vereins zu Bamberg 1S53. 329, 15. mittlerweile ist mir der 'Fres- 

kencyclus des schlofses Ruukclstcin bei Bozen, gezeichnet und lithographiert 
von Ignaz Seelos, erklärt von dr Ignaz Vinzenz Zingerle Insbrnck (1857)° 
zu gesicht gekommen, die deutung der drei jungen ritter (taf. T) auf Diet- 
rich Siegfrid und Dietleib ist sieber durch die beisebriften. 'Ditterich vo Pern 
treit saebs'; er ist bartlos, ohne heim oder andre kopfbedeckuog, sein sebild 
roth, der löwe darauf sehr unkenntlich, 'der Sivreit treit er palmung"; auch 
Siegfrid ist ohne bart, trägt eine kappe mit einer bobeo weifsen feder und 
einen rotben. Schild mit einer kröne, wie Nib. 214, 2, vgl. Wh. Grimms hel- 
dens. s. 132. 'Dietleib von steyer treit Beisong'; er ist bärtig, trägt ein barett 
und bat ein einhorn im goldnen scbilde, wie sein vater im Biterolf 10813. 
10830, vgl. heldens. s. 127. auch die drei riesen und riesenweiber auf taf. IV, 

diese mit der aufsebrift 'Voder allen ongeheurn mag man sü fir die vnge- 

heuerigisteu schreiben', gehören wohl der deutschen beldensage an, aber die 

deutung ist sehr ungew is. 333, 22. 23. I. dafür abgibt und die . 

336, IS I. Siward. 356, 22. icb hätte noch anfübreo können aus den 

'quellen und erörterungen' I nr. 269 a. 1177 — 1201 einen Karolus Rex als 

zeugen. 

3. 12. 60. MÜLLENHOFF.